Ellen ‚t Hoen über die Idee eines globalen Patentpools zur Bekämpfung von Covid-19

19.05.2020 - Marianella Kloka

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch verfügbar.

Ellen ‚t Hoen über die Idee eines globalen Patentpools zur Bekämpfung von Covid-19
Ellen 't Hoen, Foto aus den sozialen Medien von TEDx.

Ellen ‚t Hoen, ist eine Anwältin, die sich seit mehr als 30 Jahren für Fragen der öffentlichen Gesundheit einsetzt und sich auf die Politik im Zusammenhang mit der pharmazeutischen Industrie und dem geistigen Eigentum spezialisiert hat.

Sie hat als Beraterin für Regierungen, internationale Organisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft gearbeitet. Von 2009 bis 2012 war sie bei UNITAID tätig, um beim Aufbau des Arzneimittel-Patentpools zu helfen, der Medikamente in Entwicklungsländern verfügbar machen soll. Derzeit arbeitet sie als Forscherin in der Abteilung für öffentliche Gesundheit der Universität Groningen in den Niederlanden. Anlässlich der jüngsten Entwicklungen zwischen Costa Rica und der Weltgesundheitsorganisation baten wir sie, die folgenden Fragen zu beantworten.

Costa Rica machte einen sehr wichtigen Vorschlag, und die WHO scheint daran interessiert zu sein, ihn anzunehmen. Aus Ihrer Erfahrung mit dem medizinischen Patenpool, wie sollte Ihrer Meinung nach diese neue Körperschaft / dieses neue Gremium gebildet und geleitet werden?

Am vergangenen Freitag gab die WHO gemeinsam mit den Präsidenten von Costa Rica und Chile eine Vorankündigung der Pläne zur Einrichtung des Covid-19-Pools bekannt. Der offizielle Start ist für den 29. Mai vorgesehen. Die WHO wird und sollte die federführende Behörde sein, aber Dritte können wichtige Aufgaben übernehmen. Zum Beispiel kann der Arzneimittel-Patentpool, der eine große Erfolgsbilanz bei der Lizenzierung von Patenten vorzuweisen hat, auch hier diesen Teil übernehmen. Aber die WHO muss die Führung behalten, da es sich um eine globale Pandemie handelt, die mehr als Patentlizenzen erfordern wird. Der Pool sollte auch über Daten, Know-how, Wissen und Technologien verfügen, die für die Herstellung der derzeit in der Entwicklung stehenden Produkte benötigt werden.

Welche Art von strukturellen Veränderungen braucht die WHO, nachdem sie ihren Prozess inzwischen in Bezug auf Leitung, Finanzierung und Transparenz evaluiert hat, die es ihr erleichtern, eine globale Patentpool-Einheit oder globalere Anstrengungen bei der Suche nach Antworten auf künftige Pandemien oder vernachlässigte Todesfälle zu leiten?

Ich glaube nicht, dass die WHO dafür strukturelle Veränderungen braucht. Natürlich müssen noch viele Details geklärt werden, und die WHO wird dafür Ressourcen benötigen. Deshalb ist es auch wichtig, dass UNITAID den Vorschlag unterstützt.

Glauben Sie, dass die Zusage der Europäischen Kommission zu spät kommt? Wie könnten sich die Erklärungen von Macron, Merkel und anderen Staats- und Regierungschefs in der vergangenen Woche auf die Zukunft des Zugangs zu Medikamenten in der EU-Region auswirken?

Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Welt auf diesen Ausbruch nicht vorbereitet war. Ich halte es für sehr bedeutsam, dass führende Politiker*innen wie Macron und Merkel deutlich erklärt haben, dass niemand den Impfstoff besitzen kann. Sie wollen keine Monopole und benutzten den Begriff ‚Globales Gemeingut‘, als sie über einen Covid-19-Impfstoff sprachen. Aber Worte allein reichen nicht aus. Was sie jetzt tun müssen, ist, die Finanzierung von Forschung und Entwicklung an die Bedingung zu knüpfen, dass die Ergebnisse der Forschung mit dem Covid-19-Pool der WHO geteilt werden. Dafür gibt es jetzt ein kleines Zeitfenster. Die derzeit ausbrechenden Konflikte um mögliche Impfstoffe zeigen, wie wichtig das ist.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Elena Heim vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Gesundheit, International, Interviews
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