In dieser Welt, die von Klimakrisen, dem Aufstieg autoritärer Systeme und endlosen Kriegen gezeichnet ist, wagt es die Zeitschrift Alternatives Non-Violentes (Gewaltfreie Alternativen), der Hoffnung ein Sonderheft zu widmen. Ist das Naivität? ANV setzt darauf, Hoffnung nicht als möglichen illusorischen Trost zu betrachten, sondern als kritische Ressource und Voraussetzung für Engagement
Das Dossier fängt mit einer psychologischen und politischen Perspektive an: Hoffnung ist weder Gewissheit noch blinder Optimismus, sondern ein schwieriges Gleichgewicht zwischen Klarheit und dem Wunsch, etwas zu tun. Verleugnung und Resignation abzulehnen bedeutet, Unsicherheit zu akzeptieren und gleichzeitig die Fähigkeit zur Vorausschau und zur Übernahme von Verantwortung zu bewahren. Hoffnung ist also nicht gegeben, sondern wird durch gemeinsames Handeln aufgebaut, gepflegt und erneuert.
Mehrere Beiträge zeigen, wie Gewaltfreiheit ein Gegenmittel gegen das Gefühl der Ohnmacht sein kann. Angesichts des Klimawandels verbinden sich darin Realismus und Entschlossenheit. Auch wenn die Katastrophe schon teilweise passiert ist, zählt jedes verhinderte Zehntelgrad. Die Strategie der Gewaltfreiheit, mit der die Akteure wieder einen konkreten Einfluss auf die Realität gewinnen, basiert auf zwei Aspekten: dem Bemühen, zu überzeugen, und auf der Organisation der Machtverhältnisse. Sie ist langfristig angelegt, was die Bewertung von Erfolgen schwierig, aber nicht unmöglich macht. Die kulturellen, politischen und sozialen Fortschritte, die im letzten Jahrzehnt erzielt wurden, erinnern daran, dass Geschichte nicht ein für allemal festgeschrieben ist.

Nein, ich weiß den Weg nicht, aber ich bin sicher, dass wir ihn finden werden, wenn wir ihn suchen.
Das Sonderheft beleuchtet auch, was uns angesichts des Aufstiegs der extremen Rechten Hoffnung gibt. Ohne die Gefahr herunterzuspielen, zeigt er, dass konkretes Handeln, Bürgerengagement und die Verteidigung von Bürgerrechten autoritäre Entwicklungen aufhalten können. Hoffnung entsteht hier aus der Fähigkeit, Angst in kollektiven Widerstand zu verwandeln und demokratische Räume lebendig zu erhalten.
Andere Texte beschäftigen sich mit Ohnmacht im sozialen und pädagogischen Bereich und zeigen, wie man durch gegenseitige Hilfe, kleine Erfolge vor Ort und die Wiederaneignung des Konflikts wieder handlungsfähig wird. Hoffnung nährt sich aus konkreten Erfahrungen: ein Recht erringen, ein Gebiet schützen, eine Ungerechtigkeit bekämpfen, auch wenn es nur im kleinen Rahmen ist.
Schließlich verkörpern verschiedene Persönlichkeiten und Geschichten diese aktive Hoffnung: Journalisten, die sich für eine freie Presse einsetzen, Umweltaktivist:innen, Widerstandskämpfer:innen im Verborgenen wie Rose Valland oder Denker:innen der Gewaltfreiheit. Sie alle erinnern daran, dass Hoffnung eine Kraft des Widerstands und der Veränderung ist.
Zwischen den Zeilen wird hier eine starke These aufgestellt: In Zeiten von systemischen Krisen ist Hoffnung eine politische Notwendigkeit. Nicht die Hoffnung, dass „alles gut wird“, sondern die Hoffnung, die dazu anspornt, nicht die Herrschaftssysteme zu reproduzieren, die man ja bekämpft, sondern es anders zu machen. Hier ist Gewaltfreiheit die Kunst, in Verbundenheit mit allem, was lebt und zusammen hält, in der Welt zu leben und gleichzeitig die Unsicherheit als wesentlichen Bestandteil jeder politischen Veränderung zu akzeptieren.
P.S.: Ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass ich jetzt der neue Chefredakteur der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Alternatives Non-Violentes bin. Ich lade euch ein, sie zu entdecken, zu abonnieren und zu unterstützen, indem ihr die Website https://www.alternatives-non-violentes.org besucht.
Die Übersetzung aus dem Französischen wurde von Domenica Ott vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!









