Der Erde ist es egal

21.08.2018 - Valentin Grünn

Der Erde ist es egal
(Bild von pixabay | CC0 Creative Commons)

Na, schon genug von diesem Hitze-Sommer? Gleich vorweg sei erwähnt, dass es der Erde schnurzpiepegal ist, wie warm sie ist und auch die grüne Suppe des Lebens auf der Erde wird solange fortbestehen, bis in mehreren Milliarden Jahren sämtliches Wasser auf dem Planeten durch die sich aufblähende Sonne verdunstet sein wird.

Die Frage, die sich stellt ist einzig, ob sich einzelne Spezies einem Wandel des Klimas anpassen können, wie flexibel sie in ihrem Anpassungsprozess reagieren können, wenn sich die Lebensgrundlagen ändern und wie teuer es kommt das alles zu organisieren, egal ob Eisbär, Koralle oder Mensch.

Man kann natürlich der Ansicht sein, dass Rauchen keinen Einfluss auf Lungenkrebs hat und wird immer Beispiele finden, dass Raucher uralt geworden sind. Spätestens wenn die Diskussion auf Helmut Schmidt kommt, fühlt sich so mancher als Diskussionssieger. Den Verlautbarungen der Raucherlobby, die missliebige Studien zurück hält und mit Milliardensummen kräftig Werbung für die Freiheit des rauchenden Cowboys betreibt wird lieber geglaubt, als den Warnungen von spießigen Ärzten, die beim Anblick traumatische Erinnerungen an den letzten Zahnarztbesuch wecken.

Trotz aller langzeitüberlebenden Rauchern ist aber klar, dass Rauchen den Lungenkrebs fördert, dass Gesellschaften, in denen viel geraucht wird, eine geringere Lebenserwartungen und eine schlechtere Volksgesundheit aufweisen als Gesellschaften mit weniger Rauchern. Auch ist bekannt, dass die Inhaltstoffe des Zigarettenrauches die Schleimhautzellen in Lunge, Rachen und Mund schädigen, diese sich deshalb öfters erneuern müssen und so die Wahrscheinlichkeit, dass sich welche bösartig entarten, erheblich höher ist; von all den anderen Lungenkrankheiten, die viele nicht kennen, mal ganz zu schwiegen.

Gesichert: globale Klimaerwärmung

Mit dem Klimawandel ist es genauso. Man kann natürlich der Ansicht sein, dass Mensch daran keine Schuld trägt und man wird auch immer Jahre finden, in denen das Klima aus der Statistik herausgesprungen ist und in denen Extremwetterereignisse stattgefunden haben. Der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperaturen ist nachgewiesen und anerkannt. Die Folgen dessen werden nach und nach sichtbar. Die letzten Jahre sind eine Aneinanderreihung von Wetterrekorden, die in der Summe den Anstieg der Durchschnittstemperatur widerspiegeln. Die Häufung dieser Extremwetterlagen wird von der Forschung eindeutig als Folge des vermehrten CO2- Ausstoßes gesehen. Die Erwärmungsgeschwindigkeit ist etwa 100-mal größer als bei historischen natürlichen Klimaveränderungen.

Das Wetter und das Klima sind zweierlei Begriffe. Das Wetter stellt die augenblickliche Lage von Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit u.a. dar. Das Klima ist eine Zusammenfassung der einzelnen Wetterlagen über einen längeren Zeitraum.

Beweis: Häufung der Extremwetterlagen

2018 gibt es nicht nur einzelne lokale Extremwetterlagen, dieses Jahr häufen sie sich frappierend. Die gesamte Nordhalbkugel ist diesen Sommer von Extremhitzelagen betroffen. Von Nordamerika, über Europa bis nach Asien, vom Mittelmeer bis zu den Polarregionen. Der Winter auf der Südhalbkugel ist auffallend warm, in Australien herrscht jetzt schon trotz südlichem Winter eine nie gekannte Dürre. Starkregenereignisse sind mittlerweile zum Normalzustand geworfen. Seit der Jahrtausendwende reiht sich ein zu warmes Jahr an das nächste, steigt die Zerstörungskraft der Stürme, fallen massive Niederschläge in immer kürzen Zeiträumen und häufen sich die Dürren und Waldbrände, auch in Europa. Die Zentren der Extremwetter wandern gen Norden, in Südeuropa gibt es massive Waldbrände, in Mitteleuropa zunehmend Ernteausfälle und in der Polarregion werden wohl bald Badestrände erschlossen; wenn dann der Eisbär endlich weg ist. Was in Afrika passiert interessiert hier schon lange keinen mehr; sollte aber, nicht nur wegen der Schlauchboote auf dem Mittelmeer.

War bislang oft vom Golf-Strom die Rede, der in den letzten Jahren mehrmals für ein bis zu zwei Wochen zum Erliegen kam, ist dieses Jahr der Jetstream in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Er stagniert, bringt stabile Wetterlagen und hält so die Wolken mit Regen von den Kontinenten fern. Logisch, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Tropen und Polarregion nur gering ist, dann wehen die Winde eben nur wenig und das Wetter bleibt stabil. Seit März, seit fünf Monaten, gab es keine wirkliche Änderung der Großwetterlage. Wasserdampf, der über den Meeren verdunstet, regnet über den Meeren ab, anstatt vom Jetstream über die Kontinente getragen zu werden. Jedes einzelne Extremwetter an sich ist noch kein Beweis für einen Klimawandel; die Gesamtsicht, der globale Umfang und die stetig steigende Zahl dieser Ereignisse schon.

