Interview mit Leandro Bartoletti: „Der Siloismus wurde von den Medien abgestempelt“

01.03.2019 - Pressenza Berlin

Interview mit Leandro Bartoletti: „Der Siloismus wurde von den Medien abgestempelt“
(Bild von Estefania Cabeza)

Von den vielen Dokumentarfilmen die Woche für Woche herauskommen, ist „Silo“ einer der interessantesten. Er beschäftigt sich mit einem international bedeutsamen Denker, der hierzulande praktisch unbekannt ist. Regisseur Leandro Bartoletti spricht mit Pablo Arahuete von CineFreaks Argentina.

Pablo Ernesto Arahuete: Wenn Sie Siloismus mit ihren eigenen Worten definieren müssten, würden Sie ihn direkt mit der Esoterik verbinden?

Leandro Bartoletti: Der Siloismus ist eine sehr breite und vielfältige Strömung, die viele Bereiche abdeckt. Es gibt eine esoterische Note, die in den 60er Jahren stark betont wurde, besonders weil Silo an einer mystischen Schule in Neapel teilgenommen hat, aber es gibt diesbezüglich wenig Informationen. Seit dem Beginn um 1962 jedoch war der Hauptcharakter eine Denk- und Handelsdoktrin zu erschaffen, die spirituelle soziale politische und kulturelle Fragen beinhaltet. Dies erzeugte bei vielen Gelehrten Schwierigkeiten und speziell bei den Medien, die immer allem einen Stempel aufdrücken müssen und der Siloismus ist für sie sehr schwierig einzuordnen.

Wann hörten Sie zum erstem Mal von der Top-Person Mario Luis Rodriguez Cobos?

Ich reiste 2008 mit dem Zug auf der Roca Linie und ich sah einen Aufkleber der für ein Treffen der Humanistischen Bewegung warb. Ich ging zu dem Treffen und war sowohl neugierig als auch misstrauisch. Ich konnte ein 20-minütiges Video über die Geschichte von Silo sehen und das erste, was mir in den Sinn kam war: Wie war es möglich, dass ich noch nie von diesem Mann gehört hatte. Du denkst, du weißt viel über die argentinische Geschichte und Kultur, und auf einmal triffst Du auf einen international bekannten Denker, der hier in unserem Land praktisch unbekannt ist.

Warum entschieden Sie sich dafür einen Dokumentarfilm zu machen?

Ich hatte Spielfilmprojekte entwickelt, die aus Mangel an Ressourcen niemals umgesetzt wurden und ich fühlte mich ziemlich frustriert. Die Idee einen Film über einen Denker zu machen, der sagte, dass seine Lehre nicht für die Sieger ist, sondern für diejenigen, die den Misserfolg in ihren Herzen tragen, war sehr befriedigend, da ich mich genau so fühlte, als wir mit den Vorarbeiten begannen. Darüberhinaus war ich sehr interessiert am Dokumentarfilmformat. Viele interessante und originelle Dokumentationen wurden schon produziert, aber Silo war weiterhin ein Charakter, den sich unsere Filmindustrie niemals zu Nutzen machte. Ich überlegte, dass es eine gute Gelegenheit wäre, es zu versuchen und einen Film über Silo beizutragen. Und ich glaube, dass der momentane Kontext sehr geeignet dafür ist. Es gibt ein großes Publikum, das ins Kino geht um Dokumentationen anzuschauen und das gab es vorher noch ncht. Ich vertraue darauf, dass sie einen intensiven und dynamischen Film über einen faszinierenden Menschen vorfinden werden.

Glauben Sie, dass der Schritt der Humanistischen Bewegung hin zur Politik,  aus dem später die Humanistische Partei entstand, für Silo ein positiver Schritt vorwärts war, oder stärkte es nur die Ablehnung der etablierten Kräfte als Ganzes?

Es ist klar, dass die Gründung der Humanistischen Partei für viele Bereiche sehr beunruhigend war. Es waren spirituelle Leute und jetzt sind es Politiker? Was bist Du wirklich? Wir müssen jedoch im Kopf behalten, dass die politische Sache von Anfang an in der Humanistischen Bewegung vorhanden war. Silo schlug eine Veränderung vor, die beides ist, sozial und persönlich, eine gleichzeitige Veränderung. Wir können die Außenwelt nicht ändern, wenn wir die Widersprüche in uns weiter mitschleppen. Wir können nicht den ganzen Tag lang meditieren und dann gleichgültig gegenüber einem Kind sein, das auf der Straße schläft. Dies ist, glaube ich, ein sehr interessanter Punkt, weil die meisten Bewegungen und Denkschulen entweder die eine Sache oder die andere vorschlagen (entweder äußere Revolution oder innere Veränderung), und der Siloismus schlug vor, beides gleichzeitig zu machen. In diesem Sinne, betrachte ich die Tatsache, dass die Siloisten politische Parteien überall auf der Welt aufgebaut haben, als eine kohärente Handlung, die nicht im Widerspruch zu einer wie auch immer gearteten spiritellen Suche steht.

Der Film ist am Mittwoch, 6. März 2019, um 19.45 Uhr im Ladenkino in Berlin mit deutschen Untertiteln zu sehen.

Das Interview wurde von Pablo Arahuete geführt und auf Cinefreaks Argentina veröffentlicht. Übersetzung aus dem Spanischen von Heike Steinbach.

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Interviews, Kultur und Medien, Politik, Südamerika
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