Seit dem ersten „Tag der Erde“ im Jahr 1970 haben sich eine Milliarde Menschen engagiert, um durch die Zusammenarbeit mit 150.000 Partnern in über 192 Ländern positive Maßnahmen für unseren Planeten voranzutreiben. Der Aufruf zum Handeln (von den Organisator:innen von earth.org) am Tag der Erde 2026 lautet:

„Unsere Welt braucht einen grundlegenden Wandel. Es ist an der Zeit, dass die Welt die verschiedenen Sektoren für ihre Rolle in der Umweltkrise zur Rechenschaft zieht und gleichzeitig mutige, kreative und innovative Lösungen fordert. Dies erfordert Maßnahmen auf allen Ebenen, von der Wirtschaft und Investitionen bis hin zu Stadt- und Landesregierungen. Hier kommen Sie ins Spiel: Als Einzelperson haben Sie als Konsument, Wähler und Mitglied einer Gemeinschaft, die sich für den Wandel vereinen kann, echte Macht und Einfluss. Unterschätzen Sie Ihre Macht nicht. Wenn Ihre Stimme und Ihr Handeln mit Tausenden oder Millionen anderen weltweit vereint sind, schaffen wir eine Bewegung, die inklusiv, wirkungsvoll und unübersehbar ist.“

Es ist erschreckend, dass die gemeinsamen Aktionen von etwa einem Achtel der heutigen Weltbevölkerung, die diese Überzeugung teilen, die faktische Verschärfung von Umweltverschmutzung, Zerstörung und Klimakatastrophen nicht verhindern konnten.

Individuelles Handeln angesichts der miteinander verknüpften Krisen von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung ist zwar wichtig, doch die Verantwortung zum Handeln ist ungleich verteilt. Extreme Machtungleichheit und fehlerhafte Systeme führen die Ausbeutung und Zerstörung von Umwelt und Mensch fort. Anstatt die Schwächsten und ihre Unterstützer mit Forderungen nach Veränderungen ihres Lebensstils, ihrer Infrastruktur und ihrer Lebensgrundlagen zu belasten, müssen wir diejenigen, die die Hauptverantwortung tragen, zum Handeln aufrufen.

Zu den Hauptverantwortlichen zählen zum einen große internationale Unternehmen, die uns zum Beispiel fossile Energie verkaufen, Agribusiness, das zum Beispiel auf Kosten von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden, mit immensem Wasseraufwand Mais, Weizen, Avocados oder Blaubeeren produziert, Transportunternehmen, die an der langen Lieferkette verdienen und viele mehr. Zum anderen sind es Menschen mit hohem Einkommen, da 50 % der globalen Emissionen von den einkommensstärksten 10 % und 16 % von den einkommensstärksten 1 % verursacht werden (Oxfam 2025).

Auch das Militär trägt Verantwortung, insbesondere in Zeiten zunehmender Kriege und Zerstörung. Mindestens 5 % der globalen Emissionen werden vom Militär verursacht; das schließt nicht einmal die gegenwärtigen Kriege ein. Am 26. März 2026 lassen uns Wissenschaftler:innen wissen, dass sich zum Beispiel die Gesamtemissionen des Israel-Gaza-Krieges bislang auf 33,2 Millionen Tonnen belaufen. Die Emissionen des offenen Konflikts überstiegen 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Sie fordern, dass militärische Emissionen zumindest verpflichtend gemeldet werden müssten, um Schutzmaßnahmen auf den Klimakonferenzen angemessen beschließen zu können.

1994 initiierten Maurice Strong (Generalsekretär des Erdgipfels von Rio) und Michail Gorbatschow über ihre jeweiligen Organisationen (Earth Council bzw. Green Cross International) mit Unterstützung der niederländischen Regierung die Entwicklung einer Erdcharta als zivilgesellschaftliches Projekt. Nach zahlreichen Entwürfen und unter Berücksichtigung der Beiträge von Menschen aus allen Regionen der Welt erzielte die Erdcharta-Kommission im März 2000 bei einem Treffen im UNESCO-Hauptquartier in Paris einen Konsens über die Erdcharta. Die Erdcharta wurde am 29. Juni 2000 in einer feierlichen Zeremonie im Friedenspalast in Den Haag, Niederlande, offiziell in Kraft gesetzt. Zum Thema Frieden drückt sich der zivilgesellschaftliche weltweite Wille folgendermaßen aus, eindeutig ein Postulat, das die Verantwortung der Herrschenden, der Volksvertreter:innen betont:

„Eine Kultur der Toleranz, der Gewaltlosigkeit und des Friedens fördern. Umfassende Strategien zur Vermeidung gewaltsamer Konflikte umsetzen und kollektive Wege zur Problembewältigung nutzen, um ökologische und andere Konflikte anzugehen und zu lösen. Nationale Sicherheitssysteme auf ein nicht bedrohliches Verteidigungsniveau abrüsten und die Umwandlung militärischer Einrichtungen für friedliche Zwecke, einschließlich ökologischer Wiederherstellung, fördern. Nukleare, biologische und chemische Waffen sowie andere Massenvernichtungswaffen vollständig beseitigen. … Anerkennen, dass Frieden die Gesamtheit dessen ist, das geschaffen wird durch rechte Beziehungen zu sich selbst, zu anderen Personen, anderen Kulturen, anderen Lebewesen, der Erde und dem größeren Ganzen, zu dem alles gehört.“

Werfen wir einen Blick auf einige Vorschläge für den Tag der Erde 2026:

Gemeinschaftliche Aufräumaktionen: Während Anwohner:innen Müll in ihren Vierteln einsammeln (Plastiktüten, Zigarettenkippen oder Hundekot), versprüht die Agrarindustrie Pestizide und verwendet chemische Düngemittel, die in Boden und Wasser gelangen und langfristig Flora, Fauna und die menschliche Gesundheit schädigen. Konzerne betreiben Rohstoffabbau und Produktionsmethoden, die Landschaften zerstören und Flüsse und Seen austrocknen.

Ruanda setzt ein einzigartiges Beispiel – dort ist die Verwendung von Plastikverpackungen gänzlich und bei Strafe verboten.

Baumpflanzungen: Zahlreiche Initiativen haben weltweit Bäume gepflanzt, von Stadtgärten auf Dächern bis zur Großen Grünen Mauer, die sich von Senegal bis Äthiopien erstreckt, von Tourist:innen, die einen Baum pflanzen, um ihre Flugemissionen auszugleichen, bis hin zu Milliarden von Bäumen im Rahmen des Drei-Nord-Schutzwaldprogramms in China. Doch die gezielte Abholzung von Bäumen für den Rohstoffabbau und die Agrarindustrie wurde damit nicht berührt – und der enorme Unterschied im Wert der Biodiversität zwischen neu gepflanzten Bäumen und einheimischen, uralten Wäldern mit ihren lebendigen Ökosystemen wird nicht anerkannt. Die Produktion von Konsumgütern wie Sojabohnen, Palmöl oder Rindfleisch ist für 80 % der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Die FAO gab 2020 an, dass jährlich 10 Millionen Hektar Wald zerstört werden, davon ein Drittel Primärwälder. Gleichzeitig hat sich die weltweite Umwelt so stark verschlechtert, dass Brände außer Kontrolle geraten und weitere Zerstörungen anrichten. Viele privatwirtschaftliche oder staatliche Baumpflanzungen sind obendrein Monokulturen von gewinnbringenden Nutzhölzern.

Die Auswirkungen von Kriegen auf Landnutzung und Biodiversität erfordern deutlich umfassendere Forschung. In den ersten beiden Jahren des Ukraine-Krieges (2022–2023) wurden fast 1.600 Quadratkilometer Wald zerstört.

In den besetzten palästinensischen Gebieten (Westjordanland), Heimat von über 10 Millionen Olivenbäumen, wurden seit Beginn der Besatzung 1967 etwa eine Million Olivenbäume vernichtet und der palästinensischen Bevölkerung wurde damit ihre Lebensgrundlage geraubt. Im Gazastreifen haben die anhaltenden israelischen Bombenangriffe bereits 95 % des landwirtschaftlich nutzbaren Landes, inklusive Olivenbäume, vernichtet. Die militärischen Aktivitäten führen zur Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft und machen Gaza unbewohnbar (für Fauna, Flora, Artenvielfalt und Menschen) – ein Prozess, der als Ökozid bezeichnet werden kann. Er wird die Aufforstungsbemühungen für kommende Generationen zunichtemachen und den andauernden Völkermord verschärfen.

Die rechtliche Anerkennung der Rechte der Natur gewinnt jedoch an Bedeutung. Ecuador ist ein einzigartiges Beispiel: Seit 2008 garantiert Artikel 71 der Verfassung der Natur (Pacha Mama) das Existenzrecht. Dieses Recht kann von jeder Nichtregierungsorganisation vor Gericht verteidigt werden und hat bisher die Eröffnung einer weiteren Goldmine auf indigenem Land verhindert.

Friedliche Demonstrationen: Im September 2019 beteiligten sich zwischen sechs und acht Millionen Menschen an einem weltweiten Klimastreik, initiiert von Fridays for Future, 350.org und zahlreichen anderen Umweltorganisationen. Friedlich, farbenfroh, enthusiastisch.

Doch diese Bewegung konnte keine nennenswerten Maßnahmen im Spannungsfeld von Klima und Frieden unter den 195 Vertragsparteien anstoßen, die 2015 das rechtsverbindliche internationale Klimaabkommen, das Pariser Abkommen, beschlossen hatten. Im Gegenteil: Diejenigen, die den größten Anteil der CO₂-Emissionen verursachen, haben ihre Militarisierung verstärkt und setzen ihre Waffen heute in den verheerendsten Kriegen in der Ukraine, im Sudan und in Westasien ein. Friedliche Demonstrationen stehen gewaltsamer Zerstörung und sogar Völkermord gegenüber.

Jahr für Jahr streiten die Vertragsparteien über die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen, ziehen aber nicht einmal in Erwägung, Militärausgaben für den Naturschutz und den Schutz der von Katastrophen bedrohten Menschen umzuleiten – wie es friedliche Demonstrant:innen Jahr für Jahr vor den Türen von Klimakonferenzen fordern. Während die Mächtigen die Emissionsminimierung im Blick haben, setzt Zivilgesellschaft (darunter viele im Globalen Süden, die akuten und existenziellen Klimarisiken ausgesetzt sind) ein Beispiel, indem sie Klimagerechtigkeit im Übergangsprozess fördern und einfordern.

Ein bemerkenswerter Erfolg ist die Aufnahme einer entsprechenden Formulierung in das Abschlussdokument der letzten Klimakonferenz 2025 in Belém/Brasilien. Zurzeit konzentrieren sich zivilgesellschaftliche Organisationen zusammen mit Staaten wie Kolumbien oder den Niederlanden auf den Abschluss eines Vertrags, der fossilen Brennstoffen ein Ende setzt, und kämpfen erneut darum, die für Militär und Kriege verwendeten fossilen Brennstoffe einzubeziehen. Vom 28. bis 29. April 2026 findet dazu die erste Konferenz zum Übergang weg von fossilen Brennstoffen in Santa Marta/Kolumbien statt.

Fazit: Die Teilnahme an Aktionen zum Tag der Erde, wie das Pflanzen eines Baumes oder das Aufräumen der Nachbarschaft mit Freund:innen, bietet viele Vorteile – von der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls bis zur Sensibilisierung. Lasst uns aber auch gemeinsam die systemischen Ursachen identifizieren und bekämpfen! Vor allem Kriege kosten uns die Erde!

Beteiligt euch an den globalen Aktionstagen gegen Militärausgaben, 10. April bis 9. Mai 2026!

Unterstützt den Vertrag über fossile Brennstoffe!

Schließt euch NGOs wie der internationalen Frauenliga WILPF an, die sich (in diesem Fall zusätzlich aus feministischer Sicht) für Klimagerechtigkeit einsetzen, um Gelder von Militärausgaben in Klimaschutzlösungen umzuleiten!

https://www.wilpf.org/earth-day-2026-fix-the-system-not-the-symptoms/