Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft

10.10.2020 - Manila, Philippinen - Karina Lagdameo-Santillan

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Ungarisch verfügbar.

Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft
Origami-Kraniche. Symbol der Hoffnung und Heilung in herausfordernden Zeiten. (Bild von mathilde_34 von Pixabay | CC0 - cropped)

Am 2. Oktober feierten wir den Internationalen Tag der Gewaltfreiheit der Vereinten Nationen – zum ersten Mal inmitten einer globalen Pandemie, wie sie die Welt noch nie gesehen hat. Es ist der Geburtstag von Mahatma Gandhi, dem Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung und Pionier der Philosophie und Strategie der Gewaltfreiheit. Der Internationale Tag ist eine Gelegenheit, „die Botschaft der Gewaltlosigkeit durch Bildung und öffentliches Bewusstsein zu verbreiten“ und die universelle Bedeutung des Wunsches, „eine Kultur des Friedens, der Toleranz, des Verständnisses und der Gewaltlosigkeit zu sichern“, zu bekräftigen.

„Zu Zeiten, zu denen jeder auf der Welt schläft,
und sogar wenn die Träume schlafend in der Dunkelheit gefangen sind,
werde ein Mensch, der den Sternen folgt
anstatt sich vor der Morgendämmerung zu fürchten, die über uns hereingebrochen ist.
Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft“. – von Jeong Ho Seung

Ich dachte an Gandhi, der mit seiner Philosophie und seinen Strategien der aktiven Gewaltfreiheit als Weg zu sozialem Wandel Generationen von Friedensaktivist*innen, Feminist*innen, sozialen Führer*innen und einfachen Leuten inspirierte, die Veränderung zu sein, die sie in der Welt sehen wollten.

Er sagte:

„Gewaltlosigkeit ist die bedeutendste Kraft, die der Menschheit zur Verfügung steht. Sie ist gewaltiger als die mächtigste Zerstörungswaffe, die der menschliche Einfallsreichtum geschaffen hat“. Die Inspiration der gewaltfreien Bewegungen für Bürgerrechte und sozialen Wandel in der ganzen Welt, seine Taktiken des gewaltfreien Protests wie Märsche und Mahnwachen, die Nicht-Kooperation und die gewaltfreie Intervention sind der Weg für gewaltfreien Wandel gewesen“.

Ich dachte an Martin Luther King, der in den 1960er Jahren die amerikanische Bürgerrechtsbewegung anführte, unzählige Märsche und Boykotte organisierte, der einen Traum hatte, einen Traum von den Vereinigten Staaten ohne Rassentrennung und Rassismus…

„Es ist ein Traum, der tief im amerikanischen Traum verwurzelt ist… Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden. Ich habe den Traum, dass… eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und schwarze Mädchen kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen als Schwestern und Brüder die Hand reichen können“.

Ich dachte an Silo, den Denker und Gründer der humanistischen Bewegung, dessen Gedanke in verschiedenen Teilen der Welt eine ganze Bewegung auslöste – mit Tausenden von Freiwilligen, die sich in verschiedenen Aktionsbereichen für die Beendigung aller Formen von Gewalt und Diskriminierung und für Chancengleichheit und ein menschenwürdiges Leben einsetzen. Ihre Vision räumt dem Menschen und seinen Fähigkeiten zu Wachstum und Transformation den höchsten Stellenwert ein.

In seiner bahnbrechenden Rede „Die Heilung des Leidens„, die der humanistischen Bewegung als Grundlage diente, umriss er die verschiedenen Formen der Gewalt und ihre Beziehung zur Problematik des menschlichen Leidens:

„Es gibt noch eine andere Art des Leidens, die auch mit dem Fortschritt der Wissenschaft oder mit dem Fortschritt der Gerechtigkeit nicht zurückgeht. Diese Art des Leidens, die ausschließlich im Geist ist, geht aufgrund des Glaubens, der Freude am Leben und der Liebe zurück. Du musst verstehen, dass dieses Leiden immer in der Gewalt verwurzelt ist, die in Ihrem eigenen Bewusstsein existiert. Du leidest, weil Du fürchtest, das zu verlieren, was Du hast, oder wegen dessen, was Du bereits verloren hast, oder wegen dessen, was Du verzweifelt zu erreichen suchst. Du leidest aufgrund dessen, was dir fehlt, oder weil Du dich im Allgemeinen fürchtest.

Dies sind also die großen Feinde der Menschheit: Angst vor Krankheit, Angst vor Armut, Angst vor dem Tod, Angst vor Einsamkeit. Alle diese Formen sind Leiden des Geistes, und sie alle offenbaren ihre innere Gewalt, die Gewalt, die in Ihrem Geist ist. Beachte, dass diese Gewalt immer aus dem Verlangen entsteht. Je gewalttätiger ein Mensch ist, desto niedriger ist sein Verlangen.

Vom Verlangen angespornt, bleibt die Gewalt in einer Person nicht einfach wie eine Krankheit im Bewusstsein dieser Person – sie wirkt in der Welt anderer Menschen und wird auf sie ausgeübt. Und glaube nicht, dass ich, wenn ich von Gewalt spreche, nur von der bewaffneten Kriegshandlung spreche, bei der einige Personen andere zerstören. Das ist nur eine Form der physischen Gewalt“.

Er geht weiter auf alle anderen Formen der Gewalt ein, von der wirtschaftlichen bis zur rassischen, und beendet seine Rede damit:

Mein Bruder, meine Schwester, halte diese einfachen Gebote, so einfach wie diese Felsen, dieser Schnee und diese Sonne, die uns segnen. Tragt den Frieden in euch und tragt ihn zu anderen.

Vor einigen Tagen stieß ich auf das Gedicht eines koreanischen Poeten mit dem Titel „Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft„. Als ich es las, dachte ich, dass die Stimmung dieses Gedichtes eine Affirmation ist, die der Zeit entspricht, in der wir leben. Trotz Trauer und Verzweiflung, trotz der Angst vor einer ungewissen Zukunft, vor Krankheit oder Armut, trotz der Einsamkeit und Isolation, die Tausende angesichts der Pandemie erleben, können Frieden und Freude kommen.

Die Zukunft ist ungewiss, und es ist unsere Chance, mit anderen zusammenzukommen, die dieselben Schwierigkeiten, dieselben Träume und Bestrebungen teilen und die sich weigern, aufzugeben, die stattdessen weiterhin nach oben schauen und „den Sternen folgen“. Heute scheint es noch dringlicher zu sein, den Frieden zu tragen, die Hoffnung in unseren Herzen zu bewahren und sie an andere weiterzugeben.

Und so ist der 2. Oktober auch der Tag, an dem all die unzähligen Männer und Frauen geehrt werden, die weiterhin ihren Beitrag zur Beendigung der Gewalt leisten und die Hoffnung schaffen.

Hier ist das Gedicht in seiner vollständigen Fassung:

Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft
von Jeong Ho Seung:

Zu Zeiten, zu denen jeder auf der Welt schläft,
und sogar, wenn die Träume schlafend in der Dunkelheit gefangen sind,
werde ein Mensch, der den Sternen folgt
anstatt sich vor der Morgendämmerung zu fürchten, die über uns hereingebrochen ist.
Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft.

Während sich die Winternacht noch weiter verdunkelt,
ohne Aussicht auf Rückkehr wegen des Schneefalls
in einem dunklen Raum mit einer flackernden Kerze, die kurz vor dem Erlöschen steht
nahe einem Arbeitsplatze, an dem alles erledigt ist.
Werde ein Mensch, der Trauer liebt.
Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft.

In dieser Welt der Verzweiflung, in der es keine Verzweiflung gibt
In dieser Welt der Traurigkeit, in der es keine Traurigkeit gibt
Wenn du dein Leben mit Liebe lebst, wird der Frühlingsschnee fallen.

Begegne der Person, die dich draußen im Schnee erwartet
Begegne der Person, nach der du dich im Schnee gesehnt hast
Jubel laut, wenn du dieser Person ein Lächeln schenkst
Jubel laut, während ihr eure Wangen aneinander reibt und weint.

Werde ein Mensch, der den Sternen folgt
Werde ein Mensch, der Hoffnung schafft
Jene, die auf dem mit Frühlingsschnee bedeckten Gerstenfeld spazieren
Lauft zu mir hinüber und erfüllt euer Herz mit Träumen
Füllt euer Herz mit Träumen.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Meinungen
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