Die Facebook-Seite The Other 98% berichtet, wie in Minneapolis der winterliche Frost überraschend zu einem wichtigen Verbündeten für die lokale Bevölkerung wurde, die sich mit allen, auch den kreativsten Mitteln der Brutalität der ICE-Agenten entgegensetzt.
In Minneapolis hat die Auseinandersetzung zwischen der Einwanderungsbehörde ICE und lokalem Widerstand eine unerwartete Wende genommen – dabei ging es nicht nur um die Politik, sondern auch um die Temperatur. Während die Bundesbeamten sich gruppierten, nutzten die Demonstrierenden Eis und winterliche Bedingungen als taktischen Vorteil.
Die Straßen rund um die Bundesgebäude sind rutschig wegen der überfrierenden Nässe. Schnee, Schlamm und absichtlich angelegte Eisplatten erschweren die Bewegungen der gepanzerten Fahrzeuge und noch mehr die des ICE-Personals. Videos, die online kursieren, zeigen die Agenten, die Mühe haben, ihr Gleichgewicht zu halten, und auf den vereisten Bürgersteigen ausrutschen, während die warm angezogenen Einwohner sicher stehen, ohne hinzufallen.
Die Bundesbeamten warfen den Aktivist:innen sogar vor, Wasser vergossen zu haben, um gefährliche Bedingungen zu schaffen, und nannten dies ein Verbrechen gegen den Staat – ein Beweis für die Tatsache, dass der Winter in Minneapolis Bestandteil des Widerstands ist.
Die Proteste waren massiv und langwierig und zogen Tausende von Menschen bei Temperaturen unter Null an, um die staatliche Taktik zu verurteilen und Gerechtigkeit für den Tod von Renee Good zu fordern. Bei Kundgebungen im Powderhorn Park und Demonstrationen durch die Lake Street versammelten sich Menschenmengen mit Schildern, Slogans und Solidaritätschören bei Verhältnissen, bei denen Behörden zweimal überlegen müssten, ob sie Beamte überhaupt hinausschicken.
Abgesehen vom Spektakel der Agenten in Tarnanzügen, die auf den Eisflächen ausrutschen, zeigt dieser Moment eine tiefere Wahrheit über den Konflikt zwischen einem hoch militarisierten Staatsapparat und einer in gelebter Erfahrung verwurzelten Gemeinschaft.
Viele Demonstrierende waren mit warmer, isolierender Kleidung und Stiefeln mit Spikes ausgestattet. Ihr Wissen über den Winter beruht auf jahrelanger Erfahrung mit der Kälte in Minnesota und nicht auf staatlichen Schulungshandbüchern. Dieser Unterschied – praktische winterliche Resilienz gegen bürokratische Gesetzesanwendung – zeigt sich in Echtzeit in den Straßen der Stadt.
Sie führt auch zu einer rechtlichen und politischen Reaktion. Ein Bundesrichter in Minnesota verbot es den ICE-Beamten und der Behörde für Innere Sicherheit, friedliche Demonstrierende zu verhaften oder Taktiken zur Kontrolle der Menschenmenge wie Tränengas zu verwenden, sofern nicht ein begründetes Motiv vorliegt. Diese Entscheidung ist dem Druck der Gruppen für die bürgerlichen Freiheiten zu verdanken, die gegen das Verhalten protestieren, das sie als verfassungswidrig bezeichnen.
In der Zwischenzeit haben der Bundesstaat Minnesota und die Städte Minneapolis und St. Paul gemeinsam Klage gegen die Bundesregierung eingereicht, mit der Begründung, dass die massive Repressionswelle, die bereits zu Tausenden von Verhaftungen geführt hat, gegen die Verfassungsrechte verstößt, und fordern deren Beendigung.
Es ist allerdings keine Lockerung seitens der Politik zu erkennen. Anfang der Woche schoss ein ICE-Agent während einer Verkehrskontrolle auf einen Venezolaner und verletzte ihn an einem Bein, was erneut allgemeine Empörung auslöste.
Was derzeit in Minneapolis geschieht, erinnert uns daran, dass Macht nicht allein durch Gesetze oder Gewalt definiert wird, sondern auch durch ein Gebiet mit Erinnerungen und Zugehörigkeitsgefühl. Die Einwanderungsbehörde ICE kam autoritär und mit Waffen. Die Demonstrierenden kamen mit Winterstiefeln, und in einer Stadt, die dafür gebaut wurde, der Kälte standzuhalten, ist dies ein entscheidender Unterschied.
Übersetzung aus dem Italienischen von Annette Seimer vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige!









