Afrika, eine Geschichte zum Wiederentdecken. 4 – Die Verfassung von Manden, Menschenrechte im 13. Jahrhundert

24.08.2018 - Valentin Mufila

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Afrika, eine Geschichte zum Wiederentdecken. 4 – Die Verfassung von Manden, Menschenrechte im 13. Jahrhundert
(Foto von https://ich.unesco.org)

Die älteste Verfassung der Welt wurde in Afrika von König Sundiata Keita entworfen, der zwischen 1190 und 1255 lebte. Sein Vater Narhe Magan stimmte zu, eine Frau namens Sologon Konde zu heiraten, um eine Prophezeiung zu erfüllen, die die Geburt eines großen Mannes aus dieser Vereinigung ankündigte. Das Kind wurde bucklig und behindert geboren, und nach dem Tod seines Vaters eroberte ein Halbbruder, Sumaouru Kante, den Thron und Sundiata und seine Mutter gingen ins Exil in das Dorf Nema, im kleinen Königreich Manden, das aus vier Familien bestand – die Sarakole, die Soso, die Traore und die Manden.

Sundiata überwand sein Handicap und wurde ein großer Krieger. Nach einem Krieg mit seinem Halbbruder proklamierte er sich selbst zum Kaiser von Manden, und gründete das mächtige Reich Mali, das über Jahrhunderte einen großen Teil Westafrikas beherrschte. Doch nach seinem Sieg wurde er dieser Gewalt überdrüssig, und dank der Ratschläge einer Gruppe von Weisen beschloss er 1236 eine Reihe von Gesetzen zu schaffen, die in Kourougan Fuka verkündet wurden. Später wurde sie von den Malinké, einer Gruppe von Jägern und den Griot, afrikanischen Minnesängern, als mündliche Überlieferung weitergegeben. Sundiata starb 1255 unter mysteriösen Umständen, aber er hinterließ seinem Volk ein Erbe an hoch entwickelten Ideen für diese Zeit, von denen viele noch heute revolutionär sind.

Westliche Historiker wollten die Mandener Verfassung nicht anerkennen, aber der malische Historiker und Ethnograph Yousouf Tata Cisse schriebn sie in den 1970er Jahren um. Im Jahr 2009 wurde es von der UNESCO in die Liste des immateriellen menschlichen Kulturerbes aufgenommen.

Die Verfassung besteht aus 44 Artikeln und ist in 7 Kapitel unterteilt. Sie verkündet Prinzipien wie den gesellschaftlichen Frieden durch Vielfalt, die Unantastbarkeit des Menschen, die Bedeutung der Bildung, die Integrität der Heimat, das Recht auf Nahrung, die Abschaffung der Sklaverei für alle Rassen, die Meinungsfreiheit, den freien Handel, die Gleichstellung der Geschlechter, die strafrechtliche Verjährung, den Schutz der Umwelt und die Gleichheit vor dem Gesetz.

Hier ein kurzer Auszug:

Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Kein Leben ist dem anderen überlegen.

Respekt vor anderen ist die Regel und Toleranz muss das Prinzip sein.

Eitelkeit ist ein Zeichen von Schwäche und Demut ein Zeichen von Größe. Wir werden Schwierigkeiten gemeinsam begenen, und denen helfen, die in Not sind.

Niemand soll Frauen beleidigen, sie sind unsere Mütter. Über ihre tägliche Arbeit hinaus müssen Frauen an der Verwaltung teilhaben.

Respektiere Familie, Freundschaft und deine Nachbarn.

Demütige deinen Feind nicht, denn wenn du das tust, wirst du als Feigling betrachtet.

Die Erziehung der Jugend liegt in der Verantwortung der gesamten Gemeinschaft. Jeder muss sich um die Kinder kümmern und sie schelten.

Lügen, die 40 Jahre andauern, werden als Wahrheit betrachtet. Für alte Klagen werden keine Meldungen erstellt.

Niemand wird seinen Nachbarn knebeln und ihn verkaufen. Die Existenz der Sklaverei ist heute beendet.

Der Geist ist frei und kann sagen, was er will.

Die Scheidung ist legal und wird auf Antrag eines der Ehegatten aus bestimmten Gründen gewährt: der Wahnsinn eines der Ehegatten, die Unfähigkeit des Ehegatten, seinen Verpflichtungen nachzukommen (angemessene Unterstützung zu leisten), die Nichteinhaltung seiner ehelichen Pflichten und der fehlende Respekt vor seinen Schwiegereltern.

Respektiere das Ehrenwort.

Es gibt fünf Möglichkeiten, Reichtum zu erlangen: Kauf, Schenkung, Tausch, Arbeit und Erbschaft. Die anderen Formen sind illegal. Es gibt nur eine Ausnahme: Was genommen wird, um den Hunger zu stillen, gilt nicht als gestohlen, solange man nur das nimmt, was unentbehrlich ist.

Wälder müssen für das Glück aller erhalten werden. Bevor du einen Busch anzündest, hebe deinen Kopf und schau dir die Baumkronen an.

Haustiere sollten nur vorübergehend oder bei Bedarf für die Landwirtschaft eingesperrt, und werden nach der Ernte sofort freigelassen werden.

Wer gegen diese Regeln verstößt, wird bestraft.

Jeder ist für die Einhaltung der Gesetze verantwortlich.

Übersetzung aus dem Italienischen von Lorenzo Molinari

Den einleitenden Artikel zu dem Thema finden Sie hier.
Den ersten Artikel in dieser Reihe finden sie hier.
Den zweiten Artikel in dieser Reihe finden sie hier.
Den dritten Artikel in dieser Reihe finden sie hier.
Weiter zum nächsten Artikel in der Serie geht es hier.

Kategorien: Afrika, Indigene Völker, Meinungen
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