Von PROVIEH e.V.

Morgen entscheidet die SPD- Bundestagsfraktion über ihre parteiinterne Linie beim Thema betäubungslose Ferkelkastration. PROVIEH fordert in einem gemeinsamen offenen Brief mit acht weiteren Verbänden die SPD-Abgeordneten auf, das Leid der Ferkel fristgerecht zum Jahresende zu beenden. Obwohl es praktikable Alternativen gibt, möchte die große Koalition mit einer Fraktionsinitiative die betäubungslose Ferkelkastration um zwei weitere Jahre verlängern.

Gemeinsamer offener Brief

In dem Brief fordern die Tier-, Verbraucher-, und Umweltschutzverbände die SPD-Abgeordneten gemeinsam auf, Ende November im Bundestag mit einem klaren Nein gegen die geplante Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zu stimmen.

Dazu Jasmin Zöllmer, Referentin für Agrarpolitik von PROVIEH: „Eine Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration wäre verfassungswidrig! Es sind genügend praxistaugliche Alternativen verfügbar. Wir appellieren an die Abgeordneten, eine klare Haltung einzunehmen und die gesellschaftliche Forderung nach einem Ende des Ferkelleids ernst zu nehmen.“

„Jetzt ist es an der SPD zu entscheiden, ob diese völlig ungerechtfertigte Tierquälerei weitergeht“, ergänzt Konstantinos Tsilimekis, Geschäftsleiter der Albert Schweitzer Stíftung. „Nicht erst die letzten Landtagswahlen zeigen, dass vielen Menschen der Tierschutz zunehmend wichtig ist. Der SPD wird es nicht helfen, sich dem Willen von Agralobby und CDU unterzuordnen.“

Das Leid der 20 Millionen betäubungslos kastrierten Ferkel pro Jahr muss ein Ende haben – darüber sind sich die Unterzeichner des Briefes einig: Die Verbände Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Bundesverband Tierschutz, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Deutscher Naturschutzring, Deutscher Tierschutzbund, Greenpeace, PROVIEH, Verbraucherzentrale Bundesverband und VIER PFOTEN fordern ein fristgerechtes Ende der betäubungslosen Ferkelkastration bis zum 31. Dezember 2018, so wie es das Gesetz bislang vorsieht.

Hintergrund

Die betäubungslose Ferkelkastration ist ein schmerzvoller Eingriff in die Unversehrtheit der Tiere. Der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration wurde bereits 2013 im Tierschutzgesetz beschlossen. Das offizielle Ende ist für den 31. Dezember 2018 vorgesehen. Der Versuch einzelner Bundesländer, diese Frist zu verlängern, ist bereits im Bundesrat gescheitert. Nun will die große Koalition die Verlängerung der Frist kurz vor dessen Ablauf doch noch über eine Fraktionsinitiative erreichen.

Alternativen wie die Ebermast und die Immunokastration sind längst vorhanden und praxisreif. Der sogenannte „vierte Weg“ (Lokalanästhesie durch den Landwirt) ist aus Sicht der Verbände eine Verschlechterung für die Ferkel und daher keine Alternative.

Presse-Event

Um die Forderung zu unterstreichen, wird die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt morgen vor der SPD-Parteizentrale von 10:00 bis 12:00 Uhr mit einer riesigen Schweineattrappe auffahren. Als Vertreter der großen Koalition und der Agrarlobby verkleidet nehmen die Tierschützer dort eine symbolische Ferkelkastration vor.

Der Originalartikel kann hier besucht werden