Paquita lebt in einer kalifornischen Kleinstadt wie viele andere, wo sich Reihen von Holzhäusern erstrecken, so weit das Auge reicht; jedes hat einen Garten, der meistens von Palmen, Blumen und Obstbäumen umgeben ist. Wir kennen uns seit acht Jahren und sind uns auf Anhieb sympathisch gewesen. Wir arbeiten zusammen an einem Gemeinschaftsprojekt.

Wir teilen das Interesse an gesunder Ernährung; es war ausgerechnet das Gespräch über Rezepte, das das Eis zwischen uns gebrochen hat. Ich sah sie mit einem smaragdgrünen Gebräu ankommen, das sie vor der Hitze schützte und im Kühlschrank aufbewahrte. Es handelte sich um eine Salatmischung, verfeinert mit verschiedenen Kräutern und scharfen Gewürzen, die sie als Stärkungsmittel zu sich nahm. Einige Zeit später erfuhr ich, dass sie sich von ihrem Mann trennte und eine Freundin ihr das Rezept gegeben hatte. Es dauerte nicht lange, bis unsere gemeinsame Leidenschaft für das Kochen, verbunden mit gegenseitiger Sympathie dazu führte, dass wir uns mit kulinarischen Tipps versorgten. Einmal war es ein Apfelkuchen, der gegen eine Ceviche (kaltes Fischgericht aus Peru) getauscht wurde, ein anderes Mal eine kleine Lasagne mit hausgemachten Tortillas. Paquita brachte mir bei, wie man sie von Hand knetet und besorgte mir eine Presse, um sie perfekt plattzudrücken. Seitdem gibt es bei uns zu Hause hin und wieder Tapas nach Paquitas Art zum Abendessen.

Eines Tages sah ich, dass sie sehr traurig ist. Es ist ungewöhnlich, Mexikaner:innen, vor allem solche wie meine Freundin, die die indigenen Merkmale behalten haben, weinen oder verzweifeln zu sehen. In Wahrheit beklagen sie sich nicht einmal; sie wirken immer gelassen, immer freundlich und respektvoll. Da sie stolz sind, bleiben sie höchstens manchmal für sich und arbeiten weiter; sie gehören zu den unermüdlichsten Arbeiter:innen, die ich jemals kennengelernt habe. Die Lüge, dass sie als ein Volk von Kriminellen, Schurken, Banditen, Drückebergern usw. dargestellt werden, ist beschämend. Paquita war traurig, weil ihre Großmutter gestorben war und sie nicht zur Beerdigung gehen konnte. Vor mehr als zwanzig Jahren reiste sie zusammen mit ihrem damaligen Verlobten, jetzigen Ex-Mann, mit einem gültigen Visum nach Kalifornien ein und blieb dort. In gewisser Hinsicht war es eine Rückkehr in die Heimat der Vorfahren. Bis 1848 umfasste Oberkalifornien, auch als Nueva California bekannt, das heutige US-amerikanische Kalifornien, Nevada, Utah, Teile von Arizona, Wyoming und auch Colorado, das vollständig zu Mexiko gehörte. Heute ist nur die Halbinsel Unterkalifornien mexikanisch geblieben. Doch kehren wir zu Paquita und jenem Trauertag zurück, der mich erkennen ließ, dass meine Freundin zu einem Leben voller Entbehrungen und abwertender Einschränkungen in einer der fortschrittlichsten Gesellschaften der Welt gezwungen war – zu der sie übrigens mit ihrer Arbeit beiträgt.

Paquitas Familie besteht aus einem Ex-Partner, einer Tochter, einem Sohn und drei Hunden; sie konnten sich nie einen richtigen Urlaub erlauben – nicht einmal daran denken, ihre Heimat zu besuchen. Sie haben sich nie getraut, den Staat zu verlassen, vielleicht nicht einmal den Landkreis; sie haben nie die wunderschönen Naturparks gesehen, das Heimatland ihres Volkes. Seit eh und je leben und arbeiten sie im Verborgenen, still und ohne jemanden zu stören. Solange die Eltern fit genug waren, kamen sie fast jedes Jahr zu Besuch und es gab ein großes Fest. Sie deckten den Tisch für das Abendessen im Hof, zündeten bunte Laternen an, die wie Girlanden aufgehängt waren und tanzten; sie zeigte mir das Foto ihrer Tochter als Teenager, die mit ihrem Großvater tanzen lernte. Dann starb ihr Vater und ihre betagte Mutter hat keine Lust mehr, das Haus zu verlassen. Paquitas größte Angst ist, sie nicht mehr wiederzusehen.

Heute regiert Trump. Er und seine Regierung haben Menschen wie Paquita den Krieg erklärt, sie stellen sie als Kriminelle dar und wollen sie alle abschieben. Man schätzt, dass in den Vereinigten Staaten vierzehn Millionen Einwanderer ohne Papiere leben. Stellen Sie sich vor, was für ein Schaden es für die Gesellschaft wäre, ein demografisches Loch von diesem Ausmaß zu schaffen. Nach einem Jahr irrsinniger Migrationspolitik wurde das Ziel nur zu etwa 4% erreicht und die Verschlechterung des sozioökonomischen Gefüges macht sich bereits bemerkbar. Die Spannung in der Bevölkerung ist spürbar und verheißt nichts Gutes. Umfragen zeigen, dass die Unterstützung für Trump stark gesunken ist, – für wen arbeiten sie eigentlich? Selbst ihre Wähler sind kritisch, wenn nicht sogar verärgert über eine solche Politik.

Kommen wir zurück zu Paquita, die seit einem Jahr wieder so lebt wie zu Zeiten der Covid-Pandemie. Sie fährt mit dem Auto aus der Garage des Hauses, parkt hinter dem geschlossenen Tor eines Hofes, arbeitet, kehrt wieder zum Auto zurück und fährt nach Hause. „Die Stadt ist in dieser Zeit sehr ruhig. Niemand geht mehr aus“, sagt sie mir. Viele sind in derselben Situation. Dann fügt sie verschmitzt hinzu: „Weißt du, dass ich mir gerade ein Haus in Mexiko einrichte?“ Sie zeigt mir Bilder eines zweistöckigen Hauses im Bau. Sie hat es zusammen mit ihren Geschwistern gekauft, etwas unter Zeitdruck, weil die Mutter keine Treppen mehr steigen kann und dort im Erdgeschoss leben würde. Während sie mir die Gestaltung des Badezimmers erläutert, wo sie Fliesen verlegt hat, die bunte Steine darstellen und dem Raum eine exotische Note verleihen, zieht sich mein Herz zusammen. Ich erinnere mich daran, als ich mein Zuhause eingerichtet habe: wie spannend es war, die Fortschritte zu beobachten, die neuen Materialien anzufassen, den frischen Geruch zu schnuppern! Paquita schaut sich das mit der gleichen Begeisterung auf dem Handy an und vergrößert die Bilder. Ein Anflug von Traurigkeit huscht über ihre Stirn. „Wer weiß, ob ich es schaffen werde, dorthin zu fahren?“ Dann fügt sie lachend hinzu: „Andernfalls werden es Ana und Felipe (die Kinder) genießen.“

Trotz Trump und seinen Handlangern ist Paquitas gute Laune unerschütterlich und ihr Lachen wird euch, wie das vieler anderer, die ihr schlecht behandelt, entmachten.

Übersetzung aus dem Italienischen von Doris Fischer vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige!