Hoffnung im gespaltenen Bolivien nach der Wahl 2020

12.11.2020 - Günter Buhlke

Hoffnung im gespaltenen Bolivien nach der Wahl 2020
Luis Arce Catacora (Bild von kaosenlared.net)

Ein Markenzeichen aller kapitalistischen Länder der Welt ist die Spaltung der Gesellschaften in Eliten und abhängige Schichten, in reich und arm. Der zurzeit noch nicht abgeschlossene Wahlakt der USA galt nicht der Überwindung der Spaltung der Menschengruppen des Landes.

In Bolivien dagegen stritten die Eilten und die Abhängigen des Landes in einer Präsidentenwahl im Oktober um die Verringerung der Spaltung auf ein Mindestmaß an Gleichberechtigung und um ein würdiges Leben im Rahmen der geltenden Menschenrechte.

Am 8. November 2020 wurden die Gewinner der Wahl in ihr Amt eingeführt. Luis Arce Catacora als neuer Präsident und David Choquehuanca als sein Vizepräsident. Die MAS – IPSP (Bewegung zum Sozialismus) hat die Wahl mit 55,1% gegen den Zweitplatzierten von der Gruppierung der Eliten mit 28 % schon im ersten Wahlgang gewonnen. Der Nationale Wahlrat hatte als Verfassungsorgan das Wahlergebnis bestätigt.

In seiner Einführungsrede verkündete der neue Präsident „den Weg der Selbstbestimmung, der Blockfreiheit und der vollen rechtlichen und politischen Freiheit gehen zu wollen. Die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Völker (UNASUR) soll wieder belebt werden“. Am feierlichen Akt der Einführung nahmen die Präsidenten Argentiniens, Mexiko, Paraguay und Regierungsvertreter weiterer latein- und mittelamerikanischer Länder teil. Beachtung fandt, dass Präsident Trump einen Vertreter gesandt hatte, wie auch der Iran. Aus Spanien ist König Felipe VI. angereist.

Bolivien wird nach den Einschätzungen nunmehr den Weg fortsetzen, den Evo Morales mit der MAS vor 14 Jahren begonnen hat. Im November 2019 wurde er nach gewonnener Wahl gewaltsam von den Eliten mit der Hilfe ausländischer Kräfte (OAS und andere) vertrieben. Asyl gewährte zunächst Mexiko.

Die bolivianische Zeitschrift LA RAZÒN schrieb am 17. Oktober 2020 nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse: Die Bauern, die Indigenen, die Arbeiter, das Dienstpersonal, die betroffenen Mestizen und Menschen in den Vorstädten haben mit der Wahl ihre Ansprüche an ihre Würde artikuliert. Die Demokratie hat in Bolivien einen Sieg errungen.

Trotz blutiger Angriffe der Gruppierung der Eliten in Senkata (Region Alto) und Sacaba (Region Cochabamba) auf Anhänger der MAS und trotz Wahleinmischung des Auslandes haben es die Eliten nicht vermocht, ihre frühere Macht zurück zu gewinnen. Ihre juristische Frontstellung gegen die MAS und gegen den gestürzten Präsidenten Morales brachte für sie keinen Nutzen. Die „weißen Männer und Frauen“ der Eliten konnten es nicht verkraften, dass ihre früheren Hausangestellten und Landarbeiter im Parlament sitzen und Gesetze zum Wohl der Gerechtigkeit erlassen.

Nach dem Wahlgewinn der MAS im Jahr 2006 hat der indigene Präsident Morales erfolgreiche Schritte zur Verringerung der gesellschaftlichen Spaltung vollbracht. Die Armut der Betroffenen hat sich um etwa 23% verringert, Die Arbeitslosigkeit ist um viele Prozentpunkte zurück gegangen. Für die armen Schichten hat sich der Zugang zum Bildungswesen und zur Gesundheitsbetreuung wesentlich verbessert, auch dank der solidarischen Hilfe aus Kuba. Der Analphabetismus ging um etwa 13% auf 2% 2018 zurück. Morales schaffte es, die ausländische Erdgasindustrie und die zukunftsträchtigen Vorkommen von Lithium in den Dienst des Staates zustellen. Bolivien wurde durch die MAS zu einem weiteren sozialen Leuchtturm in Lateinamerika.

Der neue Präsident Luis Arce C. wird Bolivien weiter nach dem historischen indigenen Konzept des SUMAQ KAWSAY (würdiges Leben) als Alternative zur Verringerung der Spaltung der Gesellschaft weiterführen. Ein Konzept, dass Ecuador unter dem Namen „BUEN VIVIR“ verfolgt.

Auch Venezuela, Nikaragua und die Mehrheit der lateinamerikanischen Länder unternehmen Anstrengungen bessere Lebensbedingungen zu erreichen.

EVO Morales hat bei der Übernahme seines ersten Amts als Präsident darauf verwiesen:

„Wir können nicht noch einmal 500 Jahre warten, um würdig zu leben“.

Das sind 300 Jahre kolonialer Unterdrückung der Spanier und 200 Jahre Abfluss der nationalen Reichtümer über transnationale Konzerne der USA, Europas, sowie Großbanken der westlichen Industrieländer.


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Kategorien: Meinungen, Politik, Südamerika
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