Zweiter weltweiter Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit: die Kraft des Mitgefühls ausbauen

16.04.2018 - Silvia Swinden

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch verfügbar.

Zweiter weltweiter Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit: die Kraft des Mitgefühls ausbauen
(Bild von World without Wars and Violence: Rafael de la Rubia in den USA während des ersten weltweiten Marsches für Frieden und Gewaltfreiheit)

Im Zuge der Vorbereitungen für den zweiten weltweiten Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit besucht Rafael de la Rubia, Gründer von World without Wars and Violence (Welt ohne Kriege und Gewalt), zur Zeit verschiedene Länder und Organisationen, um den Marsch zu einem riesigen Event auszubauen und dadurch weltweit ein Bewusstsein für Gewaltfreiheit zu schaffen. Während seines Besuchs in Indien führte die Zeitung ‘The Hitavada’ ein Interview mit ihm, in dem er die Notwendigkeit unterstreicht, die Kraft des Mitgefühls zu stärken und auszubauen.

Können Sie sich kurz selber beschreiben und welche Erfahrungen Sie als Weltfriedensaktivist gemacht haben?

Ich habe als Weltfriedensaktivist in über 60 Ländern von Amerika über Europa bis nach Asien gearbeitet. Als einer der Gründer der internationalen Organisation „Welt ohne Kriege und Gewalt“ und als Urheber und Pressesprecher des weltweiten Marsches für Frieden und Gewaltfreiheit bin ich seit 35 Jahren aktiv im Bereich Gewaltfreiheit tätig.

Zudem bin ich Präsident des „Humanist Forum of Educators“ (Humanistischen Forums für Erziehung), das die Entwicklung von Methodologien für eine gewaltfreie Erziehung verfolgt, sowie Koordinator des „Forum for Nuclear Disarmament of the Mediterranean“ (Forum für nukleare Abrüstung im Mittelmeerraum) und habe bei internationalen Seminaren mitgewirkt, um das Verständnis, die Entwicklung und die Umsetzung eines neuen Humanismus zu fördern, der sich auf weltweite Abrüstung konzentriert. Meine Tätigkeit ist also vielfältig, verbunden mit zahlreichen Herausforderungen und war wirklich großartig bis jetzt. Ich habe auch Bücher zum Thema geschrieben, darunter „Introduction to a Universal Humanism“ (Einführung zum universalen Humanismus) und „Reconciliation for a World Without Wars“ (Versöhnung für eine Welt ohne Kriege).

Sind Sie zum ersten Mal zu Besuch in Madhya Pradesh? Und wofür steht die Organisation „Welt ohne Kriege und Gewalt„?

Welt ohne Kriege und Gewalt“ ist eine internationale humanistische Organisation, die Teil der humanistischen Bewegung ist. Sie nimmt einen besonderen beratenden Status innerhalb des Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen ein. Die Organisation wurde 1994 gegründet und wir sind in über 30 Ländern aktiv, auch in Indien. „Welt ohne Kriege und Gewalt“ ist eine soziale Bewegung, deren Ziel die Schaffung eines weltweiten Bewusstseins für Gewaltfreiheit ist.

In Madhya Pradesh bin ich zum ersten Mal und ich erlebe die Menschen hier als sehr kooperativ und energiegeladen. Wir sollten die Energie der Jugend mobilisieren, um die Friedensbemühungen zu verstärken. Dazu müssen wir aber ihren Intellekt miteinbeziehen und ihr Verständnis für die Kraft von Frieden vertiefen, um einen echten Wandel herbeiführen zu können. Unser Hauptanliegen es also, eine Strategie zur Mobilisierung der Jugend zu entwerfen und diejenigen gesellschaftlichen Bereiche zu identifizieren, in denen die Arbeit mit Jugendlichen für humanitäre Zwecke in Betracht gezogen werden kann.

Am 2. Oktober 2018 wird in Neu Delhi ein weltweiter Marsch für Frieden starten. World Without Wars wird dieses Großereignis zusammen mit Ekta Parishad unter dem Aktivisten Rajagopal PV für Gewaltfreiheit nach Gandhi lancieren. Der Marsch wird sich auf die Unterstützung und den Schutz von marginalisierten Bereichen konzentrieren, der Höhepunkt wird die Ankunft in Genf beim Hauptquartier der Vereinten Nationen sein.

Was hat Sie in Indien und in Madhya Pradesh im Besonderen am meisten beeindruckt?

Die Not hat mich am meisten bewegt. Aber auch die Tatsache, dass die Sprache, die Kultur und die Traditionen in den einzelnen Gegenden sehr unterschiedlich sind. Wegen der Kürze des Besuchs ist es aber schwierig, über die Besonderheiten und Charakteristika der Region zu sprechen. Meine vorangegangenen Aufenthalte beschränkten sich eher auf große Städte wie Delhi oder Mumbai.

Wie ist die allgemeine öffentliche Meinung über Indien in Ihrem Heimatland Spanien?

In Spanien hat man viel Respekt vor den Werten Gandhis und speziell in Konfliktzonen orientiert man sich an Indien und Mahatma Gandhis Prinzipien der Gewaltfreiheit zur Lösung von Konflikten. In unserer Organisation fördern wir Kampagnen auf internationalem Niveau wie zum Beispiel Europe for Peace (Europa für Frieden), Mediterranean without Nuclear Weapons (Mediterraner Raum ohne Atomwaffen) und Latin America Free of Wars (Lateinamerika ohne Kriege). In all diesen Kampagnen werden auf deren internationalen Plattformen immer die Vorbilder aus Indien wie Mahatma Gandhis Vision für Frieden thematisiert und diskutiert.

Der weltweite Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit kommt zu einer Zeit, in der Entmenschlichung in jedem Bereich der Gesellschaft immer weiter voranschreitet, überall auf der Welt. Gleichzeitig suchen die Stimmen der Nächstenliebe und des Mitgefühls immer mehr nach Ausdruck, obwohl auch klar ist, dass sie in den Leitmedien nur wenig Gehör finden. Eine Ausnahme ist der Artikel „The cult of being kind“ (etwa: „Der Kult der Nächstenliebe“) von Eva Wiseman, erschienen im Guardian. Deshalb ist es auch so wichtig, dass der weltweite Marsch für Frieden als Sprachrohr für diese Stimmen fungiert, für eine wahrhaftige Revolution gesellschaftlicher Werte mit dem Ziel, den Mensch anstatt das Kapital in den Mittelpunkt zu stellen.

Übersetzung aus dem Englischen von Evelyn Rottengatter

Kategorien: Frieden und Abrüstung, Gewaltfreiheit, International, Interviews
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