Am 22. Januar 2026 jährte sich der Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) zum fünften Mal, ein historischer Meilenstein in der internationalen Abrüstungspolitik. Der Vertrag verbietet den Besitz, die Entwicklung, die Stationierung und den Einsatz von Atomwaffen und markiert damit erstmals seit Jahrzehnten eine klare Ächtung dieser Massenvernichtungswaffen auf völkerrechtlicher Ebene. Dieses Jubiläum bietet Anlass, Bilanz zu ziehen: Wo stehen wir heute, fünf Jahre nach Inkrafttreten, und welche Wege führen zu einer sichereren, friedlicheren Welt?
Von Julia Engels
Ein rechtlicher und moralischer Fortschritt
Der Atomwaffenverbotsvertrag ist nicht nur ein juristisches Dokument, sondern ein moralisches Signal. Er erinnert Staaten und internationale Gemeinschaften daran, dass nukleare Abschreckung langfristig keine Sicherheit garantiert. Gleichzeitig eröffnet er politische Räume für Dialog, Entspannung und Abrüstung. Zahlreiche Länder haben den Vertrag unterzeichnet und nationale Maßnahmen zur Umsetzung begonnen: ein klares Zeichen, dass die internationale Gesellschaft Atomwaffen zunehmend als unannehmbar betrachtet.
Die Realität der nuklearen Bedrohung
Trotz dieses Fortschritts bleibt die globale Sicherheitslage angespannt. Nuklearstaaten außerhalb des Vertrags setzen weiterhin auf Modernisierung ihrer Arsenale und Drohstrategien, regionale Konflikte nehmen zu, und die Gefahr einer Eskalation durch Missverständnisse oder Fehlkalkulationen besteht unverändert. Dies zeigt: Ein Vertrag allein reicht nicht, um Sicherheit herzustellen. Er muss von Diplomatie, Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung flankiert werden.
Die Rolle der Zivilgesellschaft
Ein zentraler Erfolgsfaktor der letzten fünf Jahre war das Engagement der Zivilgesellschaft. Organisationen wie ICAN haben bewiesen, dass transnationale Bewegungen politischen Druck erzeugen können, der auf staatlicher Ebene zu konkretem Handeln führt. Gleichzeitig wächst die Bewegung der „nuclear-free generation“ – junge Menschen, die klar Stellung beziehen, Öffentlichkeit schaffen und ihre Regierungen an Verantwortung erinnern. Ohne diese aktive Bürgerschaft wäre die völkerrechtliche Ächtung von Atomwaffen kaum denkbar gewesen.
Diplomatie statt Drohkulisse
Das Jubiläum des TPNW mahnt: Die Zukunft der internationalen Sicherheit liegt nicht in nuklearer Drohung, sondern in diplomatischer Initiative, multilateraler Zusammenarbeit und präventiven Strategien. Staaten müssen die Mechanismen der Abrüstung ernsthaft nutzen, bestehende Rüstungskontrollverträge erhalten und neue Formate für Konfliktlösung entwickeln. Nur so kann Vertrauen entstehen, das Fundament echter Sicherheit.
Ausblick
Fünf Jahre TPNW sind ein Grund zu vorsichtigem Optimismus, aber zugleich ein Weckruf. Die nächsten Jahre müssen von verstärktem diplomatischen Engagement, entschlossener Abrüstungspolitik und kontinuierlicher zivilgesellschaftlicher Beteiligung geprägt sein. Atomwaffen dürfen nicht länger als legitimes Mittel der Politik gelten. Wer sich vertieft mit Abrüstung, Friedenspolitik und zivilgesellschaftlichen Initiativen auseinandersetzen möchte, findet weiterführende Analysen und Hintergrundinformationen auf der Plattform Bessere Welt Info.
Dieses Jubiläum zeigt: Veränderung ist möglich, aber sie erfordert Mut, Solidarität und den klaren Willen, nukleare Drohkulissen hinter sich zu lassen. Eine sicherere, friedlichere Welt ist erreichbar, wenn Staaten, Organisationen und Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.









