Raffaele Cirone: Bienen & Klima und welchen Einfluss sie auf unser Leben haben

20.05.2018 - Pressenza Muenchen

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Raffaele Cirone: Bienen & Klima und welchen Einfluss sie auf unser Leben haben
(Bild von worpsweder-imkerei.de)

Heute, am 20. Mai 2018, findet zu ersten Mal der Weltbienentag statt. Er wurde auf Betreiben Sloweniens durch die Vereinten Nationen im Dezember 2017 ausgerufen, um auf das Bienensterben aufmerksam zu machen. Nach Angaben des Weltrats für Biologische Vielfalt sorgen Bienen und andere Insekten mit ihrer Bestäubung jedes Jahr weltweit für Nahrungsmittel im Wert von bis zu rund 500 Milliarden Euro. Ihr Beitrag zu einem funktionierenden Ökosystem ist jedoch unbezahlbar.

Anlässlich des ersten Weltbienentages publizieren wir die Videobotschaft von Raffaele Cirone, Präsident des italienischen Imkerverbandes und italienischer Vertreter bei APIMONDIA, internationale Vereinigung der Imkerverbände, die beim Europäischen Humanistischen Forum 2018 in Madrid im Arbeitsbereich „soziale Ökologie“ ausgestrahlt wurde:

 

Hallo zusammen, wir befinden uns in der Gegend der Castelli Romani im Süden Roms. Ich habe meine Bienen hier und züchte sie zusammen mit meinem Freund und Mitarbeiter Marco Brunelli, der das genauso leidenschaftlich tut wie ich. Wir hatten als Kinder das große Glück, diese Leidenschaft von der älteren Generation zu erben, von den Menschen, die damals die Bienen aufgezogen und sie beschützten, um während der Wintersaison ein so nahrhaftes, so gesundes und so geheimnisvolles Lebensmittel zu erhalten: den Honig.

Hier im Bereich der Castelli Romani haben wir einen Lebensraum mit besonderem Klima. In diesem Bienenstock des italienischen Imkerverbandes erhalten und züchten wir die sogenannte Italienische Biene, Apis mellifera ligustica, die 1806 vom Naturforscher Massimiliano Spinola entdeckt wurde. Warum erzähle ich das? Weil es ein Schatz ist, der weltweit einzigartig ist, da diese wichtige Unterart auf allen Kontinenten und auf dem ganzen Planeten verbreitet ist.

Die Honigbiene ist überall auf der Welt in jedem Klima und unter verschiedenen Bedingung präsent, weil der Mensch sie dorthin transportieren kann, wo es Siedlungen gibt, dort, wo es Blüten gibt, dort, wo es Nektar und Pollen gibt, die die Rohstoffe des Bienenstocks darstellen. Der Nektar, der aus den Blüten kommt, sichert die Kalorienzufuhr des Bienenstocks und der Pollen hingegen versorgt die Kolonie mit pflanzlichem Eiweiß. An diesen beiden Rohstoffen, dieser beiden natürlichen Vorkommen, besteht ein enormer Bedarf, auch für uns Menschen, und im Bezug auf den Klimawandel wird hier die Partie, das Spiel des Lebens gespielt, zuerst von den Bienen und dann von uns allen, von uns Imkern und von der Menschheit.

Deshalb ist es heutzutage extrem wichtig, mit Bienenstöcken nicht nur zu produzieren, sondern auch zu konservieren, zu erhalten, denn wir brauchen diese biologische Ressource, dieses grundlegende Element der biologischen Vielfalt. Wenn man darüber nachdenkt, hat die Biene nicht die nur die Aufgabe, Honig zu produzieren, den der Mensch dann essen und als Heilmittel nutzen kann, sondern hauptsächlich die lebenswichtige Funktion, Blüten von Pflanzen zu bestäuben, die dann unsere Nahrung liefern. Wenn es keine Bienen, und im Besonderen die Honigbienen gäbe, hätten wir nicht genug zu essen.

