Worte des Papstes in einem offenem Brief an Joe Biden

25.01.2021 - David Swanson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Italienisch verfügbar.

Worte des Papstes in einem offenem Brief an Joe Biden

Sehr geehrter Präsident Joe Biden,

herzlichen Glückwunsch und die besten Wünsche!

Der Papst Ihrer Kirche hat im Oktober 2020 folgende Worte geschrieben:

„Wir können uns Krieg nicht länger als Lösung vorstellen, weil seine Risiken wahrscheinlich immer größer sein werden als seine vermeintlichen Vorteile. In Anbetracht dessen ist es heutzutage sehr schwierig, sich auf die in früheren Jahrhunderten ausgearbeiteten rationalen Kriterien zu berufen, um von der Möglichkeit eines „gerechten Krieges“ zu sprechen. Nie wieder Krieg! “ 242

In Fußnote 242 schrieb Papst Franziskus: „Der heilige Augustinus, der ein Konzept des „gerechten Krieges“ schmiedete, das wir in unserer Zeit nicht mehr vertreten, sagte auch, dass „es eine höhere Ehre ist, den Krieg selbst mit einem Wort aufzuhalten, als Menschen mit dem Schwert zu erschlagen, und den Frieden durch den Frieden, nicht durch den Krieg zu beschaffen.“ (Epistola 229, 2: PL 33, 1020).

Herr Präsident, als Ungläubiger in Bezug auf Religion und Autorität würde ich Sie niemals ermutigen, dem Papst blind zu gehorchen. Als Anhänger der tatsächlichen Demokratie möchte ich Sie ermutigen, den Ludlow-Änderungsantrag wiederzubeleben und der amerikanischen Öffentlichkeit die Macht zu geben, Kriege zu verhindern. Als Anhänger der Rechtsstaatlichkeit möchte ich Sie ermutigen, die UN-Charta, den Kellogg-Briand-Pakt, die Mordstatuten zahlreicher Nationen und – falls Sie dies wünschen – die Zehn Gebote zu lesen und die Sophistik Ihres kürzlich bestätigten Direktors des Nationalen Geheimdienstes respektvoll zu hinterfragen. Ich würde zumindest hoffen, dass Sie die Sanktionen Ihres Vorgängers gegen Beamte des Internationalen Strafgerichtshofs fallen lassen.

Aber ich glaube, bei all den riesigen Bänden wild verdrehter Literatur darüber, ob und wann Katholiken dem Papst gehorchen sollten, sagt praktisch nichts davon, dass die Leute den Worten des Papstes nicht wenigstens ein Minimum an Überlegung schenken sollten, bevor sie sich ihnen dramatisch widersetzen. Das ist alles, was ich von Ihnen verlange. Berichten zufolge waren Sie weise genug, sich dem Krieg gegen Libyen entgegenzustellen, trotz seiner irreführenden Verpackung als humanitäre Angelegenheit. Was an dieser Ihrer Weisheit trifft nicht auf jeden anderen Krieg zu, ob aktuell oder geplant?

Am Montag foderten Menschen auf der ganzen Welt ein Ende des Krieges gegen den Jemen. Montag war Ihr fünfter voller Tag im Amt. Ihr Kandidat für den Außenminister hat sich gerade für die Beendigung der US-Beteiligung am Krieg gegen den Jemen ausgesprochen. Der Kongress hatte bereits für die Beendigung des Krieges gestimmt, und Ihr Vorgänger hat sein Veto dagegen eingelegt. Humanitäre Organisationen auf der ganzen Welt betrachten ihn seit langem und allgemein als die schlimmste unmittelbare und unnötige Krise, die es gibt. Jeden Tag sterben kleine Kinder ohne jeglichen guten Grund. Werden Sie ihn jetzt beenden? Beenden Sie die Teilnahme des US-Militärs? Beenden Sie die Bereitstellung von Informationen und Waffen für die Kombattanten?

Papst Franziskus sagte dies vor sechs Jahren auf einer gemeinsamen Kongresssitzung:

„Warum werden tödliche Waffen an diejenigen verkauft, die vorhaben, Einzelpersonen und der Gesellschaft unermessliches Leid zuzufügen? Leider ist die Antwort, wie wir alle wissen, einfach für Geld: Geld, das mit Blut getränkt ist, oft unschuldiges Blut. Angesichts dieser beschämenden und schuldhaften Stille ist es unsere Pflicht, uns dem Problem zu stellen und den Waffenhandel zu stoppen.“

Die gemeinsame Sitzung des US-Kongresses gab dieser Bemerkung eine stehende Ovation.

Die US-Regierung ist derzeit besessen von einer Rivalität mit China, die irrational und destruktiv ist, während der Planet Kooperation braucht. Aber China ist, wie Präsident Carter Präsident Trump erklärte, wirtschaftlich erfolgreich, indem es nicht all diese Kriege führt und all das Geld in den Militarismus steckt. Diesen Erfolg als Rechtfertigung für noch mehr Kriegstreiberei zu benutzen, macht selbst für sich genommen keinen Sinn.

Wenn Sie das Scheitern der Theorie des gerechten Krieges im Detail betrachten möchten, lesen Sie bitte dieses Buch. Ich habe es vor Jahren mit Freunden zu einem Treffen im Vatikan geschickt, bei dem dieses Thema diskutiert wurde. Der Papst und die Kardinäle haben sorgfältig über die Angelegenheit nachgedacht, ohne von der Waffenindustrie finanziert zu werden. Ich glaube, dass sie ganz klar zu der einzig möglichen Antwort gekommen sind. Ein wesentlicher Teil der Antwort liegt in der Tatsache, dass die enormen Ausgaben für den Militarismus bisher mehr Tod und Leid verursacht haben als alle Kriege, weil sie stattdessen so viel Gutes hätten bewirken können.

Ich weiß, dass Sie bestrebt sind, die „freien“ Länder gegen die „unfreien“ Länder zusammenzubringen. Ich fordere Sie mit Respekt auf zu bedenken, dass die Vereinigten Staaten in jeder Hinsicht weit unten auf der Liste der freien Länder stehen, dass die Vereinigten Staaten 96% der unfreien Länder bewaffnen, ausbilden und/oder finanzieren, dass die Umstellung auf friedliche Industrien sich mehr als bezahlt macht und leicht die Bedürfnisse jedes betroffenen Mitarbeiters decken kann. Die Kongressabgeordnete Omar hat ein Gesetz zur Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen eingebracht, das ein sehr guter Anfang wäre und dass die US-Öffentlichkeit die Ziele des neuen Kongressausschusses unterstützt, der von den Kongressmitgliedern Pocan und Lee gebildet wurde, um die Militärausgaben auf die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt zu verlagern (eine klügere Quelle als Schulden zu machen, um die dringend benötigte 1,9 Billionen US-Dollar-Initiativen zudecken).

Die Vereinigten Staaten haben die Welt mit Stützpunkten überzogen, die Kriege weit mehr erzeugen als sie verhindern. Wir sind nun 60 Jahre von Präsident Eisenhowers Warnung entfernt, wie das militärisch-industrielle Denken jeden Aspekt unserer Gesellschaft korrumpieren würde. Er hätte nicht mehr Recht haben können. Aber was wir falsch gemacht haben, können wir korrigieren. Dies ist eine Zeit der großen Veränderungen. Ihre Antrittsdichterin behauptet, in einem Land zu leben, das nicht kaputt, sondern einfach nicht fertig ist. Beweisen wir ihr, dass sie recht hat, ja?

Mit freundlichen Grüßen
David Swanson

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Reto Thumiger vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Meinungen, Nordamerika
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