Welche Zukunft?

10.02.2020 - Berlin - Günter Buhlke

Welche Zukunft?
(Bild von Gerd Altmann auf Pixabay | CC0)

Bitte keine kommenden Zeiten, die von Abgeordneten und ihren Vorständen vom Typ „Weiter so“, bestimmt werden, die eher alten Tricksereien, wie beim Kohleausstieg, parat haben. Sie und ihre Rechtsanwälte werden munter, wenn es um Verzögerungen der rechtlichen Ahndung des Dieselskandals oder des Steuerbetrugs mit den Stichworten Panama Papiere oder Cum-Cum-Geschäfte geht. Rege sind sie, wenn sich Gelegenheiten bieten militärische Verantwortung im Ausland zu übernehmen, trotz Friedensgebot des Grundgesetzes. Posten in Brüssel zu besetzen, gehören zu solchen Gelegenheiten.

Die Umstände der letzten Tage in Thüringen und Berlin belegen, dass es diesen Typ von Politikern in schwarzer und dunkelgelber Farbe gibt. Bei den blaugefärbten sind noch bösere Defekte zu erkennen. Undemokratische Fraktionszwänge, Listenwahlrechte und Vorstandsstatuten sowie der Gruppenegoismus sind ihre Markenzeichen.

Die ernsthafte Beantwortung der Eingangsfrage sollte mit dem Versuch verbunden sein, das Zukunftsbild, das wir alle in unseren Köpfen tragen, in helleren Farben zu denken. Auch an humane Alternativen in Politik und Wirtschaft.

Diese Fragestellung begleitet den Homo Sapiens seit den Anfängen seiner Geschichte. Sie steht bei allen bedeutsamen Wegscheiden. Bei der Geburt eines Kindes, bei Schulanfängen oder Beginn eines Studiums. In anhaltenden Krisenzeiten wird häufiger über Auswege nachgedacht. In der letzten Zeit gab es viele Anlässe an das Morgen zu denken. Gerät die Natur aus ihren Balancen? Wie entwickelt sich die Arbeitswelt in den Zeiten des Kohleausstieges, der Digitalisierung oder einer künstlichen Intelligenz? Wie entwickeln sich die Fluchtbewegungen bei anhaltenden Kriegen und Hungersnöten in den Entwicklungsländer Afrikas und Lateinamerikas?

Die Politiker werfen mit großen Zahlen um sich, bewirken aber wenige substanzielle Veränderungen in den Problembereichen. Sie haben wohl hauptsächlich ihre Wiederwahl im Blick, wie es auch in Thüringen den Anschein hat.

Die christliche Religion löste früher die Zukunftsängste der Menschen einfacher: Alles, auch Probleme, sind gottgewollt. Wer immer brav handelt, gelangt in das himmlische Paradies. Wer nicht, in die Hölle. Dante Alighieri beschreibt die Wege im Roman „Die Göttliche Komödie“ ausführlicher. Die Religion verlagerte die Zukunft in das ungewisse Morgen.

Der heutige, aufgeklärte Mensch aber möchte schon zu seinen Lebzeiten ein würdiges Leben auf Erden verbringen. Er muss sich daher anstrengen, die Ursachen seiner Problemlagen zu erkennen und aktiv zu Lösungen beitragen.

Einige Ursachen der Probleme, wie die Missachtung der Verantwortung des privaten produktiven Eigentums, sind dank, Thomas Morus, J.J. Rousseau, Karl Marx und vielen anderen Denkern, bekannt. Heutige Lösungsansätze werden von Mächten des Kapitals mit ihren komplizierten administrativen Strukturen und verbundenen Medien verhindert.

Die Lebensverhältnisse des modernen Lebens sind kompliziert und schwer zu überblicken. Das Grundgesetz, die Verfassung in Deutschland, beschreibt sie nur in groben Thesen. Details werden in Folgegesetzen formuliert, deren Inhalt in geschönte Worte gesetzt, dennoch schwer lesbar sind. Die Gesetzesinhalte sind oft für andere gedacht. Viele Denker sind überzeugt, dass die Probleme der modernen Zeit mit der Logik des Kapitals und dem Gruppenegoismus der Besitzer zusammenhängen.

