Wir dürfen Julian Assange nicht sterben lassen

28.11.2019 - Reto Thumiger

Wir dürfen Julian Assange nicht sterben lassen
(Bild von Reto Thumiger, Pressenza)

Assange ist gesundheitlich sichtlich gezeichnet vom jahrelangen Botschaftsasyl, von der Einzelhaft und von der steten Drohung der Auslieferung an die USA, wo er bis zu seinem Lebensende weggesperrt werden soll. Er ist in den USA nach einem Spionagegesetz aus der Zeit des 1. Weltkrieges angeklagt und ihm drohen 175 Jahre Gefängnis, vielleicht sogar die Todesstrafe. Von einem fairen Auslieferungsverfahren kann keine Rede sein. Seine grundlegenden Rechte auf Vorbereitung seiner Verteidigung wurden ihm verweigert, sein Zugang zu Rechtsberatung und zu Dokumenten stark eingeschränkt. An ihm soll ganz offensichtlich ein Exempel statuiert werden, das andere davon abschrecken soll, über Kriegsverbrechen und Korruption aufzuklären.

DIE LINKE protestiert mit einem Kunstevent am Brandenburger Tor und vor der amerikanischen Botschaft gegen die Inhaftierung des Journalisten und Gründers der Enthüllungs-Plattform WikiLeaks Julian Assange in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis in Belmarsh und gegen die drohende Auslieferung an die USA.

Die Skulptur „Anything to say?” wurde am 1. Mai 2015 in Berlin eingeweiht. Nachdem sie in 12 europäischen Städten Halt gemacht hat, kehrt sie heute wieder zur Aktion „Medien unter Beschuss“ nach Berlin zurück. Sie repräsentiert Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning.

„Die Wahrheit ist der erste Schritt in Richtung Freiheit und Demokratie“, sagt der Künstler Davide Dormino nach der Enthüllung und die Skulpturen möchte jene unterstützen und ihnen Mut machen, die die Wahrheit verteidigen.

Wir dürfen Julian Assange nicht sterben lassen

Der Künstler Davide Dormino mit seiner Skulptur „Anything to say?“. (Bild Reto Thumiger, Pressenza)

Sevim Dagdelen, MdB, Fraktion DIE LINKE bezeichnete Assanges Verfolgung „einen Angriff auf den investigativen Journalismus, auf die Pressefreiheit und auf die Demokratie“.

Julian Assange und WikiLeaks haben die Weltöffentlichkeit über Kriegsverbrechen der USA in Irak und Afghanistan informiert. Nicht diejenigen, die diese Verbrechen befohlen und begangen haben, stehen am Pranger und vor Gericht, sondern derjenigen, die sie öffentlich gemacht haben. Julian Assange hat einen wichtigen Beitrag für Frieden, Aufklärung und Demokratie geleistet.

Sahra Wagenknecht, die ebenfalls ans Rednermikrofon trat, würdigte Assange dafür, die Wahrheit über die Verbrechen und den Schrecken des Krieges ans Licht gebracht zu haben. Nun sei es an uns, ihm einen Dienst zu erweisen.

„Wir dürfen es nicht zulassen, dass Julian Assange getötet wird und sein Leben ist in großer Gefahr. Davor haben 60 Ärzte aus 8 Ländern die britische Regierung eindringlich gewarnt.“, so Wagenknecht weiter.

Assange wird in der Haft in Belmarsh systematisch zerstört und weist alle Anzeichen psychischer Folter auf, wie der UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer festgestellt hat.

Es ist erschreckend, dass in einem Mitgliedsland der europäischen Union solche Zustände herrschen und dass die Hilferufe für Julian Assange bei allen Mitgliedsländern der EU ungehört verhallt sind.

Julian Assange hat den Mut gehabt, aufzustehen und Unrecht beim Namen zu nennen. Ihm gebühren Preise und Auszeichnungen für seine Aufklärungsarbeit und nicht Gefängnis und Folter.

Auch Chelsea Manning gilt unsere Unterstützung, die erneut in den USA im Gefängnis sitzt, weil sie sich weigert, vor einem geheimen Ausschuss gegen Assange und Wikileaks auszusagen.

Ebenfalls anwesend auf dem Pariser Platz in Berlin war Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter über Folter. Er warf dem Westen vor, seine Dissidenten auch zu verfolgen, sie in politischen Schauprozessen mit drakonischen Strafen zu belegen und wie gefährliche Terroristen in Hochsicherheitsgefängnissen unter entwürdigenden und unmenschlichen Bedingungen wegzusperren.

