Amanda Gormans bewegendes Gedicht zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten

21.01.2021 - Pressenza New York

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch verfügbar.

Amanda Gormans bewegendes Gedicht zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten
(Bild von Youtube screenshot))

Die junge Poetin Amanda Gorman überbrachte mit ihrem Gedicht „The Hill We Climb“ eine kraftvolle Botschaft zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten.

Die deutsche Übersetzung unter dem Video:

„Der Hügel, den wir erklimmen“ von Amanda Gorman

Mr. President, Dr. Biden, Madam Vice President, Mr. Emhoff, Bürger Amerikas und der ganzen Welt,

Wenn es Tag wird, fragen wir uns,

wo wir Licht zu finden vermögen, in diesem niemals endenden Schatten?

Den Verlust, den wir tragen,

ein Meer, das wir durchwaten müssen.

Wir haben dem Bauch der Bestie getrotzt.

Und wir haben gelernt, dass Ruhe nicht immer Frieden bedeutet.

Und dass die Normen und Vorstellungen von dem, was gerecht ist,

nicht immer Gerechtigkeit ist.

Und doch gehört die Morgendämmerung uns,

noch ehe wir es wussten.

Irgendwie schaffen wir es.

Irgendwie haben wir es überstanden und bezeugten

eine Nation, die nicht kaputt ist,

sondern einfach unvollendet.

Wir, die Nachfahren eines Landes und einer Zeit,

in der ein dünnes, schwarzes Mädchen,

das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde,

davon träumen kann, Präsidentin zu werden,

nur um sich selbst in einer Situation zu finden, in der sie für einen vorträgt.

Und ja, wir sind alles andere als lupenrein,

alles andere als makellos,

aber das bedeutet nicht, dass wir uns bemühen,

eine Gemeinschaft zu bilden, die perfekt ist.

Wir bemühen uns, eine Einheit zu erreichen, die ein Ziel hat.

Ein Land zu erschaffen, das sich allen Kulturen, Farben, Charakteren und menschlichen Lebensverhältnissen verpflichtet fühlt.

Und so richten wir unsere Blicke nicht auf das, was zwischen uns steht,

sondern auf das, was vor uns steht.

Wir schließen die Kluft, weil wir wissen, dass wir, um unsere Zukunft an erste Stelle zu setzen,

zuerst unsere Differenzen beiseitelegen müssen.

Wir legen unsere Waffen nieder,

damit wir unsere Arme

nacheinander ausstrecken können.

Wir wollen niemandem schaden und Harmonie für alle.

Lasst die Welt, wenn sonst auch sonst nichts, sagen, dass dies wahr ist:

Dass wir, selbst als wir trauerten, wuchsen

Dass wir, selbst als wir Schmerzen hatten, hofften

Dass wir, selbst als wir ermüdeten, es weiter versucht haben

Dass wir für immer verbunden sein werden, siegreich

Nicht weil wir nie wieder eine Niederlage erleben werden,

sondern weil wir nie wieder Spaltung säen werden.

Die Heilige Schrift sagt uns, dass wir uns vorstellen sollen,

dass jeder unter seinem eigenen Weinstock und Feigenbaum sitzen soll

und keiner ihnen Angst machen soll.

Falls wir unserer eigenen Zeit gerecht werden,

dann wird der Sieg nicht in der Klinge liegen,

sondern in all den Brücken, die wir gebaut haben.

Das ist das Versprechen:

Der Hügel, den wir erklimmen,

wenn wir uns nur wagen,

denn Amerikaner zu sein, ist mehr als ein Stolz, den wir erben,

es ist die Vergangenheit, in die wir treten,

und wie wir sie reparieren.

Wir haben eine Macht gesehen, die unsere Nation eher zerstören würde,

als sie zu heilen,

unser Land zu zerstören, wenn es dazu führe, Demokratie zu verzögern.

Und dieser Versuch war fast erfolgreich.

Doch auch wenn Demokratie von Zeit zu Zeit verzögert werden kann,

kann sie niemals dauerhaft besiegt werden.

In diese Wahrheit,

in diesem Glauben, vertrauen wir.

Denn obwohl wir unsere Augen auf die Zukunft richten,

hat die Geschichte ihre Augen auf uns gerichtet.

Dies ist die Ära gerechter Wiedergutmachung.

Wir fürchteten zu Beginn,

wir fühlten uns nicht bereit, Erben

einer solch schrecklichen Stunde zu sein,

doch in ihr fanden wir die Kraft,

ein neues Kapitel zu schreiben,

uns selbst Hoffnung und Lachen zu schenken.

Also während wir uns einst fragten,

wie wir jemals diese Katastrophe überstehen könnten,

fragen wir jetzt:

Wie könnte eine Katastrophe jemals uns überstehen?

Wir werden nicht zurück zu dem marschieren, was war,

sondern auf das zugehen, was sein wird.

Ein Land, das zwar verletzt, aber dennoch intakt ist,

gütig, aber kühn

wild und frei.

Wir werden uns nicht umdrehen

oder durch Einschüchterung unterbrechen lassen,

weil wir wissen, dass unsere Untätigkeit und Trägheit

das Erbe der nächsten Generation sein wird.

Unsere Fehler werden zu ihren Lasten.

Aber eines ist sicher:

Wenn wir Barmherzigkeit mit Macht verbinden

und Macht mit Recht,

dann wird Liebe unser Vermächtnis

und Veränderung das Geburtsrecht unserer Kinder.

Also lasst uns ein Land hinterlassen,

das besser ist als das, welches uns hinterlassen wurde.

Mit jedem Atemzug aus meiner bronzegegossenen Brust,

werden wir diese verwundete Welt in eine wundersame verwandeln.

Wir werden uns von den goldbeschienenen Hügeln des Westens erheben,

wir werden uns aus dem windgepeitschten Nordosten erheben,

in dem unsere Vorfahren zum ersten Mal die Revolution verwirklichten,

wir werden uns aus den von Seen gesäumten Städten des Mittleren Westens erheben,

wir werden uns aus dem sonnengebrannten Süden erheben,

wir werden wieder aufbauen, uns versöhnen und erholen,

und jeden bekannten Winkel unserer Nation und

jede Ecke, die unser Landes genannt wird.

Unser Volk, vielfältig und schön, wird aufstreben,

zerschunden und schön.

Wenn der Tag kommt, treten wir aus dem Schatten heraus,

entflammt und ohne Angst.

Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien.

Denn es gibt immer Licht,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Kultur und Medien, Nordamerika
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