Anything to say? Ein öffentliches Kunstprojekt für die Freiheit

04.05.2015 - Sabine Bock

Anything to say? Ein öffentliches Kunstprojekt für die Freiheit
Mobile Statuen auf dem Alexanderplatz in Berlin (Bild von Sabine Bock)

Die Organisationen „Reporter ohne Grenzen“ und die „Courage Foundation“ haben am Freitag, 1. Mai 2015 zur Teilnahme aller Bürgerinnen und Bürger an der Eröffnung des öffentlichen Kunstprojektes unter dem Titel „Anything to say?“ mit den lebensgroßen Bronze-Skulpturen von WikiLeaks-Gründer Julian Assange und den US-Whistleblowern Edward Snowden und Chelsea Manning auf dem Berliner Alexanderplatz eingeladen. Alle drei dargestellten Personen wurden während der vergangenen Jahre zum Thema Massenüberwachung durch die NSA oder der Aufdeckung von kriminellen Machenschaften der Regierungen und der jetzigen Situation der Meinungs- und Pressefreiheit für ihre Enthüllungen und Veröffentlichungen verfolgt und bedroht.

Auf dem Alexanderplatz zwischen Straßenbahn und Weltzeituhr sind an diesem Tag verhüllte Statuen zu erkennen. Vor über 25 Jahren spielte der Alexanderplatz bereits eine wichtige historische und zentrale Rolle für die Freiheit der Menschen. Am 4. November 1989 fand hier die größte Demonstration der Bürgerinnen und Bürger der DDR gegen ihre Regierung und gegen ihren Überwachungsstaat der „Stasi“ statt. Es kamen damals 500.000 Menschen zu dieser größten Protestkundgebung.

Am 1. Mai 2015 gegen 12 Uhr mittags wurden drei eingepackten Bronzestatuen, die jeweils auf einem Stuhl standen und gleich gekleidet waren, enthüllt. Die Besucher und Passanten wurden eingeladen, auf den 4. Stuhl zu steigen und ihre Gedanken und Meinungen zur jetzigen Massenüberwachung durch die Geheimdienste oder zur Meinungs- und Pressefreiheit zu äußern. „Der leere Stuhl ist für Dich!“ „Alle von Euch, die daran glauben, ein Recht darauf haben, in Freiheit zu sprechen, kommt nach Berlin und stellt Euch auf diesem leeren Stuhl und sagt Eure Wahrheit! Mut ist ansteckend.“

Der leere Stuhl ist eine Einladung an alle Menschen, den eigenen Standpunkt darzulegen und die eigene Meinung zu äußern.

Der Vorstandssprecher von „Reporter ohne Grenzen“ Dr. Michael Rediske, der Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele und der Bildhauer und Künstler der Skulpturen, Davide Dormino eröffneten diese Veranstaltung. Weitere Rednerinnen waren Sarah Harrison, Mitarbeiterin von WikiLeaks und Direktorin der Courage Foundation sowie Annie Machon, eine ehemalige Mitarbeiterin des MI5. Unterstützt wird „Anything to say“ unter anderem von dem US-amerikanischen Medienthoretiker Noam Chomasky, dem US-Whistleblower Daniel Ellsberg, dem italienischen Investatigativjournalisten Roberto Saviano und weiteren Journalisten von „Reporter ohne Grenzen“.

 „Stehen Sie oben auf dem leeren Stuhl für Ihre Rechte ein!“

Die Journalistin und Mitarbeiterin von WikiLeaks, Sarah Harrison, hatte mutig mehrere Wochen lang im Juli 2013 an der Seite von Edward Snowden in Hong Kong und Moskau verbracht, als dieser weltweit über die Massenüberwachung durch die NSA berichtete. Sie stellte sich auf den leeren Stuhl und sagte: „Es ist für uns sehr aufregend neben diesen drei mutigen Personen, die hier abgebildet sind und an die hier an diesem besonderen historischen Ort in Berlin aufgestellt sind, zu stehen. Berlin – das ist jetzt mein zu Hause, wo ich beschützt bin.“ Diese drei Personen haben die Wahrheit über die kriminellen Machenschaften und die digitale Massenüberwachungen aufgedeckt und ausgesprochen. Sie arbeiteten ständig für unsere Freiheit. Ihr Mut ist ansteckend für uns. Deshalb haben die Menschen heute die Möglichkeit auf diesen 4. Stuhl, ihre freie Meinung zu äußern.

