Hommage an Silo: „Die Zukunft ist offen, eine Zukunft von allen für alle“

16.09.2018 - Pressenza Berlin

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch verfügbar.

Hommage an Silo: „Die Zukunft ist offen, eine Zukunft von allen für alle“
Silo spricht am Gipfeltreffen der Friedensnobelpreisträger 2009 in Berlin (Bild von Miguel Ángel Invarato)

Heute jährt sich zum achten Mal der Todestag des argentinischen Denkers und Schriftstellers Mario Rodriguez Cobos, der unter dem Pseudonym Silo schrieb. Der Begründer des Universalistischen oder Neuen Humanismus bezeichnete sich selber jeweils einfach als Schriftsteller und Denker.

Dass sein Vermächtnis weit darüber hinaus geht, steht außer Zweifel. Aus diesem Anlass möchten wir Auszüge aus dem Vorwort zum Buch Silo unter freien Himmel von seinem Freund Dario Ergas veröffentlichen.

„Silo hat danach sehr oft darauf hingewiesen, dass Schmerz eine und Leiden eine andere Sache ist. Der Schmerz wird durch den Fortschritt von Wissenschaft und Gerechtigkeit gelindert, aber das Leiden ist geistig, es gehört zum Bewusstsein und kann nicht durch wissenschaftlichen oder politischen Fortschritt überwunden werden. Dafür braucht es eine entwicklungsgemäße Anstrengung, um den essenziellen Motor der Wünsche des menschlichen Lebens zu erkennen, Wünsche, die uns einfangen und uns vom wahrhaften Sinn ablenken. Die edelste Aufgabe des Menschen, wiederholte er sehr oft, ist die Überwindung des Schmerzes und des Leidens. […]

«Die Erde menschlich machen« war der Anstoß, der eine weltweite humanistische Bewegung und verschiedenste kulturelle, politische und soziale Organisationen ins Leben gerufen hat. Je stärker die Aktionen der Bewegung wurden, desto klarer zeichnete Silo die Thesen des Universalistischen und des Neuen Humanismus. Hier wird die Existenz an sich – man könnte sagen der Mensch im Besonderen und konkreten – über jede Idee, Allgemeingültigkeit oder Überbau gestellt. Aus seiner existenziellen Analyse heraus gewinnt Silo eine allgemeine Grundhaltung des Menschen, unabhängig davon in welcher Zeit und in welcher Kultur er lebt und diese nennt er humanistische Haltung. Diese Haltung charakterisiert sich dadurch, dass der höchste Wert im menschlichen Leben und in der menschlichen Freiheit liegt. Er findet sie in den geschichtlichen Momenten darin, dass

  1. der Mensch den höchsten Wert darstellt und über dem Geld, der Religion, dem Staat, den Modellen und den Gesellschaftssystemen steht;
  2. die Denkfreiheit gefördert wird;
  3. die Gleichheit der Rechte und Möglichkeiten für alle Menschen gefördert wird;
  4. die Vielfalt der Traditionen und Kulturen bestätigt wird;
  5. gegen Diskriminierung gekämpft wird;
  6. die Gewaltfreiheit zur Aktionsmethodologie für Veränderung erklärt wird und jede Form von Gewalt, sei es nun körperliche, wirtschaftliche, rassistische, religiöse, sexuelle, psychologische oder moralische Gewalt, abgelehnt wird.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wird Silo die Themen Leiden, Tod, Transzendenz und das menschliche Projekt von verschiedenen Blickwinkeln her weiterentwickeln. Aus dem Blickwinkel der Psychologie in «Geleitete Erfahrungen», «Psychologie des Bildes» und «Notizen zur Psychologie». Von der Historiologie her in «Historiologische Diskussionen», aus dem Blickwinkel der Soziologie und Politik in «Briefe an meine Freunde», von der kulturellen Anthropologie her in „Universelle Ursprungsmythen», von der Moral und der Mystik her in verschiedenen in «Silo spricht» gesammelten Reden, vom Blickwinkel der Literatur in den Geschichten im «Tag des Geflügelten Löwen», vom Humanismus her im «Wörterbuch des Neuen Humanismus». Er schrieb dies alles vor allem von der Aktion her, nicht nur als theoretischen Entwurf, sondern als ein in Gang setzen einer weltweiten Bewegung für die menschliche Entwicklung, für eine Begegnung der Kulturen, für das Ende der Kriege, für eine politische und soziale Entwicklung, für eine gute Erkenntnis, für Frieden und Gewaltfreiheit. […]

In dieser Rede [am 4. Mai 1999 in Punta de Vacas, Anm. d. Red.] sagte er auch das Nahen einer Zeitenwende, die Geburt einer neuen Spiritualität und die erste planetarische Zivilisation voraus, die sich bereits am Horizont der Menschheit abzeichnet.

Es ist die Ankündigung einer neuen Spiritualität, die ihre äußeren Stützen hinter sich gelassen hat und sich im Inneren eines jeden Menschen ihren Weg bahnt. Es ist eine Antwort auf das persönliche und kollektive Ungleichgewicht, entstanden durch den Ruck, den die verwurzelten kulturellen Glaubensgewissheiten erlebt haben. In dieser großen stattfindenden Veränderung sind die Studien- und Reflexionsparks darauf vorbereitet, Orte zur psychologischen Regenerierung zu sein und Orte, an denen man sich selbst und die anderen treffen kann.

Silos Botschaft hilft jenen, die einen transzendenten Sinn im Leben suchen und sich in Richtung der inneren Einheit orientieren. Die Humanistische Bewegung schafft Beteiligungsmöglichkeiten, um gesellschaftliche Modelle zu verändern, während jeder einzelne in sich eine tiefe Veränderung sucht. Die Zukunft ist offen und es naht die Universelle Menschliche Nation, von allen für alle.“

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Humanismus und Spiritualität, Nichtdiskriminierung
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