Wir dürfen Julian Assange nicht sterben lassen

Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter über Folter bei seiner Rede am 27. November 2019 vor dem Brandenburger Tor. (Bild: Reto Thumiger, Pressenza)

„Unsere Regierungen fühlen sich durch Menschen wie Manning, Snowden und Assange bedroht, denn sie sind Whistleblower, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, die uns handfeste Beweise geliefert haben für Missbrauch, Korruption und Kriegsverbrechen der Mächtigen, und die nun systematisch diffamiert und verfolgt werden. Sie sind die politischen Dissidenten des Westens und ihre Verfolgungen sind die Hexenprozesse von heute“, sagte Melzer auf dem vierten Stuhl der Kunstinstallation stehend.

Davide Dormino hat Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning mit seiner Skulptur „Anything to say?“ ein wunderbares Denkmal geschaffen. Und der vierte leere Stuhl ist für uns alle da, damit wir aufstehen gegen dieses Unrecht, dass wir hier erleben. Journalismus ist kein Verbrechen. Julian Assange muss frei kommen.
#FreeAssange

Weiterführende Quellen und Texte:

Edward J. Snowden erhält Whistleblower-Preis 2013

Dank Edward J. Snowden bekam die Weltöffentlichkeit Einblicke in die Überwachungs- und Spionagetätigkeiten unserer Geheimdienste, von denen wir alle jederzeit und ohne konkreten Verdacht betroffen sein können.

https://www.peira.org/freiheit-fuer-julian-assange-keine-auslieferung-an-die-usa/

Edward Snowden bald Ehrendoktor der Universität Rostock?

Im November 2013 beschloss die Philosophische Fakultät der Universität Rostock in der Sitzung ihres Fakultätsrates auf Antrag des Dekans Prof. Hans-Jürgen von Wensierski und der beiden Prodekaninnen Prof. Gesa Mackenthun und und Prof. Elizabeth Prommer, ein Verfahren in Gang zu setzen, in dem die Möglichkeit geprüft wird, dem US-amerikanischen Staatsbürger Edward Snowden die Ehrendoktorwürde der Fakultät zu verleihen.

https://www.peira.org/edward-snowden-bald-ehrendoktor-der-universitaet-rostock/

Der CIA-Folterreport – ein einzigartiges zynisches Dokument

Die Foltermethoden der CIA kennen offenbar, wie es dem im Dezember 2014 vorgelegten Report zu entnehmen ist, keine Grenzen. Eine größere Verhöhnung und Beschädigung der westlichen Werte ist nach menschlichem Ermessen nicht mehr vorstellbar.

https://www.peira.org/der-cia-folterreport-ein-einzigartiges-zynisches-dokument/

Mit Whistleblowing wäre das nie passiert…

Warum sich die PIRATEN Berlin für einen Whistleblowerschutz einsetzen: Der VW-Skandal um Manipulationen im großen Stil wäre nicht möglich gewesen, wenn es üblich und erlaubt wäre, Gesetzesverstößen, Korruption oder Missstände in Unternehmen und Behörden öffentlich zu machen („Whistleblowing“).

https://www.peira.org/mit-whistleblowing-waere-das-nie-passiertwarum-sich-die-piraten-berlin-fuer-einen-whistleblowerschutz-einsetzen/

Eine überfällige Begnadigung

Gestern hat der aus dem Amt scheidende amerikanische Präsident Obama Chelsea Manning begnadigt. Nach sieben Jahren in Haft, zeitweise unter Folter-ähnlichen Bedingungen, kann sie das Gefängnis am 17. Mai als freier Mensch verlassen.

https://www.peira.org/eine-ueberfaellige-begnadigung

John Shipton: Assanges Vater und Botschafter in Berlin

John Shipton, Julian Assanges Vater, ist gekommen, um zu bleiben. Zumindest solange bis sein Sohn frei kommt.

https://www.pressenza.com/de/2019/10/john-shipton-assanges-vater-und-botschafter-in-berlin

Die deutsche Friedensbewegung fordert Solidarität mit Julian Assange!