Meist änderte sich das Klima in der Erdgeschichte langsam, über einen Zeitraum von vielen Tausenden von Jahren. Der Natur gereichte das selten zum Nachteil. Entweder starben die Spezies aus oder sie passten sich an; Anpassung durch genetische Veränderung, die viele Generationen brauchte oder Anpassung durch Migration. Migration ist eine natürliche Anpassung an verändernde Lebensbedingungen.

Gelegentlich findet man in der Erdgeschichte auch sehr schnelle Klimaveränderungen – da wurde es kälter – vor 70.000 Jahren der Ausbruch des Toba, von 600.000 Jahren der Ausbruch des Yellowstone oder vor 65 Millionen Jahren der Asteroideneinschlag, der zum Aussterben der Dinosaurier geführt haben dürfte. Letztere konnten einfach nirgendwo hin migrieren.

Ausgeschlossen: Nichtmenschengemachte Ursachen

Natürlich muss man der Wissenschaft nicht glauben, genauso wenig wie den Ärzten, wenn es ums Rauchen geht. Das ändert aber nichts an den Tatsachen. Für den gegenwärtigen Klimawandel und vor allem die Kürze der Zeit, in der dieser von statten geht, findet sich keine natürliche Ursache, die ihn erklären könnte. Weder hat sich Vulkanaktivität besonders verändert, noch sind Asteroiden eingeschlagen. Die einzig schlüssige Ursache ist der Anstieg des CO2 in der Atmosphäre just in diesem Augenblick der Erdgeschichte. Gut, Methan aus der Massentierhaltung hat seinen Anteil, die Entwaldung auch, sind aber auch menschengemacht, von 280 ppm zu Beginn der Industrialisierung auf derzeit 405 ppm; also mal grob 50% mehr. Der Gesamtanteil des CO2 an der Atmosphäre ist gering, aber die Wirkung auf das Treibhausklima ist immens. Der Effekt von 50% mehr CO2 ist dann auch ohne Rechenkenntnisse nicht zu leugnen.

Politik: Vertuschung und Lüge

Den Effekt des CO2-Ausstoßes hat auch die Erdölindustrie früh erkannt. Schon 1957 wusste ExxonMobil, dass sich aufgrund der fossilen Energien das Klima erwärmen wird und hat ihre Geschäftspolitik danach ausgerichtet – selbst vorgesorgt, aber in der Öffentlichkeit geleugnet.

Und sie hat viel Geld in Lobbyarbeit investiert um diese Erkenntnisse geheim zu halten und der Öffentlichkeit das Gegenteil zu suggerieren.

All die Leugnung des menschengemachten Klimawandels ist auf die Lobbyarbeit der Mineralölindustrie zurück zuführen und diese ist erfolgreich im Säen ihrer propagierten Zweifel. Da unterscheidet sich die Erdölindustrie in keinem Deut von der Zigarettenindustrie, denn auch sie weiß von der Krebsgefahr durch ihre Produkte und betreibt gegenteilige Lobbyarbeit.

Problem: Kosten der Anpassung.

Tatsächlich gab es in der Erdgeschichte überwiegend Warmzeiten, vermutlich kannten die Dinosaurier nie irgendwelche Gletscher – wie gesagt, der Erde ist es egal wie warm sie ist – Die Frage, die sich die Menschheit stellen muss, ist die, ob und wie sie sich diesem schnellen Wandel anpassen kann, wie viel Geld sie bereitstellen will, die Erde für den Menschen bewohnbar halten und wie sie mit den Folgen des Klimawandels -auch der Migration- umgehen will.

Um ein Grad hat sich die Erde seit Beginn des Industriezeitalters erwärmt, zwei Grad sind wohl kaum noch zu verhindern, bei drei Grad gehen viele Millionenstädte an den Küsten als Lebensraum verloren, bei vier Grad herrschen permanent Dürren in Europa, Asien und Amerika und bei fünf Grad fürchten einige Wissenschaftlicher das Ende der Menschheit – wie gesagt, der Erde ist es egal, wie warm sie ist und ob der Mensch drauf wohnt.

Folge: Migration

Folgen der Erderwärmung sind der Anstieg des Meeresspiegel, also der Verlust von Lebensräumen, also -> Migration; Versteppung und Desertifikation bisheriger Anbaugebiete, was zur Erschließung neuer Landwirtschaftsflächen zwingt, also -> Migration; Versauerung der Meere mit Wegbruch von Fischgründen, also -> Migration; Extrem heiße Wetter von 48°C oder mehr, die der Menschen ohne Klimaanlagen nicht mehr überleben kann, also -> Migration; Kriege um Wasser und Anbaufläche, Vertreibungen, also -> Migration. – der Erde ist egal, wie viele Menschen migrieren.

Unverständlich eigentlich, dass Migrationskritiker nicht die schärfsten Klimaaktivisten sind.

Nun mal fiktiv ein Gedankenspiel um den Leugnern des menschengemachten Klimawandels entgegen zu kommen: Gesetzt der Fall, das Klima würde sich auch ohne menschliches Zutun erwärmen, auch dann hätte der Mensch mit den Folgen – Migration – zu tun.

Der Erde ist es egal, wie der Mensch mit der Migration umgeht. Echte Lösungen haben die Klimawandelleugner – ob mit oder ohne menschliches Zutun – keine. Ihre Lösung: alles abstreiten.

Zum Weiterlesen:

Kategorien: Ökologie und Umwelt
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