Genau an dem Tag, als der Dokumentarfilm Disunited Nations in 122 italienischen Kinos lief und 10.000 Zuschauer anzog, hat der französische Außenminister Barrot den Rücktritt von Francesca Albanese gefordert und ihr wegen einer Äußerung, die im Video des von Al Jazeera organisierten Forums gar nicht vorkommt, Antisemitismus vorgeworfen.
Der Vorwurf lautet nämlich, Israel als „gemeinsamen Feind der Menschheit“ bezeichnet zu haben. Francesca Albanese hat sich jedoch wie folgt geäußert:
„Die Tatsache, dass die meisten Länder Israel nicht gestoppt, sondern bewaffnet, ihm politische Ausreden, politischen Schutz sowie wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung gegeben haben, ist eine Herausforderung. Das Völkerrecht wurde zwar ins Herz getroffen, aber es stimmt auch, dass die Weltgemeinschaft noch nie zuvor die Herausforderungen bemerkt hatte, denen wir alle gegenüberstehen. Wir, die wir nicht so viel Geld, Algorithmen und Waffen kontrollieren, sehen jetzt, dass wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben. Der gemeinsame Feind der Menschheit ist das System, das den Völkermord in Palästina möglich gemacht hat, einschließlich des Kapitals, das ihn finanziert, der Algorithmen, die ihn verschleiern, und der Waffen, die ihn ermöglichen.
Gemeinsam mit der Europaabgeordneten Cecilia Strada, zusammengeschaltet mit den 122 Kinosälen, wo der Dokumentarfilm gezeigt wurde, hat die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete in ihrem gewohnt direkten und leidenschaftlichen Ton auf die Vorwürfe des französischen Ministers reagiert, denen sich viele Vertreter der italienischen Rechten prompt angeschlossen haben.
„Ich erwarte, dass sich der Minister entschuldigt, weil er was Falsches gesagt hat. Wenn er das nicht tut, ist das böswillig. Es gibt eine Organisation, deren Aufgabe es ist, die israelische Apartheid zu verteidigen; diese hat ein manipuliertes Video verbreitet, das dann korrigiert wurde. Ich kann nicht glauben, dass der Außenminister das gesehen hat statt meiner Antwort. Er hat mich des Antisemitismus bezichtigt und meinen Rücktritt gefordert, weil ich etwas gesagt haben soll, was ich nicht gesagt habe – nämlich, dass Israel ein Feind der Menschheit sei. Das ist doch verrückt. Wir befinden uns in einer orwellschen Phase, in der die Lüge zur Wahrheit und die Wahrheit zur Lüge wird.“
Also eine weitere von vielen Lügen und eine weitere Gelegenheit, Solidarität mit einer mutigen Frau zu zeigen, die zur Zielscheibe der schlimmsten Fake News geworden ist – nur weil sie die Wahrheit gesagt hat über den schrecklichen Völkermord in Gaza und die beschämende Komplizenschaft, die ihn ermöglicht.
Die Übersetzung aus dem Italienischen wurde von Domenica Ott vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!