Was kann ich tun? Breche das Schweigen!

https://www.pressenza.com/de/2019/08/die-deutsche-friedensbewegung-fordert-solidaritaet-mit-julian-assange

Die Täter-Opfer-Umkehr

Julian Assanges De-Facto-Isolationshaft in der Ecuadorianischen Botschaft war der Versuch, ihn psychisch zu brechen.

https://www.pressenza.com/de/2019/07/die-taeter-opfer-umkehr

Pink Floyd’s Roger Waters spielt ‚Wish You Were Here‘ für Assange Demo in London

Die Pink-Floyd-Legende Roger Waters spielt seinen Welthit ‚Wish You Were Here‘ während einer Kundgebung unter dem Motto „Don’t Extradite Assange“ (Liefert Assange nicht aus) vor dem britischen Innenministerium in London.

https://www.pressenza.com/de/2019/09/pink-floyds-roger-waters-spielt-wish-you-were-here-fuer-assange-demo-in-london

Pressefreiheit – Analyse eines westlichen Werteverfalls

Die Freiheit der Presse erodiert. Beteiligt daran sind zu wesentlichen Teilen die Medien selbst.

https://neue-debatte.com/2019/08/12/pressefreiheit-analyse-eines-westlichen-werteverfalls

Assange war erst der Anfang!

Julian Assange soll lebenslänglich ins Gefängnis. Die Mächtigen knebeln die Presse, in den USA, in Frankreich und jetzt auch in Deutschland.

https://neue-debatte.com/2019/06/07/assange-war-erst-der-anfang

Ausgewertet! Das Imperium, seine Chargen und Julian Assange

Die westlichen Werte taugen nicht mehr als Argument. Das Imperium und seine Chargen haben aus dem ideellen Gut das Gelalle von Barbaren gemacht.

https://neue-debatte.com/2019/06/15/ausgewertet-das-imperium-seine-chargen-und-julian-assange

Julian Assange und der Zustand der Demokratie

Die Zerstörer der Demokratie sitzen längst in den Institutionen.

https://neue-debatte.com/2019/04/14/julian-assange-und-der-zustand-der-demokratie


Videobeiträge:

Assanges Auslieferungsverfahren ist “eine Farce”: Bericht eines Beobachters bei Assanges Anhörung

In diesem Video schildert John Pilger, der bei Julian Assanges letzter Gerichtsanhörung dabei war, seine Perspektive der Geschehnisse.

https://www.youtube.com/watch?v=ksgT9LZT3B0&t=46s

Edward Snowden Interview – Der Tiefe Staat und wie Einzelpersonen etwas verändern können

Der Whistleblower Edward Joseph „Ed“ Snowden spricht u.a. über die Geschichte des Tiefen Staates, die Überwachungsprogramme der NSA, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie darüber, was der Einzelne tun kann, um Veränderungen zu bewirken.

https://www.youtube.com/watch?v=o_PuxUyzmLc&t=96s

Assange droht die Todesstrafe

Rechtsanwalt Gerhard Baisch von der Whistleblower-Preis-Jury über die rechtlichen Aspekte von Julian Assanges Verhaftung.

https://weltnetz.tv/video/1874-assange-droht-die-todesstrafe

Freiheit für Chelsea Manning und Julian Assange

IALANA fordert die sofortige Freilassung von Chelsea Manning (Whistleblowerpreisträgerin 2001) und Julian Assange

https://weltnetz.tv/story/1876-freiheit-fuer-chelsea-manning-und-julian-assange

Kein Ende für Assanges Martyrium in Sicht

Fast 7 Jahre ist es nun her seit Julian Assange Zuflucht in der ecuadorianischen Botschaft in London gesucht hat, um einer Auslieferung der britischen Behörden zu entgehen. Macht er einen Schritt vor die Botschaftstür, wird er umgehend verhaftet und höchst wahrscheinlich an die USA ausgeliefert, wo ihn eine langjährige Gefängnisstrafe oder schlimmeres erwarten würde.

https://weltnetz.tv/video/1727-kein-ende-fuer-assanges-martyrium-sicht

Wir brechen das Schweigen! #FreeAssange

Die deutsche Friedensbewegung fordert Solidarität mit Julian Assange!

https://weltnetz.tv/video/2041-wir-brechen-das-schweigen-freeassange

Hastags

#Wikileaks #JulianAssange #Assange #FreeAssange #candles4assange

Kategorien: Europa, International, Kultur und Medien, Menschenrechte
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