Warum der Kampf der Minenarbeiter in der Türkei alle Lohnabhängigen betrifft und warum es keine sichere Existenz gibt, solange Arbeit vom Eigentum anderer abhängt.

von Düzgün Polat

Die Rechnung kommt immer nach unten

Es ist ein altes, eigentlich bekanntes Muster, das sich wiederholt wie eine Zumutung, die nur deshalb als Normalität erscheint, weil sie täglich geschieht. Ein Unternehmen gerät in Schwierigkeiten oder der behauptet, in Schwierigkeiten zu geraten. Kosten steigen, Märkte schwanken, Energiepreise drücken, Konkurrenz wächst, Investitionen bleiben aus, Kredite werden teurer, Managemententscheidungen gehen schief, Eigentümer wechseln, Standorte werden neu bewertet. Und dann geschieht das, was in der kapitalistischen Ordnung so regelmäßig eintritt, dass es kaum noch als Skandal wahrgenommen wird: Die Rechnung wird nach unten weitergereicht.

Nicht an diejenigen, die entschieden haben. Nicht an diejenigen, die Eigentumstitel halten. Nicht an diejenigen, die Gewinne entnommen, Kredite verhandelt, Bilanzen gestaltet, Standorte gegeneinander ausgespielt und Investitionen verschoben haben. Sondern an diejenigen, die um zu leben bzw. überleben jeden Morgen aufstehen und ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. An diejenigen, die unter Tage Kohle fördern, am Band Autos montieren, in Lagern Pakete sortieren, in Krankenhäusern Körper pflegen, in Büros verwalten, in Supermärkten Regale füllen, in Schulen unterrichten, auf Baustellen schuften.

Der aktuelle Kampf der Doruk-Minenarbeiter in der Türkei macht all diese in einer besonderen Form sichtbar. Arbeiter aus Eskişehir, aus dem Bezirk Mihalıççık, aus dem Umfeld des Yunus-Emre-Kraftwerks und der dazugehörigen Lignitfelder, marschierten nach Ankara, weil ihnen Löhne, Abfindungen und andere Ansprüche nicht gezahlt wurden. Sie forderten keine Wohltätigkeit, keine Almosen, keine symbolischen Gesten des Staates. Sie forderten das, was ihnen ohnehin gehört: den Lohn für geleistete Arbeit, die Auszahlung offener Rechte, sichere Arbeitsbedingungen unter Tage, das Ende erzwungenen unbezahlten Urlaubs und die Wiedereinstellung von Kolleginnen und Kollegen, die wegen gewerkschaftlicher Aktivität entlassen worden sein sollen.[1]

Man muss einen Moment bei dieser Tatsache innehalten. Zwei, fünf oder acht Monate ohne Lohn, je nachdem, welchen Arbeiter man fragt und welchen Teil der Forderungen man zählt. Das ist nicht nur ein einfaches Zahlungsproblem. Das heißt Miete, Strom, Essen, Schulden, Medikamente, Kinder, Eltern, Haushalt, Würde. Das heißt, dass Arbeiterinnen und Arbeiter nicht nur ausgebeutet werden, während sie arbeiten, sondern auch noch nachträglich, um den Preis ihrer Arbeit geprellt zu werden. Das Verhältnis ist klar: Wer arbeitet, soll warten. Wer besitzt, lässt warten.

Als die Arbeiter in Ankara ankamen, reagierte der Staat nicht zuerst mit der Anerkennung ihrer Forderungen, sondern mit Polizeimaßnahmen. Nach Berichten wurden über hundert Minenarbeiter und Gewerkschaftsvertreter festgenommen. Die Gewerkschaft Bağımsız Maden-İş (Unabhängige Bergarbeitergewerkschaft) sprach davon, dass Beschäftigte zwischen zwei und acht Monatslöhne offen hätten. Später erklärte das Arbeitsministerium, ein Teil der Forderungen sei inzwischen gezahlt worden. 36 Millionen türkische Lira seien auf Konten der Arbeiter überwiesen worden, der Rest solle folgen. Zugleich verwies das Ministerium selbst auf frühere Verwaltungsstrafen gegen Doruk Madencilik wegen nicht gezahlter tariflicher Ansprüche und unregelmäßiger Lohnzahlungen.[2],[3]

Damit fällt die übliche Ausrede in sich zusammen. Es handelt sich nicht um ein Missverständnis, nicht um ein einmaliges Versehen, nicht um eine technische Verzögerung. Selbst der Staat, der viel zu oft als Schlichter auftritt, wenn er in Wahrheit die Eigentumsordnung schützt, musste anerkennen, dass hier ein wiederholtes Vergehen vorliegt. Der Skandal ist also nicht nur, dass Löhne ausblieben. Der Skandal ist, dass Arbeiter offenbar immer wieder kämpfen müssen, damit geltendes Recht überhaupt als solches behandelt wird.

Ausbleibende Löhne sind kein Betriebsunfall

Ein nicht gezahlter Lohn ist kein Betriebsunfall. Er ist ein Klassenangriff.

Diese Formulierung mag hart klingen, aber sie ist genauer als der Verwaltungsprech. Aber was geschieht, wenn ein Unternehmen Löhne nicht zahlt? Die Arbeiter finanzieren unfreiwillig den Betrieb. Sie werden zu Kreditgebern des Kapitals, ohne Vertrag, ohne Zinsen, ohne Zustimmung. Ihre Familien tragen Liquiditätsprobleme, die sie nicht verursacht haben. Ihre Körper arbeiten weiter, während ihre Ansprüche verschoben werden. Ihre Existenzgrundlage wird dadurch zur Bilanzposition.

Der bürgerliche Blick nennt das dann Krise. Die Arbeiter sollen Verständnis haben für schwierige Märkte. Für Produktionsausfälle. Für Kostensteigerungen. Für die Lage des Unternehmens. Aber nur für einen kurzen Moment innegehalten: wann hat eigentlich ein Unternehmen Verständnis für die Lage der Arbeiter? Wann werden Eigentümer gefragt, ob sie auf Vermögenswerte, Grundstücke, Maschinen, private Sicherheiten verzichten, bevor Löhne ausbleiben? Wann wird die Existenz der Besitzer zur Verhandlungsmasse gemacht, so wie die Existenz der Arbeiter ständig zur Verhandlungsmasse gemacht wird?

Hier, genau hier beginnt die Klassenfrage. Nicht dort, wo jemand besonders arm ist. Nicht dort, wo Mitleid organisiert wird. Nicht dort, wo Medien einmal kurz über dramatische Einzelschicksale berichten. Die Klassenfrage beginnt dort, wo sichtbar wird, dass die einen arbeiten müssen, um zu überleben, während die anderen über die Bedingungen dieses Überlebens verfügen. Sie beginnt dort, wo deutlich wird, dass die Arbeiterklasse die Entscheidungen des Kapitals nicht trifft, aber deren Folgen tragen soll.

Die Minenarbeiter von Doruk haben nicht entschieden, wie das Unternehmen geführt wird. Sie haben nicht entschieden, welcher Eigentümer übernimmt, welche Kredite aufgenommen werden, welche Investitionen verschoben werden, welche Verträge geschlossen werden, welche Maschinen weiter benutzt werden, welche Sicherheitsausrüstung erneuert oder nicht erneuert wird. Aber wenn das Unternehmen nicht zahlt, trifft es sie. Wenn Kosten steigen, trifft es sie. Wenn Zahlungen ausbleiben, trifft es sie. Wenn der Staat nicht eingreift, trifft es sie. Wenn die Polizei eingreift, trifft es ebenfalls und ganz besonders sie.

Das ist Ihre Ordnung. Die Verantwortung steigt nach oben, solange Gewinne verteilt werden. Die Rechnung fällt nach unten, sobald Verluste, Risiken oder Kosten entstehen.

