„München ist bunt“ – 20.000 Mal!

14.01.2015 - Henriette J.

„München ist bunt“ – 20.000 Mal!
(Bild von Bild: Flitzkola)

München: Überwältigende Mehrheit der Gegendemonstranten verhöhnt Bagida-Demo

„Haut ab!“, „Nazis raus!“ oder „Eure Kinder werden so wie wir!“ riefen und sangen die rund 20.000 Münchner den Bagida-Demonstranten während ihres Demozuges zwischen Sendlinger Tor und Stachus am Montag zu. Die ca. 1.500 Münchner Patrioten gegen die Islamisierung Deutschlands unterlagen eindeutig den Chören der ca. 20.000 Gegendemonstranten. Ein breites Bündnis an städtischen, politischen, religiösen Verbänden und Gewerkschaften hatte dazu aufgerufen. Hauptinitiatoren waren die Bündnisse „München ist bunt“ und „Bellevue di Monaco“.

Anti-Pegida-Demonstranten

Platz da! München ist bunt!“

Um ca. 17:30 Uhr eröffnete der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter die Gegenkundgebung am Sendlinger Tor mit dem Namen „Platz da! München ist bunt!“. Unterstützt wurde er auf der Bühne u. A. von Prominenz aus der Musik- und Filmbranche.

Der Oberbürgermeister Dieter Reiter brachte den Sinn der Gegenveranstaltung mit den Worten „Wir stehen auf, gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt und die Spaltung der Gesellschaft […] Wir sind hier, weil wir das Feld nicht denen überlassen wollen, die versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten“ auf den Punkt. Musiker wie Peter Brugger von Sportfreunde Stiller, die Well-Brüder (ehemals Biermösl Blosn), Dreiviertelblut und Keno von der Band Moop Mam, Kabarettist Hannes Ringlstetter und Regisseur Marcus H. Rosenmüller boten ein musikalisches Rahmenprogramm.

Es sprachen Vorsitzende mehrerer Verbände, darunter Marian Offman, Stadtrat und im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München, der stolz ist auf das von München gesetzte Zeichen gegen Rechts und eine Islamisierung des Abendlandes für blanken Unsinn hält.

Die Anschläge vergangener Woche in Paris überschatteten die Veranstaltung. Auf der Bühne äußert sich der Vorsitzende des Muslimrates München, Sokol Lamj, dazu: „Miteinander sind wir entsetzt über das, was vermeintlich im Namen Gottes an unaussprechlichen Verbrechen begangen wird – wir als Muslime sind es nicht weniger, sondern mehr als andere, weil es allzu oft unsere Religion ist, die auf diese Weise fürchterlich missbraucht wird.“

Gerade jetzt seien es die anti-islamischen Verbände, die die Terrorattacken für ihre Propaganda missbrauchen würden, warnt auch das Münchner Bündnis. Eine Unterscheidung zwischen Islam und Islamisierung sei wichtiger denn je.

Plakat-Islam-nicht-gleich-Islamismus

Eine junge afghanische Frau sagte hierzu in einem Interview: „Welche Islamisierung des Abendlandes? Wie sollen wir die Nicht-Muslime beeinflussen, wenn wir noch nicht mal Einfluss auf unsere hier lebenden Muslime haben?“ Von diesen wären es ohnehin nicht viele, die nach den Tugenden des Koran leben, zum Beispiel indem sie regelmäßig von ihrem Vermögen spenden oder sich stets an das Gebot der Nächstenliebe halten. Es ärgere sie auch, dass jugendliche Migranten hier immer noch auffällig sind. Gleichzeitig sei es aber oft eine Reaktion auf die mangelnde Chancengleichheit und latente Fremdenfeindlichkeit in diesem Land.

Sie selbst sei als Schulkind aus Afghanistan nach Deutschland geflohen als die damalige UdSSR in das Land einmarschierte. Jetzt verfügt sie über eine Ausbildung und ist froh um die Möglichkeiten, die sie in Deutschland hatte und erfolgreich genutzt hat.

Sie selbst habe sich nie fremd gefühlt in Deutschland, verrät sie stolz, bis dann die Anschläge am 11.9.2001 sie und ihre Freunde für eine kurze Zeit zur Zielscheibe von öffentlichen Ressentiments und Vorurteilen machten. Das habe sich einmal darin entladen, dass eine Freundin, eine verhüllte Muslima, von Fremden in der Öffentlichkeit bespuckt wurde.

In Bezug auf die Terrorangriffe in Paris vergangener Woche und somit zur erneuten Welle von Pauschalverurteilungen und Hetze gegenüber dem Islam sagt sie zum Abschluss: „Ich verstehe die Wut der Pegida-Anhänger, aber auf die rechte Seite zu wechseln, damit kommen wir nicht weiter.“

Starkes Symbol – Matthäuskirche macht Lichter aus

Die Vorträge aller Redner wurden Begeisterung vom Publikum aufgenommen. Nach der Bühnenshow und mit dem offiziellen Beginn der Bagida-Demo um ca. 18:30 Uhr, gingen aus Protest in der Matthäuskirche am Sendlinger Tor die Lichter aus. Die Stimmung unter den begeisterten Gegendemonstranten stieg ins Euphorische. Sodann folgten sie mit Krach, Krawall und Gesang den von ca. 800 Sicherheitskräften umgebenen Bagida-Anhängern. Immer wieder entluden sich Protestchöre wie „Nazis raus!“ oder „Haut ab!“, es waren Trillerpfeifen, Kochtöpfe und sogar Dudelsäcke im Einsatz. Akustisch kamen die Bagida-Anhänger somit nicht gegen die Überzahl der Gegendemonstranten an. Auch der von Bagida angekündigte Marsch kam bereits vom Sendlinger Tor gestartet nach ca. 15 Minuten am Stachus zum Stehen, wo er noch ca. eine weitere Stunde ausgebuht, besungen und zum Abschluss mit Eiern beworfen wurde.

Pegida-Demonstranten

Laut Aussage eines Polizisten, hieß es bereits um 20 Uhr, die Bagida-Anhänger seien müde, ihnen sei kalt, sie würden jetzt gehen. Die Bagida-Demonstranten verschwanden unter Polizeischutz in der U-Bahn am Stachus und traten von da an ihren Heimweg an.

Mobilisiert wurde Bagida übrigens von bekannten Islamhassern wie Michael Stürzenberger (Die Freiheit), Rechtsextremist Karl Richer, dessen Partei Bürgerinitive Ausländerstop mit einem Sitz im Münchner Stadrat vertreten ist und Philipp Hasselbach, Kreisvorsitzender der Neonazi-Partei „Die Rechte“. Es waren also zahlreich Neonazis und mindestens ein AfD-Funktionär bei der Bewegung dabei.

Insgesamt verlief die Demonstration friedlich, wenn auch die Polizei fünf Personen festnehmen musste (ein Bagida-Anhänger und vier Gegendemonstranten).

Fotos: Flitzkola

Kategorien: Europa, Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Vielfalt
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