Mehrere Tausend Menschen beteiligten sich bei bundesweit über 120 Aktionen am diesjährigen Ostermarsch. Die Beteiligung konnte gegenüber dem Vorjahr leicht gesteigert werden. Die Ostermarschinitiativen reagierten auf die vielfältigen Krisen und aktuellen Kriege.

Mit vorausgegangenen und nachfolgenden Aktionen, vor allem gegen die Reaktivierung der Wehrpflicht, gegen die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen und besonders der internationalen Solidarität gegen die israelischen und US-amerikanischen Aggressionen, wie die Öl-Blockade gegen Kuba und die Kriege in Westasien. Die Friedensbewegung forderte angesichts global eskalierender Kriege und innenpolitisch voranschreitender Militarisierung eine Umkehr der Politik. Die bundesweiten Ostermärsche waren in diesem Jahr nicht nur ein thematischer Sammelpunkt, sondern Auftakt für weiterer Aktionen. Auch international war die Friedensbewegung in der Schweiz, in Frankreich, Österreich und Luxemburg mit eigenständigen Veranstaltungen an den Ostermärschen beteiligt.

Durch neue Friedensinitiativen vor allem in kleineren Städten konnte die Beteiligung bei den Ostermarsch-Aktionen mit Mahnwachen, Friedensgottesdiensten und Kundgebungen erhöht werden, auch wenn angesichts der kritischen weltweiten Lage eine höhere Beteiligung wünschenswert wäre.

Bei den Kundgebungen traten neben Aktiven der Friedensinitiativen und -organisationen, VertreterInnen von Gewerkschaften und Kirchen, aber auch der Linken und der SPD als RednerInnen auf. Häufige Stichworte bei den Redebeiträgen waren die innenpolitischen Konsequenzen der von der Bundesregierung voran getriebenen Aufrüstung vor dem Hintergrund des damit einher gehenden Sozialabbaus sowie die direkte und indirekte Unterstützung der Kriege in der Ukraine und in Westasien. Dies führe zu einer Mitverantwortung und Mitschuld Deutschlands an Kriegsopfern und Kriegsverbrechen. Es wurden diplomatische Initiativen der Bundesregierung gefordert, mit denen das noch vorhandene internationale Gewicht Deutschlands eine Umsteuerung auf friedliche Lösungen und internationale Kooperation statt Konfrontation ermöglichen sollte. Beispielhaft genannt für die kontraproduktive deutsche Politik wurden dabei die konkreten Überlegungen zur EU-Aufrüstung mit Atomwaffen und den Ambitionen der Bundesregierung zur Aushebelung des Atomwaffensperrvertrages.

Nicht nur bei den Redebeiträgen, sondern auch bei Transparenten, Fahnen und Schildern mit eigenen Forderungen zeigte sich die Friedensbewegung lebendiger denn je. Auch in diesem Jahr zeigte sich, Ostermärsche stehen für eine langjährige politische Kultur und eine damit verbundene politischen Bandbreite.  Trotz des „klassischen“ Charakters der Ostermarschbewegung zeigte sich bei den Aktionen der Verjüngungsprozess durch die jugendliche Betroffenheit im Kampf gegen die drohende Wehrpflicht und fragwürdiger Zukunftsperspektiven angesichts bedrohlicher innen- und außenpolitischer Entwicklungen.

„Der Ostermarsch war in diesem Jahr ein gelungener Auftakt für vielfältigen Widerstand, gegen Aufrüstung und Krieg, gegen neue Mittelstreckenwaffen am 30. Mai in Wiesbaden und Grafenwöhr, gegen Militärstandorte, wie die US-Basis in Rammstein am 27. Juni, sowie gegen die Wehrpflicht am 08. Mai.“ so der Sprecher der Infostelle Ostermarsch im Frankfurter Gewerkschaftshaus, Willi van Ooyen.