Die große Lüge vom sicheren Arbeitsplatz

Die Arbeiterklasse wird seit Generationen mit Narrativen diszipliniert: Sei fleißig, sei zuverlässig, sei loyal, halte den Betrieb am Laufen, ordne dein Leben der Arbeit unter, dann bekommst du Sicherheit. Einen Lohn. Einen Arbeitsplatz. Vielleicht eine Rente. Vielleicht ein Haus. Vielleicht ein Auto. Vielleicht ein kleines Leben, das nicht frei ist, aber wenigstens planbar.

Diese Erzählung ist nicht einfach falsch. Sie ist gefährlicher als eine offene Lüge, weil sie sich manchmal für eine Weile bewahrheitet. Und genau darin liegt ihre Macht. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter erleben tatsächlich Phasen relativer Stabilität. Ein fester Vertrag. Ein Tariflohn. Ein Werk, das seit Jahrzehnten existiert. Ein Konzernname, der groß genug scheint, um Sicherheit zu versprechen. Ein Betrieb, in dem schon der Vater gearbeitet hat. Eine ganze Region, die von einem Unternehmensstandort lebt. Eine Gewerkschaft, ein Betriebsrat, ein Sozialplan, ein Versprechen.

Doch diese Sicherheit ist nie Eigentum, nie Garantie der Arbeiterklasse. Sie ist eine gewährte, eine bedingte, eine widerrufbare Sicherheit. Sie gilt nur und solange sie mit der Profitrechnung, der unternehmerischen Kalkulation des Kapitals zusammenfällt. Sie gilt nur, solange ein Standort nützlich ist. Solange ein Produkt sich rechnet. Solange Investoren zufrieden sind. Solange Eigentümer glauben, dass hier mehr herauszuholen ist als andernorts. Solange Konkurrenz, Krise, Transformation oder geopolitische Verschiebungen nicht einen anderen Preis verlangen.

Die Mine in der Türkei zeigt diese Wahrheit brutal direkt. Der Lohn bleibt aus. Die Arbeiter marschieren. Die Polizei greift ein. Der Staat vermittelt. Das Unternehmen verspricht. Die Gewerkschaft misstraut. Die Existenz hängt an Zahlungen, die längst hätten geleistet werden müssen. In Ankara kam zum Lohnkampf der Hungerstreik hinzu, verbunden mit Polizeisperren, Pfefferspray und Arbeitern, die medizinisch versorgt werden mussten.[4]

Aber die Mine ist nicht weit weg. Sie ist nicht weit weg vom Werkstor in Wolfsburg. Nicht weit weg von Saarlouis. Nicht weit weg von Nordhausen. Nicht weit weg von Thessaloniki. Nicht weit weg vom Krankenhaus, vom Paketzentrum, vom Callcenter, vom Supermarkt, vom Büro. Denn die Formen unterscheiden sich, aber die Grundlage bleibt: Wer vom Lohn lebt, lebt abhängig. Wer seine Arbeitskraft verkaufen muss, ist erpressbar. Wer nicht über Produktionsmittel, Betrieb, Investitionen und Eigentum verfügt, kann noch so loyal sein und bleibt doch abhängig von Entscheidungen, die andere treffen.

Die Mine scheint weit weg

Der größte Fehler wäre, den Kampf der Doruk-Minenarbeiter als das Problem armer Minenarbeiter in der Türkei zu behandeln. Genau diese Vereinzelung ist Teil der Herrschaft. Dann erscheinen die einen als Opfer eines schlechten Unternehmers. Die anderen als Opfer einer nationalen Wirtschaftskrise. Wieder andere als Opfer der Transformation, der Globalisierung, der Konkurrenz aus China, der Elektromobilität, der Standortentscheidung, des Managementversagens.

Dadurch wird die gemeinsame Grundlage unsichtbar. Die Minenarbeiter in der Türkei, die VW-Arbeiter in Deutschland, die Arbeiterinnen und Arbeiter von Vio.Me in Thessaloniki, die Beschäftigten von Strike Bike in Nordhausen, sie stehen nicht vor identischen Situationen. Das muss klar gesagt werden. Ein unbezahlter Minenarbeiter, der unter gefährlichen Bedingungen arbeitet, erlebt eine andere Härte als ein tariflich abgesicherter Industriearbeiter in Deutschland. Ein Werk, das geschlossen wird, ist nicht dasselbe wie ein Lohn, der monatelang ausbleibt. Eine selbstverwaltete Fabrik in Griechenland ist nicht dasselbe wie ein deutscher Autokonzern mit Betriebsrat und Tarifbindung.

Aber alle diese Fälle zeigen verschiedene Gestalten derselben Ordnung. Einer Ordnung, in der die Arbeiterklasse ihre Lebenszeit verkauft, ohne über die Bedingungen dieser Lebenszeit zu verfügen. Einer Ordnung, in der Gewinne als Ergebnis unternehmerischer Leistung gefeiert werden, während Verluste, Krisen und Kostendruck als Opferforderung an die Beschäftigten zurückkehren. Einer Ordnung, in der Arbeiterinnen und Arbeiter zwar den Reichtum schaffen, aber nicht über ihn verfügen.

Deshalb darf der Doruk-Arbeiter sich nicht nur als Minenarbeiter sehen. Der VW-Arbeiter darf sich nicht nur als Beschäftigter eines deutschen Autokonzerns sehen. Die Arbeiterin im Krankenhaus darf sich nicht nur als Pflegekraft sehen. Der Paketfahrer darf sich nicht nur als Fahrer sehen. Sie alle müssen sich als Teil einer Klasse begreifen, deren Lage verschieden ist, aber deren Abhängigkeit denselben Kern hat.

Das Kapital agiert längst international. Es verlagert ganze Produktion über Grenzen hinweg und spielt Standorte gegeneinander aus. Es nutzt Lohnunterschiede, Steuervorteile, schwache Arbeitsrechte, politische Instabilität und globale Konkurrenz. Es rechnet, und zwar nicht moralisch, sondern absolut strategisch. Es fragt nicht: Wer hat diesen Betrieb aufgebaut? Wer hat hier sein Leben verbracht? Welche Familien hängen daran? Welche Stadt lebt von diesem Werk? Es fragt: Wo ist die Rendite höher, der Widerstand geringer, der Lohn niedriger, die Regulierung schwächer?

Die Arbeiterklasse dagegen wird zur Vereinzelung erzogen. Jede Belegschaft soll nur ihren Betrieb sehen. Jede Branche nur ihre Branche. Jede Nation nur ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die deutschen Arbeiter sollen für ihren Standort kämpfen, die türkischen Arbeiter für ihren Lohn, die griechischen Arbeiter für ihre Fabrik, die französischen Arbeiter für ihre Renten. Genau diese Vereinzelung ist die Stärke des Kapitals. Und genau deshalb muss diese Vereinzelung endlich überwunden werden.

Thessaloniki: Als die Eigentümer verschwanden

Der Fall Vio.Me in Thessaloniki wird häufig als Beispiel für eine Selbstverwaltung erzählt. Das ist nicht falsch, aber es setzt zu spät an. Bevor Vio.Me zum Symbol widerständiger Praxis wurde, war es zuerst ein Beispiel für kapitalistische Verantwortungslosigkeit. 2011 erhielten die Arbeiter der Fabrik keine Löhne mehr. Management und Eigentümer verließen den Betrieb. Doch statt auseinanderzugehen, organisierten sich die Arbeiter in einer Betriebsversammlung, beschlossen die Übernahme der Produktion und halten seither den Betrieb unter eigener Kontrolle am Laufen.[5]

Die wichtigste Lehre, die sich daraus ableiten lässt, beginnt aber vor der Selbstverwaltung. Sie beginnt in dem Moment, in dem die Eigentümer verschwinden und die Arbeiter zurückbleiben. Die Arbeiter hatten die Fabrik nicht ruiniert. Sie hatten nicht die Krise verursacht. Sie hatten nicht über Eigentum, Kredite, Absatzmärkte und Unternehmensstrategie entschieden. Aber als die kapitalistische Rechnung nicht mehr aufging, standen sie vor Arbeitslosigkeit, ausbleibenden Löhnen und der Zerstörung ihrer Existenz.

