Nord- und Südkoreanische Kunstdiplomatie setzt sich für Frieden und Gewaltfreiheit ein

16.01.2021 - Bereket Alemayehu

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Griechisch verfügbar.

Nord- und Südkoreanische Kunstdiplomatie setzt sich für Frieden und Gewaltfreiheit ein
(Bild von Bereket Alemayehu: "Peace, the wind blows", eine Sonderausstellung von Nord- und Südkoreanischen Künstlern)

Jetzt geht’s los! Wir befinden uns an einem historischen Moment auf unserem Planeten.

Es ist eine interessante Zeit, denn bald – am 22. Januar 2021 – kündigt sich ein neuer Tag als Wendepunkt für den Weltfrieden an, der mit der Unterzeichnung des Vertrags zum Verbot von Atomwaffen nach langer Zeit endlich anbricht. Wir sind nur noch wenige Tage davon entfernt, mitzuerleben, wie Geschichte geschrieben wird, dank der unermüdlichen und teils mühsamen Kampagnen, mit denen Länder und hohe Beamte davon überzeugt wurden, den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW) zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Gleichzeitig ist es eine aufregende Zeit, da ich von meinem Wohnort aus in Seoul, Südkorea, wahrscheinlich nur wenige Stunden von einer Nuklearbombenfabrik entfernt bin.

Als ein in Afrika aufgewachsener Mensch, der fernab von einem modernen Lebensstil und einer hochentwickelten Technologie lebte, sind die Schwingungen auf der koreanischen Halbinsel ganz anders und insofern beängstigend, als es dort Massenvernichtungswaffen gibt. Sowohl die nord- als auch die südkoreanische Regierung haben den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen noch nicht unterzeichnet. Ich lebe auf einer relativ kleinen Halbinsel im fernöstlichen Teil der Welt, aber die militärische Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit dem Zweiten Weltkrieg und der Ära des Kalten Krieges sehr angespannt. Der militärische Einfluss der mächtigsten Länder ist deutlich spürbar und die Welt hat es hier mit dem am meisten isolierten und nach Atomwaffen strebenden Regime, Nordkorea, zu tun.

Auf der anderen Seite ist das Leben auf dieser Halbinsel auch recht interessant. Sie beherbergt dynamische Gesellschaften, die viele gemeinsame moralische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Werte teilen, und verfügt über die Technologie, um Millionen von Menschen sofort zu erreichen und diese zu Frieden und Einheit aufzurufen.

Letztes Jahr war ich trotz der COVID-19-Pandemie, die eine Bedrohung für die normalen gesellschaftlichen Verhältnisse darstellte, Teil des 2. Weltmarsches für Frieden und Gewaltfreiheit. Wir trafen die Mitglieder der internationalen Teams aus Südamerika und Europa, die im Januar 2020 Seoul erreichten. In Zusammenarbeit mit dem „Korean Organization Committee for UN International Day of Peace“ (KOCUN-IDP) wurde ein öffentliches Forum über die Gefahren eines Atomkrieges abgehalten. Ein Webinar zum Thema Frieden & Wiedervereinigung und eine Gruppenreise zur Entmilitarisierten Zone (DMZ) wurden in Zusammenarbeit mit der Organisation „People for Successful Corean Reunification“ (PSCORE) durchgeführt.

Seit jeher ist Kunstdiplomatie ein Teil der langjährigen Friedensbemühungen auf der koreanischen Halbinsel. Die jüngste Ausstellung trug den Titel „Frieden, der Wind weht“, eine besondere Kunstausstellung, die in Zusammenarbeit mit Künstlern aus dem Norden und Süden entstand. Sie fand im Odusan Unification Tower statt, auf einem Berggipfel, von dem aus man die ländlichen Gebiete Nordkoreas am Schnittpunkt der Flüsse Han und Imjin überblicken kann. Die Organisation, die die Sonderausstellung ins Leben rief, hofft, dass „Kultur und Kunst die Grenze sprengen, den Geist öffnen und das Verständnis füreinander vertiefen. Diese Kraft wird ein treibender Bestandteil der Koexistenz sein, den Schmerz der Teilung zu überwinden und zu heilen und die Homogenität von Süd- und Nordkorea wiederherzustellen. Darüber hinaus kann und wird sie eine Brücke sein, um Süd- und Nordkoreaner zu verbinden, die seit mehr als 70 Jahren in unterschiedlichen Welten aufgewachsen sind. Die Hoffnung besteht, dass diese Ausstellung der Beginn eines substantiellen Austauschs und einer Kommunikation zwischen den Künstlern in Seoul und Pjöngjang ist, und derartige Ausstellungen regelmäßig stattfinden können.“

Wir befinden uns in einer spannenden Zeit, da die Welt sehr bald sehen wird, wie die Bemühungen um eine grundlegende Veränderung bei den Vereinten Nationen Früchte tragen werden. Als Künstler und sozialer Aktivist möchte ich selbst in einer Welt frei von atomaren Gefahren und ohne unaufhörliches Wettrüsten zwischen den Ländern leben. Lassen Sie mich den Artikel beenden, indem ich ein schönes Zitat von der Website der Akademie für Kulturdiplomatie über die Macht der Kunst einfüge:

„Da jeder an der Schaffung und dem Genuss von Kunst teilhaben kann, ist sie ein mächtiges Werkzeug, um das Bewusstsein und das Verständnis für Sachverhalte zu verbessern, den Dialog zu fördern und Verbindungen zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und beruflichen Hintergrund herzustellen. Die gemeinsame Erfahrung des Schaffens und Erlebens von Kunst ist eine, die aufrichtige menschliche Beziehungen erzeugen kann; Beziehungen, die nicht durch die Worte oder Handlungen anderer zerstört werden können.“ http://www.culturaldiplomacy.org/academy/index.php?en_acd_about

Weitere Infos zur Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN):  https://www.icanw.de

 

Artikel und Fotos von Bereket Alemayehu

Übersetzt aus dem Englischen von Jonas Jancke und lektoriert von Evelyn Rottengatter, beide vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige.

Kategorien: Asien, Frieden und Abrüstung, Kultur und Medien, Meinungen
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