Der Amazonas-Regenwald schreit nach Hilfe!

07.09.2020 - Redação São Paulo

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch verfügbar.

Der Amazonas-Regenwald schreit nach Hilfe!
(Bild von Dayse Gomis)

Der 5. September ist der „Tag des Amazonas-Regenwaldes“, jedoch gibt es an diesem beachtenswerten Tag nichts zu feiern. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ist dabei eines der größten natürlichen Reichtümer des Planeten zu ruinieren. Ein gesamtes Ökosystem wird zugunsten der Agrar- und Bergbauindustrie zerstört. Der Gore Capitalism1 – zu Dt. etwa „blutiger Kapitalismus“ – befindet sich im Aufstieg. In der Politik ist er allgegenwärtig und nicht nur der Regenwald, sondern auch indigene und traditionelle Gemeinschaften leiden unter der Nekropolitik2 der aktuellen Regierung.

Die Brasilianer*innen bitten alle anderen Nationen um Mithilfe den Amazonas-Regenwald zu retten. Wir dürfen dieses Ökosystem nicht sterben lassen. Mit der fortschreitenden Zerstörung des Regenwaldes, wird auch der Klimawandel auf der ganzen Welt vorangetrieben, was bedeutet, dass nicht alleine Brasilien auf Dauer unter den Veränderungen leiden wird.

Laut INPE, dem Nationalen Institut für Weltraumforschung in Brasilien, sind im August 2020 Amazonasgebiet 1.500km2 abgeholzt worden, was einem Anstieg von 33% im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht. In den letzten 12 Monaten überschritt die Entwaldung die 10.000km2-Marke, was ungefähr der Hälfte der Gesamtfläche der Lombardei in Italien entspricht.

Die Zerstörung des Amazonas wird nicht nur durch brasilianische Firmen verursacht, auch das internationale Kapital aus der Bergbauindustrie und multinationale Unternehmen gießen Öl ins Feuer der Verwüstung des tropischen Regenwaldes. Der Boden des Amazonas ist reich an Erz, Gold und Niob. Daher werden in dieser Region viele illegale Grabungen durchgeführt, durch die nicht nur die Vegetation zerstört wird, sondern, durch den Gebrauch von Quecksilber zur Goldgewinnung, auch Flüsse und Böden kontaminiert werden.

Ein gesamtes Ökosystem wurde im Dienste der Agrarindustrie ausgelöscht. Dieselben Konzerne, die Fleisch und Sojaprodukte aus Brasilien exportieren, sind mitverantwortlich für die Zerstörung des Regenwaldes. Bei der Erhaltung des Regenwaldes kann es also helfen, diese Produkte nicht mehr zu konsumieren.

In Übereinstimmung mit der Rede des derzeitigen Präsidenten Brasiliens setzt sich der Umweltminister Ricardo Salles nicht für den Schutz des Amazonas-Waldes und der Menschen ein, die von seinen Beständen abhängig sind, sondern für den Schutz der Interessen von Großunternehmen. Seine Rede basiert auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der konsequenten Abholzung, um den Regenwald einzig und allein zu einer wirtschaftlichen Rohstoffquelle zu machen.

Globale Maßnahmen, durch die die Nationen und Organisationen die Zerstörung des Regenwaldes weiterhin sanktionieren und unterbinden, sind notwendig. Die Menschen, die in der Region leben, bitten um sofortige Hilfe. Die Vernichtung ist in den letzten zwei Jahren so weit vorangeschritten, dass, wenn nicht bald weltweit gehandelt wird, sich alles verändern wird, sogar die Luft, die wir atmen!

Der Amazonas-Regenwald schreit nach Hilfe!

Von Daniel Bruno Vasconcelos und Jennifer Terriaga, die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Lena Rixinger vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 


1 In Gore Capitalism (2010) erläutert die Autorin Valencia T. Sayak den Begriff, der sich auf extreme und explizite Gewalt bezieht. In Gore Capitalism spitzt sich raubtierhaftes Über-Leichen-Gehen und Blutvergießen Unschuldiger mit Fortschreiten des Nekro-Machtaufstiegs über organisierte Kriminalität, basierend auf Völkermord als Geschäftsmodell und Handelsware, zu einem destruktiven Höhepunkt zu.

2 Das Werk Necropolitics (2018) von Achille Mbembe erklärt die „Politk des Todes“ in der gegenwärtigen Welt. 

Kategorien: Ökologie und Umwelt, Südamerika
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