Vio.Me zeigt also nicht zuerst: Selbstverwaltung ist die fertige Lösung. Vio.Me zeigt zuerst: Die Sicherheit des Arbeitsplatzes war eine Illusion. Solange der Betrieb dem Kapital gehört, gehört auch die Zukunft der Arbeiter nicht ihnen. Sie kann geschlossen, veräußert, verlassen, abgewickelt werden. Die Arbeiter können jahrelang produzieren, jahrelang den Wert schaffen, jahrelang die Maschinen bedienen und dennoch stehen sie am Ende vor verschlossenen Toren, weil Eigentümer entschieden haben, dass ihre Existenz nicht mehr zählt.

Erst aus dieser Erfahrung entstand die widerständige Praxis. Die Besetzung, die Versammlung, die Fortsetzung der Produktion, die Selbstverwaltung. Nicht als idyllisches Modell, nicht als romantische Insel, nicht als einfacher Ausweg aus der kapitalistischen Welt. Selbst Vio.Me bleibt nach wie vor mit juristischen Eigentumsfragen, Absatzproblemen und dem Druck eines kapitalistischen Marktes konfrontiert. Aber genau deshalb ist der Fall politisch ernst zu nehmen: Er zeigt die Möglichkeit und zugleich die Grenze isolierter Selbstverwaltung.[6]

Die subversive Wahrheit von Vio.Me ist nicht, dass eine einzelne Fabrik den Kapitalismus überwindet, sondern dass sie sichtbar macht, dass die Produktion nicht den Eigentümer, sondern die Arbeiter braucht. Dass der Eigentümer nicht der Schöpfer des Reichtums ist, sondern lediglich der juristische Herr über die Bedingungen, unter denen andere ihn schaffen.

Nordhausen: Der deutsche Fall

Wer glaubt, solche Geschichten gehörten nach Griechenland, in die Türkei, an die Ränder Europas, für den lohnt sich der Blick nach Nordhausen. Dort besetzten 2007 die Beschäftigten der Fahrradfabrik Bike Systems ihren Betrieb. Die Fabrik hatte eine lange Produktionsgeschichte, nach der deutschen Vereinigung blieb von größeren industriellen Strukturen vor allem die Fahrradproduktion übrig. Zuletzt arbeiteten dort 135 Beschäftigte und bis zu 160 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter.[7]

Als der Eigentümer das Werk schließen wollte, wehrten sich die Beschäftigten. Der Fall wurde als Strike Bike bekannt. Die Arbeiter hielten eine monatelange Betriebsversammlung ab, erhielten Solidarität aus dem In- und Ausland und produzierten schließlich Fahrräder in Eigenregie. InterSoz beschreibt den Konflikt als 115 Tage andauernde Besetzung, in deren Verlauf 1800 rote Strike Bikes entstanden.[8]

Auch hier liegt der entscheidende Punkt nicht darin, dass Arbeiter Fahrräder ohne Chef herstellen konnten, obwohl auch das für sich genommen bemerkenswert ist. Der entscheidende Punkt liegt davor: Die Beschäftigten hatten ihre Arbeitskraft verkauft, ihre Fähigkeiten eingebracht, ihren Alltag um den Betrieb organisiert. Aber der Betrieb gehörte ihnen nicht. Er gehörte einem Eigentümer, für den die Schließung eine unternehmerische Entscheidung war. Für die Arbeiter war sie ein Angriff auf ihre pure Existenz.

Nordhausen zeigt, dass die Klassenfrage nicht am Bosporus endet. Sie endet auch nicht am Mittelmeer. Sie steht mitten in Deutschland. Selbst dort, wo es Betriebsräte gibt, Gewerkschaften, Tarifstrukturen, Arbeitsgerichte, Sozialpläne und das große Selbstbild der sozialen Marktwirtschaft, bleibt die Grundfrage bestehen: Wer entscheidet? Diejenigen, die arbeiten oder diejenigen, denen der Betrieb gehört?

Die Arbeiter von Bike Systems waren nicht plötzlich überflüssig, weil sie nicht arbeiten konnten. Sie waren überflüssig geworden, weil sie in der Rechnung des Eigentümers nicht mehr vorkamen. Ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Lebenszeit, ihr Verhältnis zum Produkt, ihre Bindung an die Region, all das zählte weniger als die Entscheidung des Kapitals. Genau darin liegt die deutsche Variante derselben Logik: Sie erscheint formaler, rechtlich geordneter, sozial abgefedert. Aber auch sie macht Arbeiterinnen und Arbeiter abhängig von Eigentumsentscheidungen, die sie nicht kontrollieren.

Volkswagen, Ford und die moderne Standorterpressung

Heute tritt dieselbe Logik in Deutschland nicht immer als nicht gezahlter Lohn auf. Sie erscheint unter anderen Namen. Wettbewerbsfähigkeit. Transformation. Zukunftssicherung. Effizienz. Kapazitätsanpassung. Sozialverträglicher Umbau. Standortpaket. Beschäftigungssicherung. Hinter diesen Begriffen verbirgt sich oft nichts anderes als die disziplinierte Form einer Drohung.

Volkswagen kündigte Ende 2024 tiefgreifende Veränderungen in Deutschland an. Mehr als 35.000 künftige Stellen sollen bis 2030 wegfallen, verbunden mit Kapazitätsreduzierungen. Der Deal zwischen Konzern und Gewerkschaft wurde als Abwendung härterer Konflikte dargestellt als eine sozialverträgliche Lösung, als die Sicherung der Zukunft. Zugleich meldete Volkswagen für das Geschäftsjahr 2024 einen operativen Gewinn von 19,1 Milliarden Euro. Das ist der entscheidende Punkt auf den es ankommt: Arbeiterinnen und Arbeiter werden nicht nur dann angegriffen, wenn ein Unternehmen Verlust macht. Sie werden auch dann angegriffen, wenn der Gewinn nicht mehr den Erwartungen des Kapitals entspricht.[9],[10]

Schon im Oktober 2024 hatte Volkswagen offiziell erklärt, eine Lohnsenkung um zehn Prozent könne dem Unternehmen Mittel für Zukunftsinvestitionen verschaffen und damit Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze sichern. Diese Sprache ist vertraut. Sie stellt den Verzicht der Beschäftigten als Voraussetzung ihrer eigenen Rettung dar. Erst sollen sie arbeiten. Dann sollen sie verzichten. Und am Ende sollen sie dankbar sein, wenn der Angriff sozialverträglich organisiert wird.[11]

Bei Ford Saarlouis zeigt sich die Standorterpressung noch direkter. Nach der Entscheidung Fords, das nächste Elektroauto nicht in Saarlouis, sondern in Spanien bauen zu lassen, war die Zukunft des deutschen Werks in Frage gestellt. 2024 einigten sich IG Metall und Ford darauf, mit dem Ende der Produktion des Ford Focus rund 3500 Stellen in Saarlouis abzubauen. Reuters berichtete, dass von ursprünglich etwa 4500 Beschäftigten ungefähr 1000 Stellen nach 2025 erhalten bleiben sollten.[12]

Das ist nicht derselbe Fall wie Doruk. Niemand sollte so tun, als sei ein türkischer Minenarbeiter ohne Lohn identisch betroffen wie ein deutscher Automobilarbeiter mit Sozialplan. Aber die Richtung ist dieselbe: Die Arbeiterklasse soll für Entscheidungen bezahlen, die sie nicht getroffen hat. Bei Doruk heißt es: Die Löhne bleiben aus. Bei Ford heißt es: Das neue Modell geht nach Spanien. Bei VW heißt es: Die Kapazität muss sinken, die Kosten müssen runter, die Wettbewerbsfähigkeit muss steigen. In jedem dieser Fälle lautet die Botschaft: Eure Existenz ist verhandelbar.

