Ein Interview mit Piers Robinson von der Organisation for Propaganda Studies.

Nachdem die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons – OPCW) Mitte April einen Bericht veröffentlicht hat, wonach es „hinreichende Gründe für die Annahme“ gibt, dass die syrische Regierung im Februar 2018 einen Chemiewaffenangriff in der Stadt Saraqib durchgeführt hat – was Damaskus vehement bestreitet – sprachen wir mit Dr. Piers Robinson, einem britischen Akademiker, der den Syrien-Konflikt genau verfolgt. Er stellt immer wieder ausgesprochen unangenehme Fragen an westliche Obrigkeiten, deren Ziel ein Regierungssturz von Bashar Al Assad ist.

In diesem Interview haben wir Piers über die Hintergründe des Konflikts befragt, über die Probleme innerhalb der OPCW, die dazu geführt haben, dass ihre institutionelle Neutralität immer wieder in Frage gestellt wird, über den Mangel an investigativem Journalismus innerhalb der Mainstream-Medien und darüber, was die Menschen tun können, um sich besser über Situationen zu informieren, die letztlich zu Krieg und Zerstörung von Hunderttausenden von Leben führen. Piers spricht auch über die unerträglichen Medienangriffe, denen er ausgesetzt war, weil er unangenehme Fragen stellte.

Das vollständige Transkript finden Sie unterhalb des Videos.

Pressenza: So, willkommen an alle unsere Zuschauer, die sich heute zugeschaltet haben. Wir werden ein Interview mit Piers Robinson zu einem Thema führen, das in dieser Woche ein wenig unter dem Radar gefallen ist, als die OPCW einen Bericht veröffentlichte, der im Grunde die syrische Regierung für einen angeblichen Chemiewaffenangriff im Jahr 2018 in der Stadt Saraqib verantwortlich macht. Das wurde von allen Mainstream-Medien sozusagen akzeptiert, aber wenn man sich umschaut, sieht man, dass es diesbezüglich Bedenken gibt. Deshalb sprechen wir heute mit Piers Robinson von der Organisation for Propaganda Studies (OPS) in Großbritannien. Er wird uns von seiner Organisation erzählen und hoffentlich ein paar weitere Informationen geben, die uns dabei unterstützen, zu entscheiden, ob der OPCW-Bericht, nützlich ist oder nicht. Also Piers, vielen Dank, dass Sie unserer Anfrage für ein Interview nachgekommen sind. Wir sind sehr froh, Sie bei uns zu haben. Und bevor wir auf die Details des Chemiewaffenangriffs in Syrien eingehen, könnten Sie uns ein wenig über sich, Ihren Hintergrund und auch die Organisation erzählen?

Piers Robinson: Gern. Mein Werdegang: Ich war 20 Jahre lang Akademiker, oder 20 Jahre plus, wenn man meine Promotion mitzählt. Ich promovierte an der Universität Bristol, war dann an der Universität Liverpool, Manchester und später an der Universität Sheffield. In den letzten zwei Jahren war ich ein unabhängiger Forscher. Ich habe die Organisation for Propaganda Studies (OPS) aufgebaut, die sich immer noch in den Kinderschuhen befindet. Ich war sehr mit Angelegenheiten bzgl. der OPCW beschäftigt, was in den letzten zwei Jahren den größten Teil meiner Zeit in Anspruch genommen hat. Die OPS wurde im Wesentlichen von einer Gruppe von Akademikern und Forschern gegründet. Das Ganze entstand aufgrund meiner eigenen akademischen Tätigkeit, die mich aus dem Bereich der Außenpolitik, der politischen Kommunikation und dem Studium der Medien über viele Jahre hinweg zu einer gezielteren Auseinandersetzung mit dem führte, was wir historisch als Propaganda bezeichnen. Heute haben wir eine Reihe von Euphemismen dafür: Public Relations, politisches Marketing, strategische Kommunikation usw.…

Mein Interesse an dieser Thematik wird in gewisser Weise von einer normativen oder ethischen Besorgnis über die Art und Weise angetrieben, in der Propaganda demokratische Prozesse stört. In Demokratien, in denen Propaganda einen starken Einfluss hat, wird es für die Öffentlichkeit sehr schwierig, ihre Regierung zur Rechenschaft zu ziehen oder eine rationale, informierte Debatte zu führen. Die OPS wurde gegründet, weil ich und einige Kollegen das Gefühl hatten: Viele Wissenschaftler haben einen blinden Fleck, wenn es um Propaganda und Demokratien geht. Der Begriff Public Relations wurde von Eddie Bernays geprägt, um Propaganda umzubenennen, weil Propaganda in den 1950er Jahren einen schlechten Ruf hatte. Und so sind diese Techniken der Manipulation, die Täuschung und eine Vielzahl anderer Manipulationstechniken einschließen, in den heutigen Demokratien immer noch sehr aktuell, aber wir nennen sie anders. Und weil wir sie anders nennen, sind sich die Leute weniger bewusst, und selbst Akademiker sind sich weniger im Klaren darüber, wie bedeutsam diese Prozesse sind.

Die OPS wurde also errichtet, um mit der Zeit ein wachsendes Engagement von Akademikern und der Öffentlichkeit, für diese Fragen zur Propaganda zu fördern, aber auch die Idee, dass Propaganda nicht nur in autoritären Staaten oder historisch gesehen in Kriegszeiten stattfindet, sondern dass sie tatsächlich sehr lebendig ist und uns in unseren eigenen Demokratien umgibt.

Das ist die Daseinsberechtigung der OPS, aber wie ich schon sagte, ist es eine junge Organisation, und ich hatte nicht so viel Zeit, mich ihr zu widmen, wie ich es gerne getan hätte, weil ich mich in den letzten Jahren wirklich mit der OPCW und der Syrien-Frage beschäftigt habe, was den Löwenanteil meiner Zeit in Anspruch genommen hat.

Pressenza: Nun gut, befassen wir uns also näher damit, denn diese Woche hat die OPCW, wie ich in der Einleitung sagte, einen weiteren Bericht veröffentlicht, den die syrische Regierung sehr wütend zurückgewiesen hat. Und so bleiben wir mit dem Gefühl zurück, dass einer die Wahrheit sagt, und einer nicht. Aber bevor wir darauf eingehen, was wissen wir eigentlich über diesen speziellen Angriff, der 2018 in Saraqib stattfand?

Piers Robinson: Ja. Der von der OPCW herausgegebene Bericht, ihr Mechanismus zur Schuldzuweisung, das Team, das damit beauftragt wurde, die Urheberschaft für angebliche chemische Angriffe zu ermitteln, was bereits von dem OPCW-eigenen Untersuchungsausschuss überprüft wurde… Der Bericht des Ermittlungs- und Identifizierungsteams dieser Woche nimmt also im Wesentlichen den ursprünglichen Bericht des Untersuchungsausschusses über diesen angeblichen Angriff als Grundlage und weist dann die Schuld zu. Und in diesem Fall, wie Sie richtig anmerken, haben sie tatsächlich die syrische Regierung beschuldigt. Und das ist es, was diese Woche geschehen ist. In Bezug auf den Versuch, zu verstehen, wie es war, benötigen wir den Kontext. Der Kontext ist, seit dem chemischen Angriff in Ghouta 2013 – der immer noch umstritten ist – ist Syrien der Chemiewaffenkonvention beigetreten und führte eine Politik der Übergabe oder Zerstörung aller chemischen und biologischen Waffen durch.

Aber seitdem wurden von westlichen Regierungen und auch von ihren Verbündeten vor Ort in Syrien immer wieder Anschuldigungen erhoben, dass die syrische Regierung systematisch chemische Angriffe und einige Angriffe mit dem Nervengift Sarin im Lande durchführt. Und das ist ein regelmäßiges Merkmal der Anschuldigungen, die seit 2014 erhoben werden, die, wie Sie zu Recht betonen, die syrische Regierung, die russische Regierung bestreitet, dass sie dafür verantwortlich sind. Die westlichen Regierungen sagen, dass sie diese Angriffe durchführen. Und mittendrin die OPCW, die damit beauftragt wurde, diese Ereignisse zu untersuchen und dann darüber zu berichten.

Das ist also der breite Kontext. Es gibt eine Reihe von systematischen Behauptungen und Anschuldigungen, die im Laufe der Zeit erhoben wurden. Sie sind untersucht worden.

Jetzt, wo das alles sehr, sehr kontrovers geworden ist, und obwohl Sie Recht haben, auf den Bericht hinzuweisen, der gerade über Saraqib herausgekommen ist, war die wirklich große Kontroverse in den letzten zwei Jahren über den angeblichen Gegenangriff in Duma und was daraus folgte. Und das zugrundeliegende Problem ist, dass das Argument derjenigen, welche die OPCW-Untersuchungen und auch die Behauptungen der westlichen Regierungen in Frage stellen, darin besteht, dass die OPCW bei fast all diesen Vorfällen nicht in der Lage war, die Orte selbst zu besuchen. Sie waren in erster Linie darauf angewiesen, dass Gruppen vor Ort Informationen weitergeben, die aus Syrien an die OPCW gehen. Und die Kritik ist, die Informationen, die sie nehmen, um ihre Berichte zu erstellen und um im Wesentlichen ihre Behauptungen über den Einsatz chemischer Waffen zu begründen, alles Informationen sind, die von Gruppen geliefert werden, die nicht unabhängig in dem Konflikt sind. Sie sind effektiv mit kriegführenden Gruppen vernetzt, am bekanntesten natürlich die Weißhelme, die sich auch als syrischer Zivilschutz bezeichnen. Die Weißhelme waren ein wichtiger Teil dieser Informationsweitergabe. Die Kritik lautete, dass es sich dabei nicht unbedingt um verlässliche Informationen handelt, dass man, wenn man sich auf Fakten und Material verlässt, das von einer Seite in einem Konflikt produziert wird, um seine Berichte zu erstellen, es sich durchaus um Desinformation handeln könnte.

Und das ist der Kern dieser Besorgnis über lange die Zeit hinweg. Seit dem Ghouta-Angriff im Jahr 2013 gab es immer wieder Kritik, wer dafür verantwortlich war. Und natürlich hatte die Obama-Regierung 2013 eine rote Linie gezogen und wollte einen Angriff durchführen, aber Obama zog sich davon zurück, weil es innerhalb der US-Geheimdienste Zweifel gab, wer den Sarin-Angriff durchgeführt hatte.

Und Seymour Hersh, der amerikanische Journalist zu dieser Zeit, schrieb darüber, wie Rebellen- oder Oppositionsgruppen Sarin über die Türkei besorgt hatten usw. Diese Kontroverse hat es seitdem gegeben, aber dann, mit diesen Missionen des Untersuchungsausschusses und dem Chemiewaffenangriff, hat sich das über die Zeit aufgebaut und gipfelte in gewisser Weise mit dem Duma-Zwischenfall – und ich werde in einer Sekunde aufhören – im Jahr 2018, als dies ein Gebiet von Damaskus war, das kurz davor war, von den syrischen Regierungstruppen zurückerobert zu werden, und dann gab es einen angeblichen Angriff, bei dem etwas mehr als 50 Zivilisten getötet wurden. Und was bei diesem Vorfall anders war, abgesehen davon, dass es sofort Behauptungen gab, der Angriff sei inszeniert gewesen, die Russische Föderation behauptete, es sei ein inszenierter Angriff gewesen und so weiter, was fast sofort passierte, war, dass die syrische Regierung in der Lage war, dieses Gebiet zurückzuerobern, und dann wurde zum ersten Mal ein OPCW-Team tatsächlich vor Ort in Duma zugelassen, um tatsächlich zu untersuchen, was passierte.

Anstatt sich also stark auf die Weißhelme und die mit den Kämpfern verbundenen Gruppen für Informationen zu verlassen, konnten sie ein Team vor Ort einsetzen. Und das Team erstellte einen ersten Bericht darüber, was geschah. Und der Bericht, der jetzt öffentlich zugänglich ist, weil er durchsickerte, warf eine Menge sehr ernster Fragen darüber auf, ob überhaupt ein Angriff stattfand. Als dieser Bericht vom Duma-Team erstellt wurde, kam dann in der letzten Minute vor der Veröffentlichung jemand in der OPCW herein, veränderte heimlich den Bericht und versuchte dann, eine manipulierte Version zu publizieren. Und das führte sofort zu einem Streit innerhalb der OPCW, weil einer der Inspektoren, der an der Erstellung des Berichts beteiligt war, entdeckte, dass er verändert und manipuliert wurde. Dann gab es einen internen Protest. Und seitdem ist der Rest in gewisser Weise wirklich Geschichte. Es gab diese wachsende Kontroverse über die Manipulation der OPCW-Untersuchung im Fall von Duma, die zu undichten Stellen, zu Zeugenaussagen und zu Aussagen ehemaliger OPCW-Wissenschaftler usw. führte, die wirklich das Argument vorbrachten, dass die OPCW-Untersuchungen effektiv von westlichen Mächten instrumentalisiert wurden, um die Behauptungen zu untermauern, dass es die syrische Regierung ist, die derzeit Angriffe ausführt, und das, denke ich, deckt die wichtigsten Punkte ab, wo wir heute sind. Und natürlich ist dieser Bericht, diese Woche über Saraqib, es sind die gleichen Fragen, die sich auf Duma beziehen, auf diesen Bericht anwendbar. Sie haben Fragen darüber, was in der OPCW vor sich geht. Leidet sie unter dem unangemessenen Einfluss von Amerika, Großbritannien und Frankreich, von denen ich weiß, dass sie öffentlich behaupten, dass sie in dem Konflikt nur Zuschauer sind, aber ich denke, jeder weiß ganz genau, dass Frankreich, Großbritannien und Amerika schon sehr früh, seit 2011, versucht haben, die syrische Regierung zu stürzen.

Und das ist es, wo sich die Kontroverse heute abspielt, und zwar andauernd, aber wie Sie sagten, mit allen Parteien, die an ihren Waffen festhalten usw., die OPCW unter zunehmender Kritik, ich schätze, das ist der beste Weg, um es auszudrücken für das, was vor sich geht.

Pressenza: Ja, ich finde das sehr, sehr beunruhigend, weil die OPCW, die als Ergebnis der Chemiewaffenkonvention eingerichtet wurde, eine neutrale Organisation sein sollte, die eine bestimmte Aufgabe, eine Rolle hat, aber nicht Partei ergreift, ob die Schuld einer bestimmten Seite zugewiesen werden sollte oder nicht. Was passierte also innerhalb der OPCW, was diese Manipulation zulässt?

Piers Robinson: Nun, in gewisser Weise ist das nichts Neues. Wenn man sich die Kontroverse um die OPCW anschaut, wird man sehen, dass es eine Reihe von offenen Briefen gab, die von einer Reihe von internationalen Experten unterzeichnet wurden, aber José Bustani, der erste Generaldirektor der OPCW, war eine der Persönlichkeiten, die sich zu Wort meldeten und sagten, „dass in der OPCW etwas schief gelaufen ist, wir müssen auf diese Inspektoren hören, die sich innerhalb der Organisation zu Wort melden“. Natürlich wurde José Bustani im Vorfeld des Irak-Krieges von den Amerikanern aus der OPCW verdrängt. Und natürlich, wie die meisten Leute wissen, die Geschichte des Irak-Krieges, die Täuschung über Massenvernichtungswaffen, Bustani, der die OPCW leitete, wurde von den Amerikanern als jemand gesehen, der nicht mitspielte, und sie drängten ihn aus der Organisation. Und wirklich, ich denke, seither gibt es die Vermutung, dass die OPCW nicht richtig unabhängig von den USA ist, nicht richtig unabhängig von den USA und ihren Verbündeten, speziell in Bezug auf den Untersuchungsausschuss in Syrien. Und Sie können dies in Aussagen erkennen, die von ehemaligen und hochrangigen Beamten aus der Organisation aufkamen. Eines der Probleme innerhalb der OPCW in Bezug auf Syrien ist, dass die Untersuchung der angeblichen Vorfälle in Syrien von einem Ausschuss durchgeführt wurde, der nicht direkt der Verifizierungs- und Inspektionsabteilung unterstellt ist, glaube ich. Sie ist direkt dem Büro des Generaldirektors, der ODG, unterstellt. Und das bedeutet, dass normalerweise, wenn die OPCW etwas untersucht, die Wissenschaftler die Kontrolle über die Verifizierungs- und Inspektionsabteilungen haben sollten, aber bei der Syrien Untersuchung wurde sie vom Büro des Generaldirektors kontrolliert, und als Duma passierte, war der Kabinettschef ein britischer Karrierediplomat, Robert Fairweather. Seitdem ist Sébastien Braha, ein französischer Karrierediplomat, der Kabinettschef. Man hat also tatsächlich ein Potential für politische Einflussnahme auf die Operationen des Untersuchungsausschusses. Sie werden nicht wirklich auf die Art und Weise durchgeführt, wie die OPCW normalerweise Untersuchungen durchführen würde. Und natürlich, wenn man an das Personal denkt, offensichtlich französische Diplomaten, britische Karrierediplomaten, öffnet das die Tür für diese Art von politischem Einfluss auf das, was vor sich geht. Und ich denke, strukturell ist das im Kern das Problem. Ich könnte noch mehr sagen, und in der Arbeitsgruppe, in der ich Mitglied bin, haben wir Material darüber veröffentlicht, aber es gibt Personen, die eindeutig innerhalb der OPCW sind, aber eindeutig eng mit der britischen Regierung verbunden sind. Also zum Beispiel OPCW-Inspektoren, die auch einen britischen Ritterorden erhalten haben usw. Und wenn man in die Details geht, dann gab es eindeutig ein Problem, ein ernsthaftes Problem mit dem Personal und ihrer Beziehung zu Frankreich, Amerika und insbesondere Großbritannien, in diesem Fall, weil Großbritannien ein besonders wichtiger Akteur im Syrien-Konflikt war, in Bezug auf die strategische Kommunikation, usw. Und ich denke, das ist unser Kernproblem.

Es ist wichtig zu betonen, dass die OPCW zumeist sehr gute Arbeit leistet und die meisten ihrer Mitarbeiter engagiert sind und einen hervorragenden Job machen. Das Problem liegt hier bei den Untersuchungsausschüssen für Syrien und der Art und Weise, wie sie eingerichtet wurden, die sie anfällig für Einflussnahme gemacht hat, was, denke ich, der Kern ist, warum wir dieses Problem sehen, das wir bei den Vorwürfen zu chemischen Waffen sehen, dass es nicht objektiv ist – es ist nicht wirklich unabhängig. Und natürlich haben die Dinge mit Duma eine Art Siedepunkt erreicht, weil die Inspektoren vor Ort waren, sie kamen zurück, sie hatten eine Menge Fragen darüber, was wirklich passiert war, und dann wurden sie still gelegt, beiseitegeschoben, Berichte wurden geändert, und das führt zu dem, was man jetzt hat, nämlich dass es zwei Hauptinspektoren gibt, von denen bekannt ist, dass sie im Wesentlichen aufgedeckt haben, was passiert ist. Aber es gibt auch andere Leute innerhalb der Organisation, die auch mit Leuten wie mir und anderen Leuten darüber gesprochen haben, was vor sich ging.

Die Instrumentalisierung ist also eindeutig die beste Art, es zu beschreiben, die Instrumentalisierung der syrischen Untersuchungsausschüsse durch Frankreich, Großbritannien und die USA, hauptsächlich. Und natürlich sind sie in dem Konflikt federführend.

Pressenza: Was ich auch sehr beunruhigend an dieser ganzen Sache finde, als jemand, der von den unabhängigen Medien kommt, ist, dass ich vielleicht 10 oder 15 Minuten Recherche brauchte, um alle möglichen Artikel online zu finden, Seiten, welche die Alarmglocken darüber läuten lassen, aber irgendwie haben die Mainstream-Medien kein besonderes Interesse daran, das Narrativ zu hinterfragen, das von der OPCW gefüttert wird, in diesem Fall, aber eindeutig von Frankreich und Großbritannien, die versuchen, diese Berichte zu manipulieren. Was ist da los? Warum sind die Mainstream-Medien nicht daran interessiert, ihren Job zu machen und Themen wie diese hervorzuheben und ins Rampenlicht zu stellen?

Piers Robinson: Nun, ich denke, es gibt eine allgemeine Antwort und eine spezifischere Antwort auf diese Frage. Die allgemeine Antwort ist, dass, wenn man sich die politische oder die kritische politische Kommunikationsliteratur der letzten 40-50 Jahre anschaut, immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Mainstream-Medien sehr eng mit der politischen und wirtschaftlichen Macht verbunden sind, und ich schätze, Noam Chomsky und Edward Hermans Manufacturing Consent ist die bekannteste Artikulation dieses Arguments, aber viele andere Kommunikationswissenschaftler haben auch dieses Argument vorgebracht. Und wir wissen, dass die Mainstream-Medien, besonders wenn es um Außenpolitik geht, sehr risikoscheu sind. Sie sind sehr zurückhaltend, wenn es um Herausforderungen geht. