ProMosaik Poetry ist ein offenes Projekt von ProMosaik Art, das von der Bedeutung der Poesie und der Poesietherapie in einer harten Zeit, die von Krieg, Militarisierung, Gewaltbereitschaft und Machtnarrativen gekennzeichnet ist, überzeugt ist. Obwohl ProMosaik Poetry sich als offenes Projekt sieht, hat sich die Gründerin, Milena Rampoldi, Ende 2025 trotzdem dazu entschieden, das Manifesto der Hauptgrundsätze von ProMosaik Poetry niederzuschreiben, die als Impulse dienen sollen, um die Dimension der Poesie, der Ästhetik und des Einsatzes für die Menschenrechte und des Dialogs in die Mitte des Lebens der Menschen zu bringen, die sich nach Umbruch und Frieden sehnen.

Poesie ist nicht elitär

Wir sprechen uns auf eine radikale Weise gegen jegliche elitäre Vision der Poesie aus. Lyrik soll allen Menschen zugänglich gemacht werden. Wir sind alle DichterInnen. Dieser universelle Zugang zur Poesie und auch zur Poesietherapie ist vor allem wichtig für ausgegrenzte und diskriminierte Gruppen wie benachteiligte Jugendliche und Frauen, die Gewalterfahrungen hinter sich haben. Ganz im Sinne von Audre Lorde in ihrem wegweisenden Essay „Poetry is not a luxury“ gilt:

„Für Frauen ist Poesie also kein Luxus. Sie ist eine lebenswichtige Notwendigkeit unserer Existenz. Sie bildet die Qualität des Lichts, in dem wir unsere Hoffnungen und Träume fürs Überleben und für die Veränderung verankern, die zuerst in Sprache, dann in Ideen und schließlich in konkretere Taten umgesetzt werden.“

Poesie ist eine universelle Ausdrucksform für alle. Wir können alle poetisch tätig werden. Die Poesie ist auch ein Ausdruck des Widerstands und der Tatsache, dass wir nicht schweigen. Die Poesie ist die Stimme derer, welche die Welt von unten verändern möchten. Wer die Poesie als eine nicht elitäre Kraft ansieht, beschäftigt sich vor allem auch mit der Poesie der ausgegrenzten Gruppen und wertet sie nicht als unschöne Poesie ab, sondern erkennt ihr wesentliches Umwälzungspotential in Gesellschaft und Politik.

Poesie fördert Selbstakzeptanz und gesellschaftliche Veränderungen

Die Poesie ist eine kreative und emotionale Sprache, die aus der Seele kommt. Sie unterstützt den Ausdruck der Emotionen und Gefühle. Durch Poesie gelangt man zur Selbsterkenntnis und zur Selbstakzeptanz. In der Poesie kann man alles sagen.

Man erzählt sich und die eigene Geschichte in Symbolen und Bildern. Man analysiert durch die poetische kreative Kraft die eigene Biografie, überwindet die eigenen Traumata und trägt eine positive verändernde Kraft von Innen nach Außen.

Die Poesie nimmt somit Einfluss auf die Gesellschaft im weitesten Sinne. Die Poesie weist ein soziales und auch politisches Veränderungspotential auf. Die Poesie kann sich in die Stimme des Kampfes für die Menschenrechte verwandeln.

Die Poesie erreicht durch ihre Worte und ihre Symbole viele Menschen und kann die Welt tiefgreifend verändern. Die Poesie positioniert sich gegen Krieg, Militarismus, politische Unterdrückung, Gewalt gegen Frauen und gegen den Missbrauch von Kindern.

Jede Biographie enthält immer universelle Elemente. Die Poesie ist nicht nur der Spiegel der Seele und der Erfahrung des Dichters, sondern der Welt. Unabhängig von der Kultur, Ethnie und religiösen Zugehörigkeit eines Dichters, finden sich in seinen biografischen Elementen immer universelle, humanistische Grundsätze, die Menschen verbinden. Somit unterstützt die Poesie die Überbrückung jeglicher Diskriminierung und rassistischer Haltungen.

Poesie ist interdisziplinär, multidisziplinär und transdisziplinär

Die Poesie erzeugt immer mentale Bilder, die im emotionalen Leben der Person und ihrer Kultur und Gesellschaft verankert sind. Dies bedeutet, dass es eine enge Verbindung zwischen Poesie im Besonderen und künstlerischem Ausdruck im Allgemeinen gibt. Die Poesie kann mit anderen Kunstrichtungen im Duett zum Ausdruck gebracht werden. Vor allem denken wir an Malerei, Skulptur, Theater, Tanz, Musik, Stickerei und Fotografie.

Poesie ist interdisziplinär, multidisziplinär und transdisziplinär in einem. Interdisziplinarität meint ein fachübergreifendes Zusammenwirken, mit Hilfe dessen man verschiedene Fachrichtungen harmonisch miteinander verbindet, um Innovation zu erzeugen. Dieser Ansatz wird in der Poesie noch unterschätzt und bedarf einer radikalen Neuorientierung. Multidisziplinarität führt im Gegensatz zur Interdisziplinarität zu keiner Integration, sondern zu einer parallelen Bearbeitung eines Themas in verschiedenen Fachbereichen. Transdisziplinarität unterstützt schließlich die Poesie und überwindet ihren elitären Charakter, der historisch und kulturell gegeben und nicht hinterfragt wird. Dieser Ansatz geht über die akademische Welt hinaus, indem gesellschaftliche Partner in die gemeinsame Wissensschaffung einbezogen werden, die wissenschaftliches und praktisches Fachwissen kombiniert, um Lösungen mit direkten Auswirkungen auf die Gesellschaft zu entwickeln. Dadurch hat die Poesie ein enormes Potential als verändernde Kraft in zwischenmenschlichen Beziehungen, Gesellschaft und Politik.

Poesie ist Dialog

Die Poesie ist Dialog gemäß dem Konzept von Martin Buber. Für mich ist Martin Buber in seinen Werken „Ich und Du“ und „Zwiesprache“ das große Vorbild für den Aufbau einer Poesie des Dialogs, die gesellschaftlich relevant wird und mit ihrem innovativen Potential die lokale und globale Welt verändert und verbessert. Die Poesie ist immer ein Ort der Begegnung, zwischen dem Dichter und seinem Selbst, zwischen dem Dichter und dem Leser und zwischen dem Dichter und der Gesellschaft bzw. der Welt im Allgemeinen. Der Dichter spricht nie mit sich selbst, sondern immer mit einem „Du“.

Der Dialog bedeutet für ProMosaik Poetry Einsatz für den Frieden und Widerstand gegen jegliche Form der Unterdrückung, Diskriminierung, Ausgrenzung, des Rassismus und des Kolonialismus.

Die Welt wird Schritt für Schritt brutaler. Die Kriege gegen muslimische Länder lassen nicht nach, gleichzeitig verbreiten sich im Westen Gewalt auf den Straßen, blinde Asylpolitik, rechtsradikales Denken und unkooperatives politisches Denken und Nicht-Handeln.

Wo man hinsieht, unterscheiden sich Brutalität und Dummheit, Gleichgültigkeit und Bösartigkeit, Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel, Missbrauch von Kindern und Verbreitung von Drogen und Prostitution, Arglist und Machtkalkül kaum voneinander. Ich denke in diesem Zusammenhang oft an den Theologen Dietrich Bonhoeffer und seine Theorie der Dummheit. Es sieht so aus, als würde ich mit der Anwendung seiner Theorie auf fast allen Gebieten ins Schwarze treffen, ohne aber mehr als ein softes reformistisches Denken hervorzubringen.

Der authentische Sozialismus ist entartet und beugt sich der Macht der Waffenlobbys. Die Anarchisten sind zu einer Elitetruppe mutiert. Das Leben der Menschen ist sinnentfremdet oder sinnentleert. Die gravierenden wirtschaftlichen Probleme, welche die gesamte kapitalistische Welt heimsuchen und die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinanderreißen, vermitteln ein Bild eines gefährlichen Europas, ohne Sicherheit auf den Straßen, gekennzeichnet von narzisstischen Denkweisen, von einem harten demografischen Niedergang und einer vollkommenen Passivierung der Bevölkerung, die durch Brot und Spiele, forcierte Digitalisierung und blanke Oberflächlichkeit stillgelegt wird.

Diese Phänomene gehen einher mit einer Radikalisierung rechten Gedankenguts, das sich gegen Migranten und Asylanten richtet, und der vollkommenen Ausgrenzung der Dimension des Schönen und Wahren aus dem Leben der Menschen.

Der brutale Völkermord Israels im Gazastreifen und der Vormarsch des bewaffneten Zionismus mit seinen expansionistisch-imperialistischen Zielen, die nun mit dem Angriff auf den souveränen Staat Iran ihren Höhepunkt erreicht haben, die absolut fehlende Zivilcourage im Alltagsleben der Menschen, stellen alle Ideologien auf den Kopf.

Politische Gegner werden nicht mehr durch Dialektik und Intelligenz bekämpft, sondern durch irrationale Dämonisierungsmaschinen. Wenn man sich pazifistische Parteien ansieht, die in ihre Kehrseite mutieren und Hass gegen Völker und Religionen schüren, wenn man sich die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen und die Gleichgültigkeit ansieht, welche die Weltbühne bestimmt, fragt man sich, was man selbst gegen eine solche Welt noch tun kann. Unser Leben ist begrenzt und unsere Ressourcen sind es noch mehr. Was uns bleibt, sind unsere Stimmen, die wir erheben können oder auch nicht, und dies mit allen möglichen Konsequenzen und im Wissen darüber, dass man unsere Stimmen ersticken kann.

Ganz im Sinne des jüdischen Philosophen Martin Buber sehe ich das Du nicht als Objekt, sondern als Subjekt. Ins Politische verlegt würde dies dann bedeuten, dass der „Andere“ im Sinne von Edward Said nicht orientalisiert, sondern als Subjekt anerkannt wird.

Die Bekämpfung von Gewalt und Brutalität setzt voraus, dass soziale Gerechtigkeit und Diversität gefördert werden. Dies setzt wiederum einen anderen Gesellschaftsvertrag voraus als den kapitalistisch-imperialistischen, dessen Krise uns gerade so hart trifft. Und dies setzt wiederum voraus, dass Menschen miteinander kommunizieren und sich mit den Standpunkten und Ideen anderer auseinandersetzen. Diese Kommunikation verlangt nach der Aufhebung der sozialen Entfremdung, die durch die Herrschenden und ihre Demagogie gesteuert wird. Schließlich setzt die Bekämpfung von Gewalt und Brutalität als Grundvoraussetzung ein Ende des Herrschaftssystems voraus, das sich genau auf dieser Gewalt und Brutalität stützt.

Ausgrenzung und Marginalisierung führen zu noch mehr Gewalt. Das Schweigen und Verdrängen von Problemen fördert Gewalt. Wo keine Worte mehr ausgesprochen werden, wo man sich nicht mehr für die Diplomatie einsetzt, dort sprechen die Waffen der post-kapitalistischen Drohnenhersteller der digitalen Ära. Daher positionieren wir uns ganz klar gegen „Rechts“, gegen totalitäre Regime und gegen den Zionismus, der für uns eine rechtsradikale und zerstörerische Ideologie eines Apartheidstaates ist, der sich als einzige Demokratie des Nahen Ostens aufspielt.

Poesie ist eine heilende Kraft für das Individuum und die Gesellschaft

Für ProMosaik ist die Poesietherapie ein wichtiger Aspekt der Poesie und der Arbeit mit Poesie als heilender Kraft für Individuum und Gesellschaft. Ich möchte nun einige Hauptideen der Poesietherapie zusammenfassen. Die Poesietherapie ist ein innovativer Ansatz der Kunsttherapie und geht davon aus, dass das Schreiben poetischer Verse die Selbstentwicklung unterstützt. Im zeitgenössischen Kontext, vor allem in ihrer Entwicklung seit dem Jahre 2000, fokussiert die Poesietherapie immer mehr auf den biographischen Aspekt der Poesie.

Durch den Einsatz von Poesie ist vor allem für Frauen, die Trauma und Gewalterfahrungen hinter sich haben, möglich, Selbsterfahrungen zu sozialisieren und Lebensgeschichten in Form von metaphorischen Bildern und Symbolen neu zu erzählen. Die Poesietherapie stärkt Selbstwertgefühl und Resilienz. Sie baut eine Brücke zwischen der Psychotherapie und der Sozialpsychologie und der psychologischen Soziologie.

Sie wirkt sich heilend auf das Individuum und die Gesellschaft aus. Die Poesietherapie wird aber auf dem Gebiet der Psychologie marginalisiert, und in die Soziologie als Therapieform unzureichend einbezogen.

Was die Poesietherapie für mich auszeichnen sollte, ist ihre kollaborative Methode, die für ausgegrenzte und traumatisierte Menschen dazu beitragen kann, das Selbstwertgefühl nicht nur als Individuum, sondern auch als Gruppe aufzubauen. Dies gilt beispielsweise in der Flüchtlingsarbeit, in der Arbeit mit Häftlingen, benachteiligten Kindern, mit diskriminierten Gruppen wie beispielsweise ehemaligen Sklaven, Prostituierten, Opfern von Menschenhandel, sexueller Gewalt, häuslicher Gewalt und Gewalt jeglicher Art gegen Kinder.

Der Vorteil der Poesie besteht darin, dass sie eine universelle Ausdrucksform der menschlichen Seele ist, die kulturübergreifend wirkt und auch religionsübergreifend ihr Veränderungspotential zum Ausdruck bringt.

Die Poesie verwandelt sich im Setting der Poesietherapie in eine Kraft des Problem-Solvings und der kreativen Erarbeitung alternativer Lösungen für Gesellschaft und Politik. Die Poesietherapie sollte auch den Rahmen der Psychotherapie sprengen und sich als Soziotherapie behaupten. Der Beitrag der Poesie zur psychischen Gesundheit ist erwiesen. Auch in der Medizin ist inzwischen bekannt, dass die Poesie dazu in der Lage ist, menschliche Emotionen zu heilen und das Wohlbefinden zu steigern. Menschen überarbeiten ihre eigene Biographie und erlangen einen besseren Zugang zu ihren Emotionen. Negative Gedanken, die durch die Poesietherapie in positive Gedanken verwandelt werden, fördern seelisches Selbstbewusstsein. Und dieses neue Selbstbewusstsein wirkt sich als Veränderungspotential positiv auf die Gesellschaft aus. Wie die sozio-politischen Lösungen in einer Gesellschaft immer offen sind, so ist auch ein Gedicht immer offen. Die Poesie bietet uns die Möglichkeit, alternative Möglichkeiten zu erkunden und an die Veränderung als reale Change zu glauben.

Poesie ist politisch

In diesem Manifesto möchte ich der These widersprechen, nach der die Poesie passiv und irrational ist, während die Politik der Ausdruck aktiven Handelns ist. Ich bin nämlich der Ansicht, dass Poesie immer politisch ist, unabhängig davon, ob sie eine direkte Befassung mit politischen Themen einschließt oder eher als Rückzug vom politischen Handlungsfeld betrachtet wird.

Warum Poesie immer politisch ist und nur politisch sein kann, lässt sich ganz einfach durch die Tatsache erklären, dass jede Dichterin bzw. jeder Dichter Teil einer Gesellschaft ist und somit politisch in diese involviert ist.

Unter der positiven politischen Poesie verstehe ich dann jegliche Art von Poesie, die sich für die Veränderung bzw. Reform bzw. Umwälzung der gegebenen sozio-politischen Zustände einsetzt und somit gegen Rassismus, Diskriminierung, Unrecht jeglicher Art kämpft und sich für die Menschenrechte im weitesten Sinne einsetzt. Diese Art von Poesie widersetzt sich ungerechten Regimen, Unterdrückung, Krieg, Ungleichheit oder politischer Gewalt.

Die Poesie ist eine persuasive Kraft, die zur politischen Veränderung aufruft. Sie besitzt kraftvolle Mittel der Umwälzung und kann den Kampf für die soziale Gerechtigkeit und die Menschenrechte in einem gegebenen politischen Umfeld anspornen und beeinflussen.

Die Poesie kann politische Veränderungen hervorbringen und sich der aktuellen Unterdrückung der Menschen durch die Menschen, die an der Macht sind, widersetzen. Die Poesie ist auch auf diesem Gebiet kein “Luxus”, sondern eine gemeinsame Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger, denn Poesie ist nicht elitär. Somit umfasst die politische Poesie die Ideen aller, da wir alle DichterInnen sind.

Die Poesie ist die Stimme der kolonisierten Völker, der unterdrückten Menschen, der politischen Gefangenen, der Freiheitskämpfer und der misshandelten Frauen und Kinder. Sie ist die Stimme gegen Rassismus und für Inklusion und Kommunikation. Sie ist auch die Stimme der unterdrückten Gesellschaftsschichten, der Migranten, der Menschen mit Behinderung, der entwürdigten Kinder, der SklavInnen und aller Jugendlichen, die in autoritären Regimen für Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen.

Poesie ist ein Mittel, um sich für die Menschenrechte einzusetzen

Die Poesie ist eine wesentliche Methode, um sich für die

Menschenrechte einzusetzen. Sie drückt das psychische Unbehagen aus, das entsteht, wenn Menschen Unrecht wiederfährt. Die Poesie für die Menschenrechte kann sowohl von Dichtern geschrieben werden, welche die Menschenrechtsverstöße analysieren und anprangern. Sie kann aber auch die Stimme der Opfer sein. Dichter, die sich für die Menschenrechte einsetzen, schreiben für den Frieden, die Frauenrechte, die Rechte der Kinder, Flüchtlinge und benachteiligten Gruppen von Migranten, Prostituierten und Häftlingen, um einige Beispiele zu nennen.

Sie prangern aber auch soziales Unrecht, gesellschaftliches Ungleichgewicht, Militarismus und Kriegswirtschaft, Korruption und sexuelle Gewalt sowie Diskriminierung und Rassismus gegen ausgegrenzte Gruppen der Gesellschaft an. Ein wichtiges Thema der Poesie für die Menschenrechte ist auch die Poesie des Widerstands gegen jegliche Form von Kolonialismus und Neokolonialismus, wie beispielsweise den Zionismus, der die Palästinenser entmenschlicht und als Doktrin der Rechtfertigung des Völkermordes in Gaza gilt.