Und hier zeigt sich die ganze ideologische Gewalt der Standortlogik. Deutsche Arbeiter sollen nicht als Klasse denken, sondern als Standort. Sie sollen hoffen, dass ihr Werk gegen ein anderes Werk gewinnt. Dass Deutschland gegen Spanien gewinnt. Dass Wolfsburg gegen Mexiko gewinnt. Dass Saarlouis gegen Valencia gewinnt. Dass die eigene Belegschaft gerettet wird, während eine andere anderenorts verliert. So wird die Arbeiterklasse in der nationalen und betrieblichen Konkurrenz verhaftet. Das Kapital organisiert den Weltmarkt. Die Arbeiter sollen sich um den besten Platz innerhalb dieser Konkurrenz prügeln. Das ist keine Solidarität, sondern die Verwaltung der Niederlage für die Arbeiter.

Deutschland: Der Angriff kommt in der Sprache der Reform

Wer den Kampf der Minenarbeiter in der Türkei betrachtet, könnte meinen, die Sache sei weit weg. Dort die Mine, dort der ausbleibende Lohn, dort die Polizei, dort die Arbeiter, die nach Ankara marschieren müssen, um ihr Geld zu bekommen. Hier dagegen: Sozialstaat, Tarifverträge, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Betriebsräte, Arbeitsrecht. Hier scheint der Klassenkonflikt „zivilisierter“, geordneter, parlamentarischer. Aber gerade darin liegt die (Selbst-)Täuschung.

In Deutschland kommt der Angriff auf die Arbeiterklasse zwar nicht immer als offen verweigerter Lohn. Er kommt als Reform. Als Modernisierung. Als notwendige Anpassung. Als Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit. Als Entbürokratisierung. Als Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge. Als Flexibilisierung der Arbeitszeit. Als Sicherung des Standortes.

Die Merz-Regierung formuliert diesen Kurs in ihrer ganzen Offenheit. Beim Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken erklärte der Kanzler, die Bundesregierung wolle die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern. Dies bedeutet niedrigere Energiekosten, niedrigere Unternehmenssteuern, weniger Bürokratie, Investitionen in Innovation und Infrastruktur und Reformen der sozialen Sicherungssysteme. Zugleich betonte er, dass Unternehmensfinanzierung stärker kapitalmarktorientiert ausgebaut werden müsse.[13]

Das ist die Sprache des Standortes. Und Standort heißt in der kapitalistischen Ordnung immer: Die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse werden daran gemessen, ob und inwiefern sie dem Kapital nützen.

Ein besonders klares Beispiel ist die Arbeitszeit. Die Bundesregierung verteidigte den Plan, die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Die CDU hatte bereits angekündigt, eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu schaffen und die elektronische Erfassung der Arbeitszeit – aufgepasst – unbürokratisch zu regeln.[14]

Was als Freiheit deklariert und verkauft wird, ist in der Klassenwirklichkeit oft die Freiheit des Kapitals, Arbeitskraft beweglicher, flexibler zu benutzen. Länger an einem Tag, anders verteilt über die Woche, angepasst an Auftragsspitzen, Produktionsdruck, Personalmangel und betriebliche Notwendigkeiten. Natürlich wird niemand sagen: Wir wollen die Arbeiter bis zum Erschöpfen arbeiten lassen. Man sagt: Vereinbarkeit. Flexibilität. Moderne Arbeitswelt. Aber die entscheidende Frage bleibt: Wer braucht diese Flexibilität zuerst? Der Arbeiter, der sein Kind abholen muss? Oder der Betrieb, der seine Arbeitszeit nach Auftrag, Markt und Kostendruck neu ordnen will?

Auch bei der Krankenversicherung zeigt sich diese Logik. Das Bundesgesundheitsministerium legte im April 2026 den Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung vor. Der Entwurf spricht offen von Finanzierungslücken, Leistungsanpassungen, Zuzahlungen und Beiträgen der Versicherten sowie Patientinnen und Patienten.[15]

Besonders deutlich wird das an der Familienversicherung. Nach dem Referentenentwurf soll die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner und eingetragene Lebenspartner begrenzt werden. In anderen Fällen sollen Mitglieder mit derzeit beitragsfrei mitversicherten Ehegatten künftig einen Beitragszuschlag in Höhe von 3,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zahlen. Die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern soll erhalten bleiben.[16]

Für die Arbeiterklasse ist entscheidend: Wieder wird ein sozial erkämpfter Schutz zur Disposition gestellt. Wieder wird die Absicherung von Familien, Sorgearbeit, Krankheit und Pflege als Belastung behandelt. Wieder wird die Frage nicht gestellt, warum Vermögen, Kapitalerträge, hohe Einkommen und Unternehmensgewinne geschont werden, während Lohnabhängige über Beiträge, Zuzahlungen und Einschränkungen zur Kasse gebeten werden.

Dasselbe gilt für die Rente. Das Rentenpaket 2025 stabilisiert das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent und enthält zugleich die arbeitsmarktrechtliche Grundlage für die Aktivrente. In der Regierungspressekonferenz vom 22. April 2026 wurde die Aussage des Kanzlers diskutiert, die gesetzliche Rentenversicherung allein werde künftig allenfalls noch eine Basisabsicherung für das Alter sein. Die Bundesregierung verwies dabei auf eine neue Gewichtung der drei Säulen: gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und private Altersvorsorge.[17]

Auch hier tritt der Klasseninhalt offen zutage. Die Rente, die einmal als kollektive Absicherung nach einem Arbeitsleben erscheinen sollte, wird Stück für Stück in Richtung privater Vorsorge, Kapitalmarkt und individueller Verantwortung verschoben. Wer genug verdient, kann vorsorgen. Wer wenig verdient, wer unterbrochene Erwerbsbiografien hat, wer Kinder großzieht, Angehörige pflegt, krank wird, arbeitslos wird, prekär arbeitet, soll am Ende lernen, dass seine Armut im Alter ein persönliches Vorsorgeproblem gewesen sei.

So kommt der Angriff in Deutschland ziemlich vielfältig daher. Nicht nur als Entlassung. Nicht nur als Lohnverzicht. Nicht nur als Werksschließung. Sondern auch als längere Arbeitszeit als Einschränkung sozialer Rechte, als Umbau der Rente, als Belastung von Versicherten, als Privatisierung von Lebensrisiken, als moralische Kampagne gegen angeblich zu wenig Arbeit, zu viel Anspruch, zu hohe Kosten.

Die Mine in der Türkei und die Reformdebatte in Deutschland sind nicht dasselbe. Aber sie gehören zur selben Ordnung. Dort bleibt der Lohn aus. Hier wird die Arbeitszeit flexibilisiert, die Rente kapitalmarktfähig gemacht, die Familienversicherung beschnitten, die Krankenversicherung auf Beitragssatzstabilität getrimmt. Dort zeigt sich die Gewalt des Kapitals unmittelbar. Hier erscheint sie als Gesetzesvorhaben, Kommission, Reformpaket und Standortpolitik.

Die Form ist verschieden, die Richtung jedoch dieselbe: Die Arbeiterklasse muss mehr leisten, länger durchhalten, mehr privat absichern, mehr selbst tragen, mehr Risiko übernehmen und darf weniger kollektive Sicherheit erwarten. Und das alles, damit der Standort profitabel bleibt.

Genau deshalb ist Doruk nicht weit weg. Doruk legt nur brutal offen, was in Deutschland verwaltet, moderiert und parlamentarisch formuliert wird: Die Sicherheit der Arbeiterklasse steht immer unter Vorbehalt! Sie gilt nur, solange sie mit der Profitabilität des Eigentums vereinbar ist.

Die Frage der Gewerkschaft: Gegenmacht oder Mitverwaltung?

Der Kampf der Doruk-Minenarbeiter zeigt noch etwas anderes, das für die Arbeiterklasse entscheidend ist: Es geht nicht nur darum, ob es Gewerkschaften gibt. Es geht darum, welche Rolle Gewerkschaften im Klassenkampf spielen.

Die unabhängige Bergarbeitergewerkschaft Bağımsız Maden-İş tritt in diesem Konflikt nicht als Vermittlungsagentur zwischen Kapital und Arbeit auf. Sie organisiert den Marsch nach Ankara, benennt die offenen Löhne, die Abfindungen, den unbezahlten Urlaub, die unsicheren Arbeitsbedingungen und die Entlassung gewerkschaftlich aktiver Arbeiter als Klassenangriff. Sie führt den Konflikt nicht in die Sprache der gemeinsamen Verantwortung zurück, sondern macht sichtbar, dass die Arbeiter nichts fordern, was ihnen nicht ohnehin gehört. Laut Bianet verlangten die Minenarbeiter neben offenen Löhnen und Entschädigungen auch das Ende erzwungenen unbezahlten Urlaubs, arbeitsschutzgerechte Bedingungen und die Wiedereinstellung entlassener Gewerkschafter.[18]

Das ist Gewerkschaft als Gegenmacht. Nicht als Dienstleister. Nicht als sozialer Reparaturbetrieb. Nicht als Ordnungsfaktor für einen ruhigeren Betriebsablauf. Sondern als organisierte Kraft der Arbeiter gegen Eigentümer, Staat und Polizei. Als die Arbeiter nach Ankara marschierten, wurden sie nicht mit Anerkennung für ihre Geduld empfangen, sondern mit Festnahmen. Gerade daran wird sichtbar, dass echte Gewerkschaftsarbeit nicht dort beginnt, wo sie den Konflikt befriedet, sondern dort, wo sie ihn öffentlich macht.

Genau hier liegt der Unterschied zur sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaftspolitik, wie sie in Deutschland viel zu oft als Normalfall gilt. Dort treten Gewerkschaften nicht selten als Mitverwalter des Angriffs auf. Sie verhindern nicht den Stellenabbau, sondern verhandeln seine Form. Sie verhindern nicht die Standortlogik, sondern versuchen, den eigenen Standort innerhalb dieser Logik zu retten. Sie verhindern nicht die Weitergabe der Krise an die Beschäftigten, sondern sorgen dafür, dass diese Weitergabe sozialverträglich geschieht.

Bei Volkswagen wurde Ende 2024 eine Einigung zwischen Konzern, Betriebsrat und IG Metall erzielt, die Werksschließungen und unmittelbare betriebsbedingte Kündigungen abwenden sollte. Gleichzeitig beinhaltet sie den Abbau von mehr als 35.000 Stellen bis 2030 und eine dauerhafte Reduzierung der Produktionskapazitäten in Deutschland. Volkswagen selbst sprach von einer sozial verantwortlichen Reduktion der Belegschaft und von Kostensenkungen, die den Konzern wettbewerbsfähig ausrichten sollen.[19]

Das ist der entscheidende Punkt: Ein Angriff verschwindet nicht dadurch, dass er verhandelt wird. Ein Stellenabbau wird nicht zu Arbeiterpolitik, weil er ohne betriebsbedingte Kündigungen und mit Sozialplan organisiert wird. Natürlich ist es für die unmittelbar Betroffenen ein Unterschied, ob sie brutal entlassen oder mit Abfindungen, Altersteilzeit und Sicherungsfristen aus dem Betrieb gedrängt werden. Das ist nicht egal. Aber politisch bleibt die Frage bestehen: Warum akzeptiert eine Arbeiterorganisation überhaupt die Logik, dass zehntausende Arbeitsplätze verschwinden müssen, damit ein Konzern wettbewerbsfähiger wird?

Dasselbe zeigt Ford Saarlouis. Die IG Metall erklärte nach der Einigung mit Ford, rund 1.000 Arbeitsplätze blieben nach 2025 erhalten, betriebsbedingte Kündigungen seien bis 2032 ausgeschlossen, Beschäftigte könnten mit Abfindungen früher gehen. Gleichzeitig bedeutete die Einigung den Abbau von rund 3.500 Stellen. Der IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger sagte dazu, man habe nicht die beste Lösung erreichen können und sich deshalb für die zweitbeste entschieden: den Stellenabbau für Ford so teuer wie möglich zu machen.[20]

Dieser Satz ist ehrlich, aber gerade deshalb politisch entlarvend. Die Gewerkschaft organisiert nicht mehr den Bruch mit der Logik des Kapitals. Sie organisiert die teuerste Form der Niederlage. Sie kämpft nicht darum, dass die Arbeiterklasse über Produktion, Standort und Zukunft entscheidet. Sie kämpft darum, dass die Abwicklung geordnet, bezahlt und tariflich flankiert geschieht. Das ist nicht nichts. Aber es ist nicht genug.

Denn die Arbeiterklasse braucht Gewerkschaften nicht als Beerdigungsunternehmen für Arbeitsplätze. Sie braucht sie als Kampforganisationen. Sie braucht keine Funktionäre, die den Arbeiterinnen und Arbeitern erklären, welche Opfer leider unvermeidlich seien. Sie braucht Organisationen, die die Unvermeidlichkeit selbst in Frage stellen. Die nicht zuerst fragen: Wie retten wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes? Sondern warum Arbeiter für eine Wettbewerbsfähigkeit zahlen sollen, über deren Ziele sie nie entschieden haben?

Hier zeigt Bağımsız Maden-İş am Beispiel der Doruk-Minenarbeiter, was eine andere gewerkschaftliche Praxis bedeuten kann. Die Gewerkschaft macht aus dem Lohnraub keinen technischen Streit. Sie macht daraus eine öffentliche Konfrontation. Sie bringt die Arbeiter nicht zurück in die Vereinzelung, sondern auf die Straße. Sie akzeptiert nicht die Sprache des Unternehmens, sondern formuliert die Sprache der Arbeiter: Löhne zahlen, Rechte zahlen, Entlassene zurück, Arbeitsschutz durchsetzen, unbezahlten Urlaub beenden.

Das soll nicht die Bedingungen in der Türkei romantisieren. Im Gegenteil. Gerade weil die Repression härter ist, gerade weil die Arbeiter weniger institutionelle Absicherung haben, gerade weil Polizei und Staat schneller offen eingreifen, ist der Mut dieser Gewerkschaftsarbeit umso sichtbarer. Aber dieser Mut stellt auch den deutschen Gewerkschaftsapparaten eine Frage: Wozu ist eine Gewerkschaft da? Zur Verwaltung des kleineren Übels? Oder zur Organisierung der Gegenmacht?

Die deutsche Sozialpartnerschaft hat der Arbeiterklasse nicht einfach nichts gebracht. Das wäre historisch falsch. Tarifverträge, Arbeitszeitverkürzungen, Mitbestimmungsrechte, Löhne, Urlaub, Kündigungsschutz, all das wurde erkämpft und oft durch Gewerkschaften verteidigt. Aber genau deshalb ist ihre heutige Rolle so widersprüchlich. Eine Organisation, die aus Klassenkämpfen entstanden ist, kann zur Institution werden, die Klassenkämpfe befriedet. Sie kann Rechte verteidigen und zugleich den Angriff auf diese Rechte verwalten. Sie kann Arbeiter mobilisieren und sie nach der Verhandlung wieder in den Betrieb zurückführen, mit der Botschaft, dass mehr leider nicht möglich gewesen sei.

Die Frage lautet daher nicht einfach: Gewerkschaft ja oder nein. Die Frage lautet: Welche Gewerkschaft? Welche Strategie? Welche Beziehung zur eigenen Basis? Welche Haltung zum Kapital? Welche Bereitschaft, die Standortlogik selbst zu brechen?

Eine Gewerkschaft, die den Arbeitern sagt, sie müssten Opfer bringen, damit ihr Unternehmen wettbewerbsfähig bleibt, erzieht sie zur Loyalität gegenüber dem Kapital. Eine Gewerkschaft, die den Arbeitern zeigt, dass jedes Opfer für den Standort die nächste Erpressung vorbereitet, erzieht sie zum Klassenbewusstsein.

Genau deshalb muss der Kampf der Doruk-Minenarbeiter auch als gewerkschaftliche Lehre gelesen werden. Nicht weil dort alles einfach besser wäre. Sondern weil dort sichtbar wird, was Gewerkschaft sein kann oder muss, wenn sie mehr sein will als Sozialpartnerschaft, nämlich die organisierte Unversöhnlichkeit gegenüber der Weitergabe der Krise nach unten.

Solidarität ist keine Charity

Internationale Solidarität beginnt deshalb auch bei der Frage, welche Gewerkschaftspolitik die Arbeiterklasse braucht. Eine Gewerkschaft, die Standortkonkurrenz akzeptiert, bleibt national gefangen. Eine Gewerkschaft, die Angriffe nur sozialverträglich verwaltet, bleibt im Horizont des Kapitals gefangen. Eine Gewerkschaft, die Klassenkampf ernst nimmt, muss dagegen jeden Angriff auf Arbeiterinnen und Arbeiter als Teil einer gemeinsamen Lage begreifen: in der Mine, im Werk, im Krankenhaus, im Lager, im Büro, in der Türkei, in Deutschland, überall, also global.

Wenn deutsche Arbeiterinnen und Arbeiter den Kampf der Minenarbeiter in der Türkei als fremd betrachten, stärken sie am Ende dieselbe Logik, die morgen gegen sie selbst eingesetzt wird. Wenn türkische Arbeiter die Stellenstreichungen bei VW oder Ford als deutsches Problem betrachten, bleibt unsichtbar, dass auch dort Arbeiter für Entscheidungen zahlen sollen, die andere getroffen haben. Wenn griechische Arbeiter allein bleiben, wenn deutsche Arbeiter allein bleiben, wenn türkische Arbeiter allein bleiben, gewinnt immer jene Seite, die längst gelernt hat, global zu denken und zu handeln.

Die Solidarität, die nötig ist, ist nicht von Mitleid und Mitgefühl geprägt. Mitleid blickt von oben nach unten. Klassenbewusstsein blickt zur Seite und erkennt: Das, was mit dir geschieht, ist nicht dasselbe, was mit mir geschieht. Aber es kommt aus derselben Ordnung, derselben Logik, demselben Kalkül. Dein Kampf ist nicht mein Kampf, weil unsere Lebensbedingungen identisch wären. Er ist es, weil die Logik, die dich angreift, auch mich angreifbar macht.

Das ist der entscheidende Sprung nach vorne. Vom einzelnen Betrieb zur Klasse. Von der Branche zur gemeinsamen Lage. Von der Nation zur internationalen Organisierung. Vom Bedauern zm Gegenpol.

Die Arbeiterklasse muss lernen, sich für jeden Angriff auf Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit zu interessieren. Und dies keineswegs aus sentimentaler Weltverbesserungsromantik, sondern aus nüchterner Einsicht. Jeder nicht gezahlte Lohn ist ein Signal. Jede Werksschließung ist ein Signal. Jeder Lohnverzicht im Namen der Zukunft ist ein Signal. Jede Entlassung im Namen der Wettbewerbsfähigkeit ist ein Signal. Jede Kriminalisierung von Streiks ist ein Signal. Jede Repression gegen Gewerkschafter ist ein Signal.

Die herrschende Ordnung will, dass diese Signale vereinzelt bleiben, dass sie verstummen. Dass der Minenarbeiter in der Türkei als Randfigur, der VW-Arbeiter als privilegierter deutscher Industriearbeiter, die Arbeiter von Vio.Me als exotisches Krisenphänomen, Strike Bike als sympathische Geschichte aus der Vergangenheit erscheint. Doch zusammengedacht komplettieren sie ein Bild: Solange die Arbeiterklasse ihre Existenz vom Eigentum anderer abhängig macht, besitzt sie keine Sicherheit, nirgendwo!

Die Selbstverwaltung als Hinweis, nicht als Trost

An dieser Stelle kann Selbstverwaltung ins Spiel kommen, aber nicht als Trostpflaster oder romantisches Ende einer traurigen Geschichte. Nicht als einfache Antwort, die alle Widersprüche auflöst. Eine besetzte Fabrik steht weiterhin in einer kapitalistischen Umwelt. Sie muss Rohstoffe kaufen, Produkte verkaufen, rechtliche Angriffe abwehren, Räumungen fürchten, Absatzmärkte finden, Schuldenfragen klären, interne Konflikte austragen. Wer Selbstverwaltung als fertiges Paradies beschreibt, macht sie angreifbar.

Aber wer sie verschweigt, unterschlägt eine wichtige Wahrheit. Vio.Me und Strike Bike zeigen, dass Arbeiterinnen und Arbeiter nicht nur Opfer sind. Sie zeigen, dass die Fähigkeit zur Produktion nicht beim Eigentümer liegt. Sie liegt bei denen, die arbeiten. Beim Wissen der Hände, der Körper, der Köpfe, der Erfahrung, der Kooperation, der Routine, der Erfindungskraft.

Selbstverwaltung ist deshalb kein Beweis dafür, dass sich eine einzelne Fabrik problemlos außerhalb des Kapitalismus retten kann. Sie ist aber ein Hinweis darauf, dass die herrschende Eigentumsordnung nicht natürlich ist. Sie zeigt auf, dass es auch anders geht. Aber dieses Andere bleibt bedroht, solange die gesellschaftliche Macht des Kapitals bestehen bleibt. Deshalb kann Selbstverwaltung nur dann mehr sein als ein Notausgang, wenn sie Teil einer größeren Klassenbewegung wird. Einer Bewegung, die nicht nur einzelne Betriebe rettet, sondern die Frage stellt, warum Betriebe überhaupt in der Hand von Eigentümern liegen, die sie schließen, verlassen oder gegen die Arbeiter verwenden können.

Was muss die Arbeiterklasse lernen?

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Doruk nun die ausstehenden Löhne zahlt. Natürlich müssen die Löhne gezahlt werden. Natürlich müssen Abfindungen, Kündigungsentschädigungen, Urlaubsgelder und alle offenen Ansprüche gezahlt werden. Natürlich müssen die entlassenen Gewerkschafter wieder eingestellt werden. Natürlich müssen sichere Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden. Jeder konkrete Kampf braucht konkrete Forderungen. Wer nur vom großen Ganzen spricht und die unmittelbare Forderung verachtet, hat den Klassenkampf nicht oder falsch verstanden.

Aber wer bei der unmittelbaren Forderung stehen bleibt, versteht ihn ebenfalls nicht. Die Frage lautet: Was muss die Arbeiterklasse daraus lernen, dass sie immer wieder für Krisen zahlen soll, deren Schöpfer nicht sie ist? Was muss sie daraus lernen, dass ihre Sicherheit nie wirklich sicher ist, solange andere über Betrieb, Standort, Investition und Eigentum entscheiden? Was muss sie daraus lernen, dass ein Lohn, ein Tarifvertrag, ein Sozialplan, ein Standortversprechen, ein Regierungswort, ein Konzernname, ein wirtschaftlicher Aufschwung ihr keine dauerhafte Befreiung bringen?

Sie muss lernen, dass sie nicht auf die Vernunft der Eigentümer vertrauen darf. Nicht auf die soziale Verantwortung des Kapitals. Nicht auf die nationale Standortgemeinschaft. Nicht auf die Erzählung, dass Arbeiter und Unternehmer im selben Boot sitzen. Sie sitzen nicht im selben Boot. Die einen rudern. Die anderen besitzen das Boot, bestimmen den Kurs und werfen im Sturm zuerst diejenigen über Bord, die rudern.

Sie muss lernen, dass jeder betriebliche Kampf eine politische Seite hat. Nicht parteipolitisch im engeren Sinn. Sondern politisch, weil er inhärent die Machtfrage berührt. Wer entscheidet? Wer trägt das Risiko? Wer verfügt über den Reichtum? Wer zahlt in der Krise? Wer wird geschützt? Wer wird geopfert?

Sie muss lernen, dass Solidarität nicht nach Pass, Branche oder Lohnhöhe sortiert werden darf. Der Kampf der Minenarbeiter in der Türkei ist nicht weniger wichtig, weil er in der Türkei stattfindet. Der Kampf bei VW ist nicht unwichtig, weil VW-Arbeiter im Vergleich zu anderen besser bezahlt sind. Gerade die Unterschiede müssen Teil des Klassenbewusstseins werden. Denn das Kapital nutzt sie ständig: sichere gegen unsichere, Stammbelegschaft gegen Leiharbeit, deutsche gegen türkische, Industrie gegen Dienstleistung, Beschäftigte gegen Erwerbslose, Männer gegen Frauen, Alte gegen Junge, Zentrum gegen Peripherie.

Und sie muss lernen, dass es in einer Welt des Privateigentums keine dauerhafte Sicherheit für jene gibt, die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft.

Fazit: Die Sicherheit, die es nicht gibt

Die Doruk-Minenarbeiter haben nicht nur einen Arbeitskampf geführt. Sie haben eine Wahrheit sichtbar gemacht, die auch dort gilt, wo sie besser verborgen ist. In der Mine zeigt sie sich als ausbleibender Lohn. In Thessaloniki zeigte sie sich als verlassene Fabrik. In Nordhausen zeigte sie sich als Werksschließung und verweigerte Ansprüche. Bei Volkswagen zeigt sie sich als Umbau im Namen der Wettbewerbsfähigkeit. Bei Ford Saarlouis als Standortentscheidung, die eine ganze Region trifft. Und in der Reformpolitik der Merz-Regierung zeigt sie sich als Angriff auf Arbeitszeit, Familienversicherung, Krankenversicherung und Rente im Namen des Standortes.

Nicht gleich. Nicht identisch. Nicht austauschbar. Aber verwandt im Kern.

Der Kern heißt: Die Arbeiterklasse lebt von einer Sicherheit, über die sie nicht verfügt. Ihr Arbeitsplatz gehört ihr nicht. Ihr Lohn ist kein Geschenk, sondern muss erkämpft und verteidigt werden. Ihre Zukunft hängt an Entscheidungen, die in Vorständen, Ministerien, Eigentümerversammlungen, Finanzabteilungen und Konzernzentralen getroffen werden. Und wenn diese Entscheidungen scheitern oder wenn sie erfolgreich sind, aber noch mehr Profit verlangen, zahlen sie die Zeche.

Darum darf die Antwort nicht lauten: Hoffen wir auf bessere Unternehmer. Hoffen wir auf verantwortungsvollere Eigentümer. Hoffen wir auf sozialere Standortentscheidungen. Hoffen wir auf eine Krise, die uns verschont. Diese Hoffnung ist die weichere Form der Unterwerfung.

Die Antwort kann nur heißen: Organisation. Klassenbewusstsein. Internationale Solidarität. Aufbau von Gegenmacht im Betrieb, auf der Straße, in Gewerkschaften, in Versammlungen, über Grenzen hinweg. Die Arbeiterklasse muss lernen, den fremden Kampf als Teil der eigenen Lage zu erkennen. Sie muss lernen, dass jeder Angriff auf Arbeiterinnen und Arbeiter irgendwo eine Warnung an Arbeiterinnen und Arbeiter überall ist.

Selbstverwaltung kann dabei eine widerständige Praxis sein. Sie kann zeigen, dass Produktion ohne Eigentümer möglich ist. Sie kann zeigen, dass Arbeiterinnen und Arbeiter nicht bloß Hände sind, sondern Köpfe, Organisatoren, Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums. Aber sie ist nicht der Trost am Ende der Niederlage. Sie ist ein Hinweis auf eine größere Aufgabe: die Abhängigkeit selbst zur Disposition zu stellen.

Marx schrieb in Lohnarbeit und Kapital: „Solange der Lohnarbeiter Lohnarbeiter ist, hängt sein Los vom Kapital ab.“ Und in Lohn, Preis und Profit formulierte er die Konsequenz noch schärfer: „Statt des konservativen Mottos: ‚Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!‘, sollte sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: ‚Nieder mit dem Lohnsystem!‘[21] [22]

Genau hier liegt die Lehre von Doruk, Vio.Me, Strike Bike, Ford, Volkswagen und den aktuellen Angriffen auf soziale Rechte in Deutschland und weltweit. Nicht in der Sehnsucht nach einem sichereren Platz innerhalb der Unsicherheit. Sondern in der Erkenntnis, dass es keine Sicherheit gibt in einer Welt, in der Eigentum über Arbeit herrscht. Wer Sicherheit will, muss die Machtfrage stellen. Wer Befreiung will, darf nicht nur den besseren Verkauf der eigenen Arbeitskraft verlangen. Er muss die Ordnung, die Menschen zwingt, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu dürfen, infrage stellen.

[1] Bianet, „Doruk Madencilik işçileri hakları için beşinci kez Ankara’ya yürüyor“, 16. April 2026, https://bianet.org/haber/doruk-madencilik-iscileri-haklari-icin-besinci-kez-ankaraya-yuruyor-318801.
[2] Bianet, „ÇSGB: Doruk Madencilik’te 36 milyon TL ödendi, kalanı haftaya“, 24. April 2026, https://bianet.org/haber/csgb-doruk-madencilikte-36-milyon-tl-odendi-kalani-haftaya-sendika-bunlara-karnimiz-tok-319066 ; T24, „Çalışma ve Sosyal Güvenlik Bakanlığı’ndan Doruk Madencilik açıklaması“, 24. April 2026, https://t24.com.tr/gundem/calisma-ve-sosyal-guvenlik-bakanligindan-doruk-madencilik-aciklamasi-iscilerin-alacaklari-yatiriliyor%2C1316698.
[3] Bianet, „Over 100 miners detained after march to Ankara over unpaid wages“, 21. April 2026, https://bianet.org/haber/over-100-miners-detained-after-march-to-ankara-over-unpaid-wages-318942.
[4] Gazete Oksijen, „Maaşlarını alamayan madencilerin Ankara’daki eylemi sürüyor“, 24. April 2026, https://gazeteoksijen.com/turkiye/maaslarini-alamayan-madencilerin-ankaradaki-eylemi-suruyor-273404.
[5] The Real News Network, Christos Avramidis, „Inside Vio.Me, Greece’s only worker-managed factory that’s operated for over 10 years“, 8. März 2023, https://therealnews.com/inside-vio-me-greeces-only-worker-managed-factory-thats-operated-for-over-10-years.
[6] Jacobin, „Ours to Master and to Own“, 6. Oktober 2018, https://jacobin.com/2018/10/viome-self-management-factory-takeover-greece.
[7] Workerscontrol.net, „Bike Systems“, https://www.workerscontrol.net/experiences/bike-systems.
[8] InterSoZ, „StrikeBike“, https://intersoz.org/strikebike/.
[9] Volkswagen Group, „Annual Report & Full Year Results 2024“, https://www.volkswagen-group.com/en/annual-report-and-full-year-results-2024-19005.
[10] Reuters, „VW reaches union deal to cut 35,000 German jobs after talks“, 20. Dezember 2024, https://www.reuters.com/business/autos-transportation/rapprochement-between-volkswagen-union-wage-talks-sources-say-2024-12-20/.
[11] Volkswagen Group, „Collective bargaining: Volkswagen looks to employees to help safeguard its future“, 30. Oktober 2024, https://www.volkswagen-group.com/en/press-releases/collective-bargaining-volkswagen-looks-to-employees-to-help-safeguard-its-future-18804.
[12] Reuters, „German union: agreed job cuts at Ford’s Saarlouis plant“, 7. Februar 2024, https://www.reuters.com/business/autos-transportation/german-union-agreed-job-cuts-fords-saarlouis-plant-2024-02-07/.
[13] Bundesregierung, „Rede des Bundeskanzlers beim Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. – Banken öffnen Türen zum Kapitalmarkt“, 20. April 2026, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bk-rede-jahresempfang-banken-2422220.
[14] Deutscher Bundestag, „Regierung verteidigt Änderungen am Arbeitszeitgesetz“, hib-Meldung, 27. Januar 2026, https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1139670; CDU, „Flexiblere Arbeitszeitregelung“, Flugblatt, 9. Juli 2025, https://www.cdu.de/app/uploads/2025/07/Flugblatt_Flexiblere_Arbeitszeitregelung_2025.pdf.
[15] Bundesministerium für Gesundheit, „Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung“, Referentenentwurf vom 16. April 2026, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gkv-beitragssatzstabilisierungsgesetz.
[16] Bundesministerium für Gesundheit, Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Bearbeitungsstand 16. April 2026, S. 2 und S. 61, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/S/RefE_BStabG_2026.pdf.
[17] Bundesregierung, „Rentenpaket 2025 in Kraft“, 1. Januar 2026, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rentenpaket-2025-2368678; Bundesregierung, „Regierungspressekonferenz vom 22. April 2026“, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierungspressekonferenz-vom-22-april-2026-2422734.
[18] Bianet, „Over 100 miners detained after march to Ankara over unpaid wages“, 21. April 2026, https://bianet.org/haber/over-100-miners-detained-after-march-to-ankara-over-unpaid-wages-318942.
[19] Volkswagen Group, „Agreement reached: Volkswagen AG positions itself competitively for the future“, 20. Dezember 2024, https://www.volkswagen-group.com/en/press-releases/agreement-reached-volkswagen-ag-positions-itself-competitively-for-the-future-18911.
[20] Reuters, „German union: agreed job cuts at Ford’s Saarlouis plant“, 7. Februar 2024, https://www.reuters.com/business/autos-transportation/german-union-agreed-job-cuts-fords-saarlouis-plant-2024-02-07/.
[21] Karl Marx: „Lohnarbeit und Kapital“, in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke (MEW), Bd. 6, Dietz Verlag, Berlin, S. 397-423, hier S. 411;
[22] Karl Marx: „Lohn, Preis und Profit“, in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke (MEW), Bd. 16, Dietz Verlag, Berlin, S. 101-152, hier S. 152.


Anhang: Quellenverzeichnis

Abrufdatum der Onlinequellen: 25. April 2026.

Bianet: „Doruk Madencilik işçileri hakları için beşinci kez Ankara’ya yürüyor“, 16. April 2026. https://bianet.org/haber/doruk-madencilik-iscileri-haklari-icin-besinci-kez-ankaraya-yuruyor-318801

Bianet: „Over 100 miners detained after march to Ankara over unpaid wages“, 21. April 2026. https://bianet.org/haber/over-100-miners-detained-after-march-to-ankara-over-unpaid-wages-318942

Bianet: „ÇSGB: Doruk Madencilik’te 36 milyon TL ödendi, kalanı haftaya“, 24. April 2026. https://bianet.org/haber/csgb-doruk-madencilikte-36-milyon-tl-odendi-kalani-haftaya-sendika-bunlara-karnimiz-tok-319066

T24: „Çalışma ve Sosyal Güvenlik Bakanlığı’ndan Doruk Madencilik açıklaması“, 24. April 2026. https://t24.com.tr/gundem/calisma-ve-sosyal-guvenlik-bakanligindan-doruk-madencilik-aciklamasi-iscilerin-alacaklari-yatiriliyor%2C1316698

Gazete Oksijen: „Maaşlarını alamayan madencilerin Ankara’daki eylemi sürüyor“, 24. April 2026. https://gazeteoksijen.com/turkiye/maaslarini-alamayan-madencilerin-ankaradaki-eylemi-suruyor-273404

The Real News Network: Christos Avramidis: „Inside Vio.Me, Greece’s only worker-managed factory that’s operated for over 10 years“, 8. März 2023. https://therealnews.com/inside-vio-me-greeces-only-worker-managed-factory-thats-operated-for-over-10-years

Jacobin: „Ours to Master and to Own“, 6. Oktober 2018. https://jacobin.com/2018/10/viome-self-management-factory-takeover-greece

Workerscontrol.net: „Bike Systems“. https://www.workerscontrol.net/experiences/bike-systems

InterSoZ: „StrikeBike“. https://intersoz.org/strikebike/

Reuters: „VW reaches union deal to cut 35,000 German jobs after talks“, 20. Dezember 2024. https://www.reuters.com/business/autos-transportation/rapprochement-between-volkswagen-union-wage-talks-sources-say-2024-12-20/

Volkswagen Group: „Annual Report & Full Year Results 2024“. https://www.volkswagen-group.com/en/annual-report-and-full-year-results-2024-19005

Volkswagen Group: „Collective bargaining: Volkswagen looks to employees to help safeguard its future“, 30. Oktober 2024. https://www.volkswagen-group.com/en/press-releases/collective-bargaining-volkswagen-looks-to-employees-to-help-safeguard-its-future-18804

Volkswagen Group: „Agreement reached: Volkswagen AG positions itself competitively for the future“, 20. Dezember 2024. https://www.volkswagen-group.com/en/press-releases/agreement-reached-volkswagen-ag-positions-itself-competitively-for-the-future-18911

Reuters: „German union: agreed job cuts at Ford’s Saarlouis plant“, 7. Februar 2024. https://www.reuters.com/business/autos-transportation/german-union-agreed-job-cuts-fords-saarlouis-plant-2024-02-07/

Bundesregierung: „Rede des Bundeskanzlers beim Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. – Banken öffnen Türen zum Kapitalmarkt“, 20. April 2026. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bk-rede-jahresempfang-banken-2422220

Deutscher Bundestag: „Regierung verteidigt Änderungen am Arbeitszeitgesetz“, hib-Meldung, 27. Januar 2026. https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1139670

CDU: „Flexiblere Arbeitszeitregelung“, Flugblatt, 9. Juli 2025. https://www.cdu.de/app/uploads/2025/07/Flugblatt_Flexiblere_Arbeitszeitregelung_2025.pdf

Bundesministerium für Gesundheit: „Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung“, Referentenentwurf vom 16. April 2026. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gkv-beitragssatzstabilisierungsgesetz

Bundesministerium für Gesundheit: Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Bearbeitungsstand 16. April 2026. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/S/RefE_BStabG_2026.pdf

Bundesregierung: „Rentenpaket 2025 in Kraft“, 1. Januar 2026. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rentenpaket-2025-2368678

Bundesregierung: „Regierungspressekonferenz vom 22. April 2026“. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/regierungspressekonferenz-vom-22-april-2026-2422734

Marx, Karl: „Lohnarbeit und Kapital“, in: Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke (MEW), Bd. 6, Berlin: Dietz Verlag, S. 397-423.

Marx, Karl: „Lohn, Preis und Profit“, in: Marx, Karl/Engels, Friedrich: Werke (MEW), Bd. 16, Berlin: Dietz Verlag, S. 101-152.