In ihrem Buch „Seelenfrieden“ präsentiert uns die Autorin Veronika König eine interessante Perspektive zum Thema des sozialen und des Weltfriedens, die auf individuellen Seelenfrieden basieren, der als Grundlage des soziopolitischen Friedens gilt. Die Seele wird unterbewertet. Sie wird in den Winkel der Religionspsychologie verbannt und als „Glaubensphilosophie“ abgetan

Von Milena Rampoldi, ProMosaik

Die Autorin zeigt auf, wie die Seele als interreligiöses Thema angegangen werden kann. Sie zeigt des Weiteren auf, dass die Seele in der Psychologie und auch in der Soziologie einen viel wichtigeren Stellenwert einnehmen sollte als es aktuell vor allem in der akademischen Welt der Fall ist. Ausgehend von der eigenen Biografie und von ihrer Krankheitsgeschichte, zeigt Veronika König auf, wie der Seelenfrieden Teil einer positiven Psychologie ist, die uns den Weg weist, um eine Gesellschaft und eine Weltgemeinschaft aufzubauen, die den Seelenfrieden als Grundlage des soziopolitischen Friedens sehen. Anbei das Interview mit der Autorin, die den Seelenfrieden aus dem religiösen Winkel ins Hier und Jetzt holt und ihn zu einer Quelle soziopolitischen Wohlbefindens macht. In den letzten beiden Fragen sehen wir auch die Bedeutung des Seelenfriedens für die Resilienz und den Kampf für das Wohlergehen der Frau in der Gesellschaft. Und an dieser Stelle kommt die Schreibtherapie ins Spiel…

Was hat Sie dazu bewegt, ein Buch über das Thema Seelenfrieden zu schreiben?

Ich habe mich schon länger mit dem Thema Seele beschäftigt, und bei einem Begräbnis mit dem bekannten Spruch „Möge seine Seele in Frieden ruhen“, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob wir für diesen Seelenfrieden wirklich bis zu unserem Tod warten müssen.

Wie wichtig ist die Verbindung des Seelenfriedens mit dem Leben anstatt mit dem Tod? Warum sollen wir den Seelenfrieden in unsere Welt bringen, ohne ihn nur im Jenseits anzusiedeln?

Unsere Seelen wurden weit vor unserem irdischen Leben bereits erschaffen und warten auf die Inkarnation mit dem Körper auf dieser Welt. An diesem Ort erfahren unsere Seelen bereits den Seelenfrieden, denn der Umstande, wo Unfrieden in sie kehrt, ist das irdische Dasein. Die Seelen kennen daher während ihres irdischen Leben diesen friedlichen Zustand und sehen sich danach. Sie wissen zwar, dass eine Rückkehr erst nach dem Tod stattfinden wird, aber Momente des Seelenfriedens sind auch hier erreichbar. Seelenfrieden ist das höchste und erhabenste Gefühl. Wer in ihm verweilt, kennt kein Leiden mehr. Untugenden sind ausgeschaltet und wir befinden uns in einem höheren Selbst. In einer Welt, in der zurzeit so viel Verwirrung, Lüge, Intrige und Krieg herrscht, würde mehr Seelenfriede gut tun. Er wäre die Lösung für viele unserer Probleme.

Sie haben eine multireligiöse Perspektive gewählt, um das Thema zu besprechen. Warum? Welche Vorteile sehen Sie in so einem Ansatz?

Die Seele und der Ort ihrer Erschaffung kennen keine Religionen. Es herrscht dort die alleinige Verbindung zu Gott/Allah. Es ist daher sehr interessant zu sehen, was die Religionen aus dem Thema Seele und Seelenfrieden gemacht haben. Aus den Ausführungen ist ersichtlich, dass gerade in den drei Buchreligionen Islam, Christentum und Judentum, eine große Übereinstimmung besteht. Wenn man dem islamischen Ansatz folgt, dass es nur einen Gott gibt, und jede der drei Religionen, vom Judentum über das Christentum, hin zum Islam, gleichen Ursprungs ist und nur eine Fortschreibung von Gottes Botschaft ist, sehen wir Verbindungen und Gemeinsamkeiten. Auch die Unterscheidungen werden dadurch klarer. Und Klarheit ist wichtig im Glauben.

Wie wichtig ist ein multidisziplinärer Ansatz zum Thema Seelenfrieden und warum?

Seelenfrieden ist ein besonders ehrenwerter Zustand. Ihn zu erreichen, passiert nicht gerade einmal so nebenbei. Im Unterschied zur Zufriedenheit, die dem Seelenfrieden am nächsten kommt und immer wieder mit Seelenfrieden verwechselt wird, kommt es zentral auf die Seele an. Die Seele ist sehr fragil und kann durch viele Umstände beeinflusst werden. Daher können wir andererseits, durch Beachtung dieser Umstände, die Seele befrieden. Jeder Mensch hat andere „Störfelder“ in seinem Leben, die Seelenfrieden verhindern. Es war mir daher wichtig, ein weites Spektrum darzustellen, wo und wie wir an unserem Seelenfrieden arbeiten können.

Im Buch gehen Sie das Thema auch autobiografisch an. Warum ist es wichtig, das Thema auf sich und das eigene Leben zu beziehen?

Ich beschäftige mich schon längere Zeit mit dem Leben, mit Religion und verschiedenen Perspektiven, beides zu betrachten. Ich habe im Laufe meines Lebens sehr viele Erfahrungen zu dem Thema selbst gemacht. Ich schreibe daher nicht über ein Thema, das ich „gelernt“ habe, sondern das ich selbst durchlebt und erlebt habe. Ich glaube, dadurch wird mein Beitrag verständlicher und authentischer.

Wie wichtig ist Schreibtherapie für Frauen, wenn es um den Aufbau des eigenen Seelenfriedens geht?

Die Stimme des Seelenfriedens ist die Stille. Die Stille des Schreibens lässt uns mit unserer Seele in Kontakt treten. Ich habe die Stunden, die ich schreibend an meinem Buch verbracht habe, geliebt und genossen. Seit ich im Zuge meiner Krankheit das Schreiben entdeckt habe, spüre ich es als Therapie und Akt der Selbstreflexion. Ich kann daher jeder Frau empfehlen, einen Zettel und Papier zu nehmen, und in einer ruhigen Stunde die Gedanken niederzuschreiben. Vielleicht ergibt sich daraus eine neue Leidenschaft. Bei mir wurde diese Leidenschaft erweckt und ich sitze bereits über meinem nächsten Buchprojekt und habe bereits weitere in meinen Gedanken.

Welche Berührungspunkte sehen Sie zwischen diesem und Ihrem vorherigen Buch zu Ihrer Krankheit und dem Marathon als Symbol für das Ja zum Leben?

Im Laufe meiner schweren Erkrankung war ich oft mit meinem möglichen Tod konfrontiert. Ich erlebte dabei nicht nur Angst, sondern auch Situationen wahren Seelenfriedens. Ich kann daher davon berichten, wie sich dieser Seelenfrieden anfühlt und erreichen lässt. Ich habe aber dadurch nicht nur das Ja zum Leben, sondern auch das Ja zum ewigen Leben gefunden. Vielleicht war und ist meine Krankheit nur ein weiteres Mosaik in meinem Lebensbild.