Angesichts einer sich zuspitzenden internationalen Lage rund um den Iran und wachsender militärischer Spannungen gewinnt die Frage nach Krieg oder Deeskalation erneut an Dringlichkeit. Während politische und militärische Akteure über Eingreifen und Einflusszonen verhandeln, geraten die möglichen Folgen für die Zivilbevölkerung, die globale Versorgungslage und den Frieden zunehmend aus dem Blick.
Der folgende offene Brief richtet sich an den NATO-Generalsekretär und ist Ausdruck einer klaren zivilgesellschaftlichen Stimme gegen eine weitere Eskalation. Er prangert die Logik militärischer Intervention an, benennt die absehbaren humanitären und wirtschaftlichen Konsequenzen und fordert ein Umdenken hin zu Verantwortung, Völkerrecht und gewaltfreien Lösungen.
In einer Zeit, in der Konflikte allzu oft mit Waffen beantwortet werden, setzt dieser Beitrag ein deutliches Zeichen für zivilen Widerstand, internationale Solidarität und die Notwendigkeit, politische Konflikte jenseits von Gewalt zu lösen.
Ursula Mathern
urs.math@gmx.netGeneralsekretär der NATO
Herrn Mark Rutte
rutte.mark@hq.nato.intOffener Brief zu „Wir sind uns natürlich alle einig, dass der Handel wieder aufgenommen werden muss“
Werter Herr Rutte,
sehen Sie sich verpflichtet, US-Präsident Trump bei Laune zu halten? Gerade haben verschiedene europäische Länder Trumps Aufruf zur Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormus eine Abfuhr erteilt. Dies sei „nicht unser Krieg, kein NATO-Krieg, erklärten sie allesamt vollmundig.
Doch schon treffen sich Vertreter der NATO-Länder in Norwegen mit Ihnen zu gemeinsamen Beratungen.
„Wir sind uns natürlich alle einig, dass der Handel wieder aufgenommen werden muss“, werden Sie in der Welt zitiert: Iran-Krieg: +++ Trump droht seinen Verbündeten – und lockert mehr als 100 Jahre altes Schifffahrtsgesetz +++ Liveticker – WELT
Soll nun also der unprovozierte völkerrechtswidrige Angriffskrieg, den Israel gemeinsam mit den USA – wohlgemerkt während laufender Verhandlungen, bei denen Iran enorme Zugeständnisse gemacht hatte – gegen den Iran losgetreten haben, unter der Hand doch zu einem NATO-Krieg umfunktioniert werden?
Klar sitzen US-Präsident Trump und Israels Regierungschef Netanjahu, gegen den schon länger ein internationaler Haftbefehl wegen des Völkermords in Gaza besteht, in der Patsche. Beide haben sie sich verkalkuliert, von wegen Krieg gegen den Iran in ein paar Tagen! Dabei hatte Iran beide vorgewarnt. Auch Trump war von einigen seiner eigenen Berater dringend davor gewarnt worden. Zudem ist dieser Krieg in der US-Bevölkerung äußerst unbeliebt. Nun gehen Trump und Netanjahu die Abfangraketen aus.
Netanjahu lässt iranisches Führungspersonal einfach mal ermorden. Wie in Gaza und im Libanon vorexerziert, werden nun auch im Iran Schulen und Krankenhäuser zerstört sowie vorzugsweise Gesundheitspersonal getötet. Zahllose Zivilisten haben bereits ihr Leben verloren. Aber ihre Kampfkraft wirkt ungebrochen.
Von den Zerstörungen in Israel erfährt man aufgrund strengster Zensur wenig.
Unterdessen hat Iran – wie im Vorfeld angekündigt – US-Stützpunkte in den Golfmonarchien angegriffen, wichtige Radaranlagen zerstört.
Und nicht zuletzt sind infolge der Schließung der Straße von Hormus die Energiepreise bereits stark gestiegen; zugleich drohen ein globaler Wirtschaftskollaps sowie Hungersnöte aufgrund fehlender Düngemittel.
Das hatten sich die Initiatoren dieser Katastrophe so wohl nicht ausgemalt.
Was wollen Sie eigentlich? Dass die NATO sich jetzt auch noch einmischt und versucht, die Straße von Hormus mit Gewalt wieder zu öffnen?
Vor einem solchen Selbstmordkommando kann nur ganz eindringlich gewarnt werden.
Dieses Ziel werden Sie nicht erreichen, das Fiasko nur noch weiter verschlimmern.
Kommen Sie doch einmal zur Vernunft!
Schluss mit diesem Wahn!
Keine NATO-Unterstützung! Schluss mit dem Krieg!
Die Verantwortlichen, die US-Regierung und die israelische Regierung, müssen endlich zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden.
Falls Sie und Ihre NATO-Freunde sich gegen alle Vernunft doch zu einer NATO-Beteiligung hinreißen lassen, gilt dasselbe auch für Sie!
Ursula Mathern