say2Sarah Harrison von WikiLeaks sprach zur Eröffnung der Skulpturen von Snowden, Assange und Manning auf dem Alexanderplatz.

Die meisten Rednerinnen und Redner dankten Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning für ihre Arbeit und für ihren Einsatz die Wahrheit über Verbrechen der Regierungen, der NSA und anderen Geheimdiensten aufgedeckt und veröffentlicht zu haben. Einige Berliner und Besucher äußerten in einer Diskussion während der Kunstausstellung, dass sie nicht alles verstanden haben, was die Redner und der Künstler gesagt haben, da die meisten Beiträge in Englischer Sprachen waren. Die Besucher hätten gern mehr darüber erfahren.

Deshalb eine Erläuterung zu den drei Bronzefiguren des Künstlers, Davide Dormino. „Bradley Chelsea Manning verbüßt derzeit eine 35 jährige Haftstrafe in einem US-Militärgefängnis. Julian Assange lebt seit fast drei Jahren unter Asyl in Ecuadorianischen Botschaft in London. Edward Snowden ist nach Moskau geflohen. Wir wollen uns bei ihnen für ihren Mut bedanken und durch die Errichtung dieses Denkmals unsere Zusammenarbeit zeigen und verstärken“ sagte der italienischen Bildhauer, der die Skulpturen entworfen und geschaffen hat. „Die Dormino Statuen sind eine Hommage an die drei, die nicht für die Kriege in dieser Welt verantwortlich sind, sondern die Lügen und kriminellen Machenschaften der Regierungen aufdeckten sowie das Eindringen in die Privatsphäre kritisieren und dafür die Beweise veröffentlichten.“

„Sie sagten die Wahrheit und sind bereit dafür zu bezahlen

Julian Assange, geboren im Juli 1971 in Australien. ist Journalist, Herausgeber, Chefredakteur und Gründer der Platform WikiLeaks. Im Jahr 2010 veröffentlichte er US militärische und diplomatische Dokumente über Kriegsverbrechen, die vermutlich durch den US-Soldaten Bradley Manning (Chelsea Manning) zugespielt wurden. WikiLeaks hat immer versucht, seine Quellen zu schützen.

«Um eine Person unwissend zu halten, wird sie in einem Käfig gehalten.»

Bradley Manning Chelsea, geboren 1987, ist ein US-Soldat und Analyst. Im Jahr 2009 wurde er in eine Armee-Einheit im Irak als Geheimdienstanalyst eingesetzt. Manning hatte Zugang zu Verschlusssachen-Datenbank, die er vermutlich im Jahr 2010 WikiLeaks zugespielt hat.

«Ich bin der Typ Mensch, der wissen möchte, wie die Dinge funktionieren. Und, als Analytiker, bedeutet dies, ich will immer die Wahrheit herausfinden»

Edward Snowden, geboren 1983, ist ein amerikanischer Computer-Profi.Er arbeitete für die CIA (Central Intelligence Agency), der DIA (Defense Intelligence Agency) und der Nachrichtendienste Auftragnehmer Dell, in einem Außenposten der NSA u.a. auch in Japan.Im Jahr 2013 veröffentlichte er zahlreiche NSA Dokumente an die Presse.

«Ich möchte nicht in einer Welt leben, wo alles, was ich jemals tue, getan und gesagt habe, aufgezeichnet und abgespeichert wird.»

 

Kategorien: Europa, Kultur und Medien, Menschenrechte
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