Von Veronika Feicht, Umweltinstitut München e.V.

Die Menschen in Deutschland sind unzufrieden mit der aktuellen Landwirtschaftspolitik. Das zeigt eine kürzlich veröffentliche Studie des Umweltbundesamts. Die große Mehrheit der Bevölkerung identifiziert den Agrarsektor als einen der Hauptverursacher von Natur- und Umweltschäden und fordert von der der Politik eine konsequent nachhaltigkeitsorientierte Agrarwende.

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage, mit der das Bundesumweltamt im 2-Jahres-Turnus das Umweltbewusstsein und Umweltverhalten der Deutschen erforscht, zeigt eindeutig: Im letzten Jahr erreichte das Umweltbewusstsein einen historischen Höhepunkt. Vor allem bei der jungen Generation rangiert Umwelt- und Klimaschutz auf einem der ersten Plätze, wenn es um die Frage nach den großen gesellschaftlichen Zukunftsthemen geht: 64% der Befragten stufen Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige gesellschaftliche Herausforderung ein; in der Altersgruppe der 14-19-Jährigen sind es mit 78% sogar über drei Viertel.

Neben Energie- und Verkehrspolitik sehen die Befragten den größten Handlungsbedarf in der Landwirtschaft. Die Mehrheit hält die Agrarwende in Richtung Tier-, Umwelt- und Klimaschutz für unerlässlich.

Landwirtschaft mit oder gegen die Natur?

Dem jetzigen Agrarsystem stellen die Deutschen die Note „mangelhaft“ aus, wenn es um die Erfüllung ihres gesellschaftlichen Auftrags geht, Natur und Umwelt zu schützen.

  • Nur 4% sind der Meinung, dass in der landwirtschaftlichen Praxis ein angemessener Aufwand zum Schutz von Natur und Umwelt betrieben wird.
  • Knapp zwei Drittel sehen die verheerenden Auswirkungen von Pestiziden auf Bienen, Schmetterlinge und Co. äußerst kritisch.
  • Über der Hälfte problematisiert die Nitratbelastung von Gewässern und Trinkwasser.
  • Zwei Drittel sind der Ansicht, dass das Wohlergehen von Nutztieren in deutschen Ställen nicht gewährleistet ist.

Als Ursache für diesen Missstand sehen 86% der Befragten die einseitige Ausrichtung deutscher Agrarpolitik auf die Lobby-Interessen der Industrie – das heißt unter anderem von Pestizid- und Saatgutherstellern wie z.B. des deutschen Chemieriesen Bayer und seiner Tochterfirma Monsanto.

Die Politik in der Verantwortung: Agrarwende jetzt!

Die Menschen erwarten von der Politik ehrgeizige Maßnahmen zugunsten einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft.

  • Zwei Drittel sprechen sich für höhere Auflagen und strengere Regelungen bei Pestiziden, Düngemitteln und Tierschutz aus.
  • 88% wünschen sich ein staatliches Tierwohlsiegel, das VerbraucherInnen hilft, die Bedingungen der Haltung, des Transports und der Schlachtung der Tiere zu beurteilen.
  • 82% der Befragten fordern, Subventionen in Zukunft an die Umwelt- und Klimaverträglichkeit von landwirtschaftlichen Methoden zu knüpfen.
  • Ebenso viele Menschen setzen außerdem auf eine deutlich stärkere finanzielle Förderung der ökologischen Landwirtschaft.

Umweltverträgliche Agrarpolitik endlich Wirklichkeit werden lassen

Die Ergebnisse der Umweltbewusstseins-Studie 2018 beweisen, dass die große Mehrheit der Deutschen die gegenwärtige Landwirtschaftspolitik für eine grobe Fehlentwicklung hält. Die Forderungen des Umweltinstituts nach einer Abkehr vom System der Agrarindustrie finden in der Gesellschaft eine breite Zustimmung. Die Landwirtschaft der Zukunft kann nur ökologisch, bäuerlich und regional ausgerichtet sein. Die Politik, allen voran Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, muss endlich handeln und eine konsequente Agrarwende einleiten!

Weitergehende Informationen:

Studie Umweltbewusstsein in Deutschland 2018

 

Der Originalartikel kann hier besucht werden