Die Zeit und die Umstände sind seit langem reif, die Verhältnisse und Gesellschaftsordnungen in humanitärer Art anzupassen und mit Belangen globalen Welt neu zu regeln.

Deutschland hat bereits unterschiedliche Ordnungsverhältnisse erlebt, die ihrer Zeit entsprachen. Monarchien, Diktaturen, verschiedene Formen der republikanischen Demokratie. In anderen Ländern werden Alternativen seit vielen Jahren praktisch experimentiert, so in China und Lateinamerika. In Deutschland werden sie meist hinter verschlossen Türen debattiert, auch in der rechten nationalen Ecke. Die „Weiter so“ Parteien bestehen auf einen Status quo. Sie haben Mechanismen entwickelt und Allianzen im Denken geschaffen. So ist es schwer Veränderungen im realen Ablauf einer Wahlperiode zu erwarten.

Und doch hält die Geschichte Beispiele bereit, dass selbst scheinbar zementierte Verhältnisse Veränderungen erfahren haben. Allgemeine Umstände verändern sich und Symbolfiguren wie Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Ernesto Che Guevara haben geholfen. Der Souverän, das Volk, hat Ideen der Denker aufgenommen. Der Feudalismus wurde überwunden, wie auch der Kolonialismus und Faschismus. Dennoch gibt es Antisemitismus, Rassismus, Völkerhass in der Gegenwart.

Eine soziale und ökologische Neuordnung der Gesellschaft wird durch das gegenwärtige Ringen um die Zukunft mit Unterstützung roter, grüner Kräfte und vernunftbegabter Unternehmer vorangetrieben. Der katholische Papst Franziskus I. stuft die Wirtschaft des Kapitalismus als tödlich ein und verurteilt den Wettlauf um das goldene Kalb. Der Humanismus braucht mehr als nur den Wert des Geldes.

Die Wählerschaft in unserer Demokratie hat es schwer Entscheidungen zu treffen. Parteiprogramme formulieren Ziele für Zeitepochen. Die ersten drei Sätze des Ahlener Programm der CDU nach dem 2. Weltkrieg vom 3. Februar 1947 lauten beispielsweise: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen nicht gerecht geworden. … es kann nur eine Neuordnung von Grund auf erfolgen. … es kann nicht mehr das kapitale Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein.“ Diese Partei hat heute ein anderes Verständnis.

Wahlprogramme fokussieren auf Stimmengewinne, von denen auch die Parteifinanzen abhängen. In der Meinungsbildung wird viel Rauch geblasen.

Für nachhaltige Veränderung wird wohl als erster Schritt das Stimmverhalten des Volkes entscheidend sein und danach die Ausbalancierung der Macht, nach dem Willen der demokratischen Mehrheit.

Das kapitalistische System hatte etwa 500 Jahre Zeit zum Experimentieren. Es hat großartige technologische Ergebnisse erreicht. Das Gesamtresultat aber stellt die Gesellschaft der Gegenwart ökologisch und sozial vor große Probleme. Globale Zusammenhängen können nicht unbeachtet bleiben. Den ungeheuren Kapitalsummen auf den Konten kleiner Gruppen z.B. der BlackRock von Friedrich März, stehen Billionen schwere Staatsverschuldungen gegenüber. In Deutschland beträgt die Staatsschuld per 31.12.2019 um 2 Billionen Euro (2.000.000.000.000 €).

Mit Vernunft und Toleranz sollte am Beginn des 21. Jahrhundert weiter über die gegenwärtige Ordnung in der Gesellschaft nachgedacht werden. Orientierungen sind von der Wissenschaft und von kompetenten Politikern erwartbar.

Die Zeit der Entscheidungen über ökologische und sozialverträgliche Alternativen ist überschritten. Auch im schönen Thüringen.

Kategorien: Europa, Meinungen, Politik
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