Das Genfer Treffen der beiden Präsidenten hat die Tür für Vertrauen schaffende Gespräche zwischen den Lagern West und Ost einen kleinen Spalt geöffnet. Das nicht zu nutzen wäre fatal für die Zukunft der EINEN WELT.

Ohne Vertrauen gibt es keine Lebenschancen beim Stand der atomaren Waffentechnik und der gereiften Technologien im erdnahen Kosmos, zumal der Zustand des Klimageschehens durch Unvernunft der Wirtschaft und Verbraucher große Sorgen bereitet.

Vernunft und gegenseitiges Vertrauen sind die Bereiche, die es im 21. Jahrhundert ohne Zeitverzug auszubauen gilt.

Die in zwei Systeme, in Ost und West geteilte Welt steht vor einem Berg gegenseitiger Vorwürfe mit unterschiedlichen ideologischen Bewertungen. Wissenschaftler aller Bereiche und Humanisten stehen in der Pflicht zur Aufklärung beizutragen und den Kindern eine gute Zukunft zu bereiten. Das bedeutet Sensibilität für die Folgen jedweder Tätigkeit zu bewahren.

Wo mit der Sisyphus Arbeit beginnen?

Deutschland folgt in großen Rastern der Politik der USA und es hat gleichzeitig einen eigenen Klärungsbedarf. Zum Beispiel die Ursachen der seit vielen Jahren anhaltenden Fremdenfeindlichkeiten und Misstrauen gegen Russland und andere Ostvölker aufzuhellen. Spielen da unterschwellig die andersartige asiatische Kultur oder gar das Ostjudentum (Aschkenasim) eine Rolle?

Für den einfachen Bürger erschließen sich keine tieferen Gründe für das anhaltende Misstrauen der Politiker und Medien gegenüber der östlichen Welt. Vielleicht sind es die Aussagen Winston Churchills, der nach dem 2. Weltkrieg meinte: „Auch wenn Russland 1917 nicht das bolschewistische System eingeführt hätte, müssten wir das Land wegen seiner Rohstoffe und Marktgröße unter Kontrolle nehmen. Wir haben das falsche Schwein geschlachtet!“.

Katharina II., eine Ostdeutsche aus Gotha, hatte als russische Kaiserin wohl andere Verhältnisse zwischen Russland und Preußen im Sinn gehabt. Eine beträchtliche Anzahl deutscher Bauern und Handwerkerfamilien erhielten in Russland neue Lebensgrundlagen. In der Staatsverwaltung Russlands waren hochrangige Deutsche angestellt.

Aufzuklären oder neu zu bewerten wären in Deutschland eine Reihe von Tatbeständen, um das Vertrauen zwischen den Kontrahenten zu verbessern. Hier eine kleine Auswahl:

  • Es reicht nicht aus, über Jahre auf Stalins Untaten und auf die Gulags zu verweisen, ohne gleichzeitig die Deportationen politisch unerwünschter Personen Englands nach Australien in Arbeitslager oder Frankreichs nach Neukaledonien oder Deutschlands in Konzentrationslager zu benennen. Die USA haben ihre Ureinwohner in Reservate gesperrt und Kanada zwang Kinder der Ureinwohner in Erziehungsheimen zu leben.
  • Nur einseitig haben Politikwissenschaftler und Historiker die Ambivalenzen des Hitler-Stalin-Paktes herausgearbeitet. Die Zusammenhänge mit der Appeasement-Politik Englands und Frankreichs blieben historisch bis zur Gegenwart ungeklärt.
  • Den entschädigungslosen Enteignungen in Russland nach der Revolution stehen andauernde Enteignungen als Folge der Inflation oder des Kursverfalls an den Wertpapier Börsen gegenüber. Deutschland zählt jährlich 15 bis 20 Tausend Konkursfälle, meist Opfer des Marktradikalismus. Die nicht äquivalente Entlohnung, sowie tariflich ungeschützt Leiharbeit wird vom Rechtsstaat geduldet.
  • Besondere Streitpunkte sind die Menschenrechte, formuliert in der Charta von 1947 und im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte von 1966. Beides sind wunderbare Maßstäbe für alle Menschen der EINEN WELT. Das Problem: Alle Länder der Welt haben in Einzelpunkten Rückstände.
    Die Rechte sind historisch entstanden und sind auch nur historisch konkret realisierbar. Die Rechte auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (ART. 1), auf Arbeit (Art. 23), auf Asyl (Art. 14), auf soziale Sicherheit (Art. 22) warten im westlichen System seit 74 Jahren auf Vollendung. Das östliche hat Rückstände beim Rechtsschutz, der öffentlichen Meinungsfreiheit und andere Normen.
  • Wissenschaftlicher Diskussionsbedarf zwischen den Kontrahenten besteht in der Frage, ob die UNO als Führungsorgan der EINEN WELT gilt, oder ein Hegemon die Geschicke steuern kann, wie es offensichtlich die USA anstreben. Dabei geht es wohl auch um das Verhältnis zwischen dem Egoismus der Gewinnwirtschaft und dem Gemeinsinn des sozialistischen Systems.
  • Notwendig wären Wettbewerbe aller Nationen, um die besten Projekte zum Erhalt des Friedens zwischen den Staaten. Angesichts der französischen Revolution hatte Immanuel Kant bereits 1795 in seinem Buch „Zum ewigen Frieden“ weitsichtig den Friedenszustand als realisierbares Vorhaben beschrieben. Der Egoismus der Macht und des Geldes haben seine Vorschläge bis zur Gegenwart kaum Beachtung finden lassen.

Wie schmal der Türspalt für internationale Verhandlungen zum Aufbau des Vertrauens ist, zeigt das Seemanöver der Nato im Bereich der Krim. Nur wenige Tage nach dem Treffen der beiden Präsidenten in Genf üben Militärs aus 30 Staaten an der russischen Krim und deren Hoheitsgewässern. Andere NATO-Truppen sind von den Manövern in Polen und den baltischen Republiken noch nicht in ihre Heimatkasernen zurückgekehrt.

Das Manöver deutet weder auf Entspannung noch auf Vernunft.

Das Seemanöver einige Nummern kleiner zu halten, wäre ein Signal nach den Genfer Gesprächen gewesen. Es bleibt die Hoffnung, dass die Gespräche der Präsidenten in der Schweiz nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie die auf Vertrauen zielenden Verhandlungen zwischen Bush sen. und Gorbatschow. Ein Vorrücken der NATO an die Grenzen Russlands war damals kein Gesprächsgegenstand.

Erleichtert nimmt die Welt den Abzug der NATO aus Afghanistan zur Kenntnis. Der Krieg erteilt der Weltgemeinschaft erneut bittere Lehren: Internationale Kriege lösen auf Dauer keine Probleme. Sie töten unzählige Menschen, sie vergeuden sinnlos materielle und finanzielle Ressourcen. Kriegsschäden an der Natur müssen auch angesichts der Klimabedrohung endlich von der UNO und der nationalen Politik thematisiert werden.

Die USA Administration setzte etwa 2 Billionen US $ für den Krieg in Afghanistan ein, Deutschland um die 12 Milliarden. Ungeheurere Beträge, die der Überwindung der sozialen Spaltung fehlten.


Der Autor beschreibt in seinem neuen Buch „Hat die Welt eine Zukunft?“ Verlag am Park, ISBN 978-3-947094-79-0, Alternativen der Planung, in einer humanen Welt.

Hat die Welt eine Zukunft?