Der große Betrug – und was wir tun müssen

05.11.2018 - Pressenza Muenchen

Der große Betrug – und was wir tun müssen

Von Gunther Moll

Wir werden betrogen. In ganz großem Maße. Wir Bürgerinnen und Bürger sowie noch mehr unsere Kinder und Enkelkinder. Die Betrüger sind Lobby-Politik und Geld-Finanz-Wirtschaft. Dabei ist der Betrug ein dreifacher:

Der erste Betrug

Wir werden durch die Ausbeutung und Verschwendung unserer Ressourcen sowie die Verschmutzung und Vermüllung unseres Planeten um unsere Zukunft gebracht. „Der Staat schützt die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen“, so steht es in Artikel 20 unseres Grundgesetzes. Lobby-Politik und Geld-Finanz-Wirtschaft strafen diesen Artikel täglich aber mit mehr als nur Hohn und Spott. Denn es geht um das große Geld, um Gewinnmaximierung, Profit und Renditen, nicht um Sorgsamkeit und Respekt vor dem Leben und seinen notwendigen Grundlagen.

Der zweite Betrug

„Ja, ja, es gibt so vieles Wünschenswerte“, so sagen uns die Lobby-Politikerinnen und Politiker, „aber leider fehlt uns dazu das Geld, denn sonst müssten wir noch mehr Schulden machen und die Staatsverschuldung noch weiter steigern, und das dürfe auf keinen Fall sein“. Dies ist eine Lüge. Unser Staat, präzise, unser Bundesstaat, kann und darf – im Gegensatz zu uns als Privatperson oder Unternehmen sowie auch im Gegensatz zu Bundesländern, Städten und Kommunen – so viel Geld in eigener Währung als Kredit aufnehmen, wir er – oder besser gesagt – wie wir Bürgerinnen und Bürger es für unser Leben brauchen. Denn wir sind sowohl ein wohlhabendes als auch ein hoch produktives und innovatives Land mit fleißigen Menschen. Wir können Kredite in wertvolle Innovationen, sinnvolle Produktivität und allgemeinen Wohlstand umsetzen, und ein solches ökologisch sinnvolles Wirtschaftswachstum ist – im Gegensatz zu unseren Natur-Ressourcen – fast unendlich.

Der dritte Betrug

Unser Bundesstaat kommt seiner Verpflichtung, die Bundesländer, Städte und Kommunen mit den für ihre Aufgaben nötigen Finanzmitteln auszustatten, nicht nach. Dies ist – als ein Beispiel – ein entscheidender Grund dafür, dass die Integration – trotz des großen Einsatzes der Bürgerinnen und Bürger vor Ort – noch nicht besser gelungen ist. Denn nicht die Menschen sind schlecht, sondern die Finanzausstattung durch den Bund ist mehr als unzureichend. Das selbe gilt – als weiteres Beispiel – für Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen. Durch eine Bundesfinanzierung könnte der Personalschlüssel in Kinderkrippen und Kindergärten verdoppelt werden, und keine einzige Schule mehr reparatur- oder sanierungsbedürftig sein. Keine einzige. Denn diese Maßnahmen bringen ja wiederum nichts anderes als Wirtschaftswachstum, so durch eine Steigerung der Binnenkonjunktur durch höhere Gehälter und damit Ausgaben von Erzieherinnen und Erzieher beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrer oder Aufträge für die Handwerkerfirmen, die unsere Schulen auf den neuesten Energiestandard bringen. Und diese modernen Schulgebäude erhöhen wiederum den Wohlstand unseres Landes – ganz zu schweigen davon, dass Schülerinnen und Schüler in schönen, hellen Gebäuden besser lernen. Das selbe gilt – als ein drittes Beispiel – für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, also auch hier höhere Personalschlüssel und höhere Gehälter für ein Wachstum der Binnenkonjunktur und der Menschlichkeit. Denn eine Tatsache muss man beachten: Nur durch Massenkaufkraft gibt es eine stabile Wirtschaftsentwicklung. Schon Henry Ford hat dies einfach und verständlich bildlich ausgedrückt: Autos kaufen keine Autos.

Was können, oder besser gesagt, was müssen wir nun tun?

Wir müssen den große Betrug von Lobby-Politik und deregulierter Geld-Finanz-Wirtschaft beenden. Wir müssen unsere Natur schützen und pflegen, Verschmutzung mit Schadstoffen, Vermüllung und Massentierhaltung ablehnen, verweigern und – durch unser Kaufverhalten – beenden. Denn dies alles sind Verbrechen. Weiter müssen wir dafür sorgen, dass Löhne und Renten entsprechend der „Goldenen Lohnregel“ – also gleichberechtigte Teilhabe der abhängig Beschäftigten an der Produktivitätssteigerung – erhöht werden, damit ein jeder ein gutes Leben führen kann. Das dafür nötige – und vorhandene – Geld darf von den Lobby-Politikerinnen und Politikern nicht mehr hauptsächlich zu den Reichen, damit diese wenigen noch reicher werden, fließen. Zudem müssen wir erreichen, dass allen Bürgerinnen und Bürger ein monatliches Grundeinkommen sowie Familien zusätzlich ein Familiengehalt zusteht und damit die Armut von so vielen unserer Mitmenschen von heute auf morgen abschafft wird. Zudem wird so allen Eltern eine Wahlfreiheit in der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder ermöglicht. Dies ist finanziell und wirtschaftlich kein Problem. Denn dieses Geld wird – nochmals betont – wieder ausgeben und in den Wirtschaftskreislauf gebracht. Es führt zu doppeltem Wachstum, von Produktivität und Wohlstand wie von sozialem Miteinander und Menschlichkeit.

Ein jeder kann dazu beitragen, dass der große Betrug in unserem Lande beendet wird. Ein jeder, tagein und tagaus durch sein eigenes Verhalten. Und alle vier, fünf oder sechs Jahre durch seine Wahlentscheidung für Politikerinnen und Politiker, die dem Gemeinwohl, der Menschlichkeit und der Natur verpflichtet sind und dafür arbeiten – und sonst für nichts anderes.

Es lohnt sich, für uns selbst, für unsere Kinder und Enkelkinder – und für unseren Planeten Erde. Denn es darf nur um eines gehen, so wie es auch die Gemeinwohl-Ökonomie formuliert hat: Um ein gutes Leben für uns alle. Für uns Menschen, für unsere Natur und für den Frieden.

 

Professor Dr. Gunther Moll ist Leiter der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit an der Universitätsklinikum Erlangen, Autor mehrerer Bücher sowie Co-Autor des Buches „Die Vorstufe zum Paradies für uns alle – Warum wir sie erreichen können und wie sie finanzierbar wäre“, das auf Amazon erhältlich ist.

Weitere Infos:

www.gunther-moll.de

www.facebook.com/Professor.Gunther.Moll

 

Kategorien: Europa, Meinungen, Ökologie und Umwelt, Politik, Wirtschaft
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