Einige gesunde Prinzipien, die NEIN zu Rassismus und Diskriminierung sagen

30.12.2016 - Olivier Turquet

Dieser Artikel ist auch auf Italienisch, Griechisch verfügbar.

Einige gesunde Prinzipien, die NEIN zu Rassismus und Diskriminierung sagen
(Bild von ggBO via Flickr.com)

An vielen Orten dieses Planeten erheben sich zur Zeit Stimmen gegen die „Migrationswelle“, die die „zivilen Länder“ überrollt.

Menschen, von denen man das nicht erwartet hätte, übernehmen plötzlich Thesen zur angeblichen Notwendigkeit, „die Invasion aufzuhalten“, illegale Einwanderer auszuweisen und andere solcher Dinge.

Zunächst möchte ich meine Abscheu und Traurigkeit gegenüber dieser Art von Aussagen zum Ausdruck bringen, wo auch immer sie herkommen mögen; ich würde sagen, sie verletzen mich ein wenig mehr, wenn sie von befreundeten Menschen kommen oder von Menschen, deren Verdienst in anderen Bereichen ich sehr wohl schätze.

Aber es erscheint mir nützlicher, einige gesunde Prinzipien aufzuführen, um diese Art von hysterischer Krise der Menschheit, zumindest seitens der Hälfte, die im Überfluss lebt, zu kontrastieren.

Alleine beim zur Sprache bringen von Prinzipien kann ich jetzt schon das Gemurmel all derer hören, die sich lieber „an die Fakten halten“, „praktische“ Menschen, die sich beeilen zu erklären, dass Ideologien tot seinen, dass Solidarität eine dumme Idee von Gutmenschen sei und anderes in dieser Richtung.

Ihnen kann ich nur sagen, dass sie mit der Lektüre dieses Artikels bereits zu weit gegangen sind und dass sie lieber zu Ihren Revue-Zeitschriften zurückkehren sollen, was weit tröstender ist als meine Editorials zu lesen.

Sprechen wir also von Prinzipien, zum Beispiel von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, einem hervorragenden Text, geschrieben von Frauen und Männern, die nach dem Horror des zweiten Weltkrieges universelle Prinzipien aufstellen wollten, die uns von der unglaublichen Gewalt, die diese Jahre charakterisierte, heilen und in Zukunft bewahren sollten.

Artikel 12 –
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

Artikel 13 –
1. Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.
2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.

Artikel 14 –
1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

Ich möchte unterstreichen, dass in der aktuellen Debatte Artikel 12 gerne „vergessen“ wird: einer der ursprünglichen Gründe der modernen Migrationen ist die spärliche internationale Anstrengung, genau diese willkürlichen Eingriffe zu verhindern. Im Gegenteil lassen sich in vielen „Migrationsländern“ systematische Eingriffe in das wirtschaftliche und politische Leben feststellen. Die unerschöpflichen „humanitären Kriege“ sind ein gutes Beispiel dafür, so wie auch die schlechte Angewohnheit, Rebellen jeglicher Art mit Waffen auszustatten, um Regierungen zu stürzen, die nicht die Freundschaft von irgendjemand genießen, sprich die nicht genehm sind.

Zu Artikel 13 und 14 scheint mir, gibt es nicht viel hinzuzufügen, außer der Tatsache, dass sie systematisch missachtet werden.

Während ich als europäischer Bürger in der Tat ganz ohne oder mit nur minimalem formalem Aufwand praktisch überall hingehen kann, wo ich will, gibt es Bürger in zahlreichen Ländern, für die diese Prinzipien nicht gelten oder wo sie durch Bürokratie, Wartezeiten, Schikanen und immense Geldforderungen erschwert werden, alle samt Dinge, die der Menschenwürde unwürdig sind.

Es scheint mir nicht schwer zu verstehen, dass diese Gewalt in den Menschen, die sie erleiden müssen, den Willen hervorruft, wiederum Gewalt zu produzieren. Tatsächlich wurde von mir vor ein paar Jahren ein Visum für Senegal verlangt…

Dieser Plan der Prinzipien ist sehr wichtig, weil sie etwas darstellen, das man heute gerne in Frage stellen möchte; und diejenigen, die sie in Frage stellen möchten, sind jene, die glauben, mit „weniger“ Gesetzen könnten sie ihre Geschäfte mit noch mehr Profit machen und ohne irgendjemand Rechenschaft ablegen zu müssen.

In der Tat gibt es Regionen auf diesem Planeten, wo die „normale“ Rechtsprechung der Staaten durch multinationale Banden mit privaten Armeen, Zäunen und Kontrollen suspendiert wurde; solche Banden holzen Wälder ab, beuten Minen aus und bauen Pipelines und sie wollen es gegen jegliches internationales oder nationales Recht tun; und die Anzahl der Gebiete, in denen die Souveränität des Volkes ausgehebelt wurde, ist weltweit in ständigem Anstieg.

Diese Missachtung der Erklärung der Prinzipien, von internationalen Gesetzen, von diplomatischen Konventionen, von Verträgen und nicht zuletzt auch der Vernunft ist ein klares Anzeichen für die Gewalt, die die menschlichen Beziehungen in diesem historischen Moment beherrscht: es ist eine Gewalt, die eine tiefe Verleugnung der Freiheit des Anderen ist, eine Limitierung seiner Absichten bis hin zur banalsten und offensichtlichsten Form, der physischen Gewalt.

Diese Prinzipien wieder ins Zentrum zu rücken bedeutet deshalb, jedem menschlichen Wesen wieder Wert zu geben und die Utopie der Zukunft zu stärken: eine Welt ohne Gewalt.

Aber es gibt noch einen zweiten Grundsatz, der auf einem intimeren und persönlicherem Niveau auch mich betrifft, der Dich betrifft und der uns alle betrifft: es ist das wichtigste aller Prinzipien, jenes, welches alle Weisen seit Anbeginn der Menschheit immer wieder beschworen haben: „Behandle andere, wie Du selber behandelt werden möchtest“.

So gesehen frage ich: gefällt es Dir, draußen vor der Türe gelassen zu werden? Nein. Wir dürfen niemanden draußen vor der Türe lassen. Gefällt es Dir, dass sie von Deiner Religion sagen, sie sei fanatisch? Nein. Also erkläre auch von niemand anderem die Religion als fanatisch. Bist Du glücklich, wenn sich jemand mit Dir im Krieg befindet? Nein. Also sei auch Du mit niemand anderem im Krieg und auch nicht mit Dir selbst.

Ich könnte noch lange so fortfahren, aber ich bin zuversichtlich, dass Du voll und ganz verstanden hast, dass wenn diese Ideen Deinen Geist berührt haben, Du auch den Weg der Lösung dieser Probleme einschlagen kannst, und nicht deren Komplikation. Also können wir auch das Problem, das existiert, mit der nötigen Weitsicht angehen und Lösungen finden, die nicht auf dem Bauen weiterer Festungen basiert, sondern auf dem Wiedereinführen von Beziehungen, die gerecht sind, auf dem Wiedergutmachen, wo durch reiche Länder grobes Unrecht an armen Ländern geschehen ist, auf dem Wiederaufbau der Häuser, die ihnen genommen wurden, auf der Anerkennung der Selbstverwaltung der Völker und auch auf dem Widerstand gegen die Händler, die auf kriminelle Weise mit der Notwendigkeit zur Flucht vor dem Horror des Krieges spekulieren oder auch nur auch nur auf den Reichtum von anderen.

Es ist ein Problem der richtigen Richtung, das sich jeden Tag aufs Neue manifestiert: wachsender Frieden oder wachsende Zerstörung. Es ist ein Problem, dem wir nicht ausweichen können und das die besten aller menschlichen Qualitäten erfordert: Mitgefühl, Versöhnung, wahre Solidarität und echte Gemeinschaft.

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Meinungen, Nichtdiskriminierung
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