In letzter Zeit hören wir immer wieder, dass Frieden durch Stärke erreicht wird. Man versucht uns davon zu überzeugen, dass Gewalt Frieden schafft. Haben wir den Krieg in Vietnam, den Krieg im Irak, den Bürgerkrieg in Syrien und die jüngste Zerstörung in Gaza so schnell vergessen? Hat Gewalt irgendetwas gebracht? Hat sie dir in den Konflikten, die du erlebt hast, weitergeholfen? Macht sie die Lage besser oder schlechter?

Man will uns weismachen, dass „Auge um Auge“ die einzige Lösung ist. Viele von uns glauben, dass wir alle blind enden werden, wenn wir weiterhin nach dem Prinzip „Auge um Auge“ handeln.

In einer globalisierten Welt wird die Lage immer klarer: entweder totaler Frieden oder totaler Krieg.

Wir müssen der Gewalt und dem Krieg unsere Unterstützung entziehen und aufhören, an ihre Wirksamkeit zu glauben. Bis zu einem gewissen Grad glauben die meisten von uns, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als den Gewalttätigen mit Gewalt zu begegnen. Aber viele von uns beginnen zu begreifen, dass es einen anderen Weg gibt. Es gibt bereits mehrere Beispiele in der Geschichte: die Unabhängigkeit Indiens, die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten, das Ende der Apartheid in Südafrika, die friedlichen Revolutionen im Osten – es gibt etliche schwerwiegende Konflikte, die hauptsächlich mit gewaltfreien Mitteln gelöst wurden. Das sind gut untersuchte Fälle; wären sie gewaltsam verlaufen, hätten sie wahrscheinlich in Bürgerkriegen oder noch schlimmeren Massakern geendet.

Wir müssen einen anderen Weg einschlagen und auf eine gewaltfreie Welt hinarbeiten. Und das muss bei jedem und jeder Einzelnen von uns beginnen: Wir müssen uns alle in unserm Alltag für Gewaltfreiheit entscheiden und aufhören, diejenigen zu unterstützen, die fälschlicherweise Sicherheit durch Krieg eine harte Hand versprechen. Denn das funktioniert nicht – es bringt manchmal vorübergehenden Frieden, schürt aber ewigen Groll, der nach Gelegenheiten sucht, Rache zu üben.

Weltweit werden für jeden Dollar, der für Friedensarbeit ausgegeben wird, zwischen 300 und 2.000 Dollar für Gewalt ausgegeben – niemand weiß genau, wie viele es sind! Sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein? Wer profitiert denn von der Gewalt?

Es ist notwendig, vorrangig in die Friedensförderung zu investieren, der Verbreitung von Atomwaffen Einhalt zu gebieten, sich aus besetzten Gebieten zurückzuziehen, der Diplomatie eine echte Chance zu geben, Bildungsprogramme an Schulen auszubauen, an neuen Modellen der restaurativen Justiz und Mediation zu arbeiten, verbindliche Abrüstungsverträge zu fördern sowie der psychischen Gesundheit und dem sozialen Wohlbefinden Vorrang einzuräumen und gewaltfreie Kommunikation zu stärken – und vieles mehr. – Ich weiß, dass all das wie eine Utopie klingt, gerade jetzt, wo alles in die entgegengesetzte Richtung läuft. Dennoch muss das bei jeder und jedem von uns anfangen.

Werden wir weiterhin Gewalt gutheißen – bei unseren Kindern, unseren Familien, unseren Beziehungen und Verhaltensweisen? Werden wir gewalttätige Politiker:innen, Influencer:innen und Künstler:innen weiter unterstützen?

Geben wir dem Frieden eine Chance!

Alle können das heute tun, indem wir die Konflikte im unmittelbaren Umfeld mit dem in Zusammenhang bringen, was in der Welt geschieht. Indem wir unsere eigene Gewalt mit dem verbinden, was in der Welt geschieht. Und indem wir lernen, in unserem Alltag gewaltfreie Antworten zu geben.

Ein einziger Vorschlag ergibt für mich Sinn: Trage den Frieden in dir und bringe ihn zu den anderen.

Entlarve die Lüge der Gewalt durch dein Verhalten und übe dich in aktiver Gewaltlosigkeit; lerne, Gewalt in dir und in deinen Mitmenschen zu erkennen und ihr zu widerstehen, denn nur Frieden ist Stärke.

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Domenica Ott vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!