Warum sagen wir Euch das? Weil wir diesen Aspekt unterstreichen wollen, weil heutzutage nützliche Insekten und Bestäuber überall auf der Welt vom Aussterben bedroht sind. Der Druck durch den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft, der Klimawandel und auch unsere Lebensweise reduzieren alle die spontane Bestäubung durch diese Populationen drastisch, und deshalb wird die Erhaltung der Honigbiene in im Kontext des Artensterbens zu einer Strategie von grundlegender Bedeutung und mit langfristiger Perspektive. Und deshalb muss auch unsere Hauptaufgabe als Imker heute überprüft und neu überdacht werden.

Wir sind diejenigen, die die Honigbiene, insbesondere die italienische Honigbiene, schützen und erhalten müssen, damit sie für künftige Generationen lebendig, vital und effizient bleibt. Das ist unsere Aufgabe. Und im Zusammenhang mit dem Klimawandel sollten wir alle, Ihr alle, aktiv werden, wenn Euch die Idee gefällt, uns Imkern bei diesem Engagement zu helfen.

Welche Maßnahmen sind also zu ergreifen? Das Wichtigste ist, dafür Sorge zu tragen, dass in Zeiten des Klimawandels wieder mehr Blüten zur Verfügung stehen, denn das große Problem ist, dass die meteorologischen Veränderungen das Überleben der Bienen immer schwieriger machen. Es wird schwieriger, Nektar zu finden. Es wird komplizierter, Pollen zu finden.

Was können wir, was müssen wir also tun? Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass Honigbienen auch heute unter dem Einfluss des Klimawandels immer und überall Blumen, Nektar und Pollen finden: ein Blumentopf auf dem Balkon, eine kleine Ecke im Garten, ein Stück Land, das in Eurem Dorf oder in der Stadt, in der Ihr lebt, unbebaut geblieben ist.

Jeder dieser Räume kann ein Ort sein, an dem Honigbienen Unterschlupf finden, eine nützliche Nahrungsquelle haben. So werden sie durch Bestäubung einen wertvollen Dienst für die biologische Vielfalt in Städten, ländlichen Gebieten und Naturschutzgebieten leisten, aber vor allem werden sie trotz der Klimaveränderungen, die wir erleben, Nahrung zum Überleben finden. Es reicht, eine kleine Liste von Blumen und Pflanzen zusammenzustellen, die in der Umgebung, in der Ihr Euch befindet, natürlich vorkommen, und sie anzupflanzen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, einen Imker zu „adoptieren“, also ihm Land für seine Bienen zur Verfügung zustellen. Sucht einen Imker in Eurer Nähe und teilt seine Probleme, seine Sorgen, aber auch seine wertvollen Ressourcen, die so letztendlich der ganzen Gemeinschaft des Planeten Erde zur Verfügung gestellt werden.

Vor einigen Tagen haben wir den Welttag der Erde gefeiert, bald werden wir den Welttag der Bienen feiern. Dieser wichtigen Dinge sollte nicht nur einmal im Jahr gedacht werden, wir sollten sie jeden Tag feiern und uns an das erinnern, was schon die Indianer von Amerika sagten: „Wenn wir keinen Baum mehr haben, der Früchte trägt, wenn wir keinen Fluss mehr haben, aus dem wir trinken können, dann werden wir erkennen, dass man Geld weder essen noch trinken kann.“

Lasst uns darüber nachdenken und gemeinsam sicherstellen, dass unsere Zukunft eine Zukunft sein wird, die reich an Honigbienen ist, und wenn möglich reich an Apis mellifera ligustica, denn sie ist die Bienenart, die sich am besten an den Klimawandel anpassen kann.

 

Weitere Infos zur Italienischen Honigbiene (Apil mellifara ligustica):

http://www.bienenzuchtverein-sulzbach-rosenberg.de/1782171.html

https://www.kvarnhult.de/italienische-bienen-apis-mellifera-ligustica-und-vsh-ligustica/

 

Kategorien: Europa, Humanismus und Spiritualität, Ökologie und Umwelt
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