Jenseits des Kulturkonflikts zwischen dem weißen Westen und China

25.08.2020 - USA - David Andersson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Jenseits des Kulturkonflikts zwischen dem weißen Westen und China
(Bild von William Alexander (1793): Der Kaiser von China nähert sich seinem Zelt in der Tartarei, um den britischen Botschafter zu begrüßen.)

Am 22. Juli berichtete der Texas Tribune über die von Trump veranlasste Schließung des chinesischen Konsulats in Houston. Die chinesische Regierung reagierte mit der Schließung des US-Konsulats in Chengdu, der Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Chengdu war ein wichtiger diplomatischer Außenposten der USA, der einen großen Teil des Landes abdeckte, darunter auch das umstrittene Autonome Gebiet Tibet. Vor diesen Konsular-Konflikten war die größte Spannung zwischen den beiden Ländern das 5G-Netz gewesen. Die chinesischen Telekommunikationsgiganten Huawei und ZTE haben nun etwa 40% des globalen 5G-Infrastrukturmarktes in ihrer Hand. Der US-Generalstaatsanwalt William Barr sagte auf einer Konferenz in Washington, dass es nicht nur eine „monumentale Gefahr“ sei, Chinas 5G-Vorherrschaft zu billigen – Peking könne die Technologie für die Überwachung und Kontrolle nutzen – sondern dass „weit mehr auf dem Spiel stehe“. Barr sagte, es sei das erste Mal in der Geschichte, dass die Vereinigten Staaten in einem wichtigen technologischen Sektor, der die Grundlage für künftige Innovationen bilden wird, nicht führend seien. Solch eine Aussage vom Generalstaatsanwalt des kapitalistischsten Landes der Welt, ist erstaunlich: Ist nicht gerade der Konkurrenzgedanke eine Triebfeder von Wettbewerb?

Diese Situation hat viel mehr mit Kultur zu tun als mit Geld und Kapitalismus. Auf der einen Seite haben wir den – wie ich es nenne – weißen Westen, der den größten Teil der Welt seit mehr als zwei Jahrhunderten dominiert, kontrolliert und seine Werte, seine Religion sowie seine sozialen und wirtschaftlichen Strukturen durch Gewaltanwendung in allen Formen durchsetzt. Am 29. Juli veröffentlichte Pressenza den Artikel „Wir putschen gegen wen wir wollen: Elon Musk und der Niedergang der Demokratie in Bolivien„, der die Haltung zu dieser Angriffslust aufzeigt. In Asien haben wir China mit seiner viertausendjährigen Zivilisation, das in 20 Jahren zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt geworden ist, eine Führungsrolle bei neuen Technologien und grüner Energie übernommen hat und mit über 70 Ländern eine Partnerschaft im Rahmen der Initiative Neue Seidenstraße eingegangen ist. Charles Parton, ein ehemaliger EU-Diplomat in China, sagte der Financial Times im Juni 2017: Es besteht kein Zweifel, dass China zu einem geopolitischen Schwergewicht heranwächst und die von den USA hinterlassene Lücke in den Bereichen Freihandel und Klimawandel nutzt. „Während einige westliche Länder rückwärtsgehen, indem sie ‚Mauern‘ errichten, gelingt es China, Brücken zu bauen, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne“, kommentiere kürzlich Xinhua, eine staatliche chinesische Medienagentur.

Die Dynamik dieser beiden Kulturen hat sich völlig verändert – das verschlossene und introvertierte China ist viel offener geworden und sucht nach Partnern auf Weltebene, während der weiße Westen diese Türen schließt und introvertiert wird. Dies sehen wir am Brexit in Großbritannien, an der Mauer zu Mexiko, der Abkehr vom Pariser Abkommen, dem Ausstieg aus der WHO, und so weiter…

Was zwischen dem weißen Westen und China passiert, wird sich auf die Zukunft der Menschheit auswirken. Es betrifft uns alle. Wir können uns nicht leisten, in einen weiteren Kalten Krieg einzutreten, in dem die Spannungen zunehmen und die Länder der Welt gezwungen sind, sich für eine Seite zu entscheiden. Wir müssen einen Weg finden, um die kulturelle Dominanz – das Muster für Tausende von Jahren menschlicher Geschichte – zu überwinden und in eine Ära des kulturellen Zusammenlebens und der Zusammenarbeit einzutreten. Es ist ein Moment, in dem jede Kultur eine Rolle spielen wird, aber jede wird auch offen für Veränderungen sein müssen. Um in diese Richtung zu gehen, müssen nur wenige Fragen geklärt werden: 1) Können wir uns ein gleichrangiges Nebeneinander vom weißen Westen und anderen Kulturen vorstellen? 2) Wie könnten wir andere Kulturen, wie z.B. die indigenen, muslimischen und indianischen Gemeinschaften, dazu animieren, eine stärkere Führungsrolle zu übernehmen? und 3) Was muss sich in unserer Kultur ändern, um dem Rest der Menschheit zu helfen?

Wenn es einen Zeitpunkt gäbe, die Idee einer Universellen Menschlichen Nation vollständig umzusetzen, dann wäre jetzt der richtige. Dazu brauchen wir eine genaue Definition, wie die Kulturen miteinander interagieren und zusammenarbeiten werden. Es geht nicht um Geld, Märkte oder ähnliches – das sind zweitrangige Fragen – sondern es geht darum, ein deutliches Bild von der Zukunft zu haben, in der Kulturen einander verstehen, vertrauen, zusammenarbeiten, miteinander kooperieren und sich verpflichten, jeden Konflikt ohne Gewaltanwendung zu lösen.

 

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Asien, Humanismus und Spiritualität, International, Internationale Angelegenheiten, Kultur und Medien, Meinungen, Nordamerika
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