Neokoloniale Wolken über Bolivien

25.05.2020 - Günter Buhlke

Dieser Artikel ist auch auf Französisch verfügbar.

Neokoloniale Wolken über Bolivien
Lithium Minen in Bolivien

Das unkontrollierbare Kapitalmonster BlackRock aus den USA möchte seinen Appetit am riesigen Zukunftsgeschäft um Lithium in Bolivien befriedigen, und zwar nach hauseigenen Vorstellungen.

Der im November 2019 gestürzte Präsident Evo Morales hatte gestützt auf die Verfassung gesetzliche Schritte eingeleitet, den Rohstoff der Zukunft unter Beachtung sozialer Zielstellungen teilweise bereits im Land zu verwerten (Bergbaugesetz 535, Dekret 3738, Vorschriften, z.B. 51 % der Stimmrechte bleiben dem Partner aus Bolivien vorbehalten). Nicht zur Freude der USA verhandelte Morales zunehmend große Wirtschaftsprojekte mit China (Lithium-Verarbeitung, Eisenverhüttung, Bahntrassen in Richtung Atlantik und Pazifik, Kali-Düngemittel).

Für die USA und Verbündeten war er ein unbequemer Partner. Er war ein Förderer des CELAC und ALBA Verbundes mit ihren Zielen, die Abhängigkeit von den USA und von anderen westlichen Industrieländern zu verringern. Der gestürzte Präsident beabsichtigte, die Kontrolle über die Geschäftsmöglichkeiten mit den ausländischen Industrieländern zugunsten Boliviens zu behalten. Das alles störte seinen politischen Gegner im und außerhalb des Landes.

Als Grund für den Sturz des Präsidenten wurden von den Putschisten und den Medien Wahlfälschungen angegeben, was sich später als unzutreffend herausstellte. Der Nebel über den Putsch lichtet sich mit dem internationalen RUN auf Lithium und dem künftigen Elektro-Auto ein wenig. Die englische Medienagentur Reuters vermeldete, dass für die ersten Schritte des Großgeschäftes 1,3 Milliarden US-Dollar (Planung, Gutachten, Förderungsvorbereitung, Infrastruktur) erforderlich sind.

Auch Deutschland und Brasilien verhandeln, um am Lithium Geschäft teilzuhaben. Brasilien aus seinen Verbindungen zu Elon Musk und seinem E-Auto Vorhaben für die ganze Welt. Für Deutschland ist die ACI Systems Alemanes GmbH (ACISA) mit Sitz in Zimmern ob Rottweil, Baden-Württemberg im Rennen. Eine GmbH kann allerdings den Kapitalvorschuss allein nicht stemmen.

Das und vieles mehr zum Lithium Projekt ist im Internet nachlesbar, auch, dass die Adenauer-Stiftung (CDU) guten Kontakt mit der neuen, nach dem Putsch eingesetzte Präsidentin Jeanine Áñez hält.

Zu den Merkwürdigkeiten gehört, dass ein Informationsblock zum Thema im Netz vom deutschen Außenministerium, Kanzleramt, Wirtschaftsministerium und der Regierung des Bundeslandes Baden-Württemberg unterzeichnet wurde. Eine Anhäufung von Fragezeichen.

Nicht vergessen werden sollte, dass Bolivien noch Ende des 20. Jahrhunderts zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte. 40 % der Bevölkerung lebte in extremer Armut. Die Lebenserwartung betrug 53 Jahre. Der gestürzte Präsident Morales entwickelte das Land mit seiner Partei, der Bewegung zum Sozialismus (Movimiento Al Socialismo, MAS) und mit Unterstützung des CELAC und ALBA Verbundes. Bolivien erreichte es, in den letzten Jahren in Lateinamerika vordere Plätze gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) einzunehmen.

Hoffnungen und Zuversicht bleiben, dass die Realisierung der vielen Lithium Vorhaben für Bolivien weitere Fortschritte zur Verbesserung des Lebensniveaus ermöglicht und die nächste Präsidentenwahl erneut der MAS eine Mehrheit im Parlament verschafft. Die Enkel der weißen Männer in Bolivien müssen akzeptieren, dass die Indigenas und Latinos ausreichende Kompetenzen zur Entwicklung ihrer Heimat haben.

Eine Privatisierung des Salar de Uyuni oder Teile wäre eine Tragödie für Bolivien. Die historischen Rückstände der wirtschaftlichen Entwicklung sind nur aufholbar, wenn das Land selbst die Kontrolle über seine Bodenschätze ausübt.

Richtigstellung der Redaktion, 28.05.2020: in der ursprünglichen Version des Artikels stand fälschlicherweise, dass die Geschäftsleiterin von ThyssenKrupp, Martina Merz die Ehefrau von Friedrich März sei und es wurde eine entsprechende Einflussnahme angedeutet.
Friedrich März Ehefrau heißt allerdings Charlotte und arbeitet als Direktorin des Amtsgerichts Arnsberg. Wir entschuldigen uns für den Fehler und bedanken uns bei amerika21.de für den Hinweis.

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Kategorien: Europa, Nordamerika, Politik, Südamerika, Wirtschaft
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