Afrika, eine Geschichte zum Wiederentdecken – 8. Yaa Asantewa und der „Krieg des goldenen Stuhls“.

18.09.2018 - Valentin Mufila

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Afrika, eine Geschichte zum Wiederentdecken – 8. Yaa Asantewa und der „Krieg des goldenen Stuhls“.
Die Statue von Yaa Asantewa vor dem ihr gewidmeten Museum (Foto: Noahalorwu, Wikimedia Commons).

Yaa Asantewa wurde 1840 in Besease, einer Stadt im heutigen Ghana, geboren. Sie war Yaya Kwasis Schwester, die ihr den Rang der Königinmutter von Ejisuhene, einem Teil des Ashanti-Reiches, verlieh. Da ein matriarchalisches System galt, machte sie dies zur mächtigsten Figur im Königreich.

Während der Regierungszeit ihres Bruders erlebte Asantewa das Wachstum des englischen Expansionismus. Als er 1894 starb, nutzte sie ihr Recht als Königinmutter, um ihren Neffen zum Leiter der Ashanti zu ernennen. Als die Briten ihn 1896 zusammen mit König Prempeh I. und anderen Regierungsmitgliedern ins Exil auf die Seychellen schickten, wurde Yaa Asantewa Regentin des Bezirks Ejisu-Juaben.

Frederick Hodgson, der Generalgouverneur der Goldküste, wie die Engländer das Gebiet nannten, hatte von dem Goldenen Stuhl gehört, einem heiligen dynastischen Symbol der Ashanti, und darum gebeten, dass er übergeben wird. Für den Ashanti aber war der Tod einem solchen Zugeständnis vorzuziehen.

Dieser Antrag führte zu einer geheimen Sitzung der übrigen Regierungsmitglieder in Kumasi. Yaa Asantewa, die einzige anwesende Frau, stand auf und hielt eine Rede, die berühmt blieb: „Ich sehe, dass einige von euch Angst haben, vorzutreten und für unseren König zu kämpfen. Wenn wir in der mutigen Ära der Könige Osei Tuty, Okomfo Anoky und Opuku Ware wären, hätten die Anführer nicht zugehört und zugesehen, ohne zu reagieren, während ihr König weggebracht wurde. Kein Weißer hat es je gewagt, mit dem Kopf der Ashanti zu sprechen, wie es der Gouverneur heute Morgen getan hat. Also existiert der Mut der Ashanti nicht mehr? Ich kann es nicht glauben und deshalb sage ich euch: wenn ihr, die Männer der Ashanti, nicht kämpft, werden wir Frauen kämpfen. Wir werden gegen die Weißen kämpfen. Wir werden kämpfen, bis die Letzte von uns auf dem Schlachtfeld fällt.“

Yaa Asantewa wurde ausgewählt, um die Armee im so genannten „Krieg des goldenen Hockers“ zu führen. Sie schaffte es, die Briten aus Kumasi zurückzutreiben. Die Rebellion dauerte einige Monate und war der letzte einer Reihe von Kriegen im gesamten neunzehnten Jahrhundert. Am Ende gelang es den Briten sie zu fangen und ins Exil auf die Seychellen zu schicken. Am 1. Januar 1902 erreichten die Briten, was die Ashanti fast ein Jahrhundert lang verhindert hatten, und ihr Reich wurde zu einem britischen Protektorat.

Yaa Asantewa starb am 17. Oktober 1921 im Exil. Drei Jahre später, am 27. Dezember 1924, konnten Prempeh I. und die übrigen Mitglieder des Hofes mit ihren Überresten zurückkehren, und Yaa Asantewaa erhielt ein königliches Begräbnis, das ihrem Namen gebührte. Ihr Traum von der Befreiung von der englischen Herrschaft erfüllte sich am 6. März 1957, als das Protektorat als Teil Ghanas die Unabhängigkeit erlangte, der ersten Nation in Afrika südlich der Sahara, die diese Leistung vollbrachte.

Yaa Asantewa gilt als eine der wichtigsten Figuren im afrikanischen Freiheitskampf und ist die Nationalheldin Ghanas. Im Jahr 2000 fanden im Land einwöchige Veranstaltungen statt, um ihre Leistungen zu feiern. Dabei wurde Ejisu ein Museum gewidmet, dass 2004 bei einem Brand teilweise zerstört wurde.

Übersetzung aus dem Italienischen von Lorenzo Molinari

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Kategorien: Afrika, Kultur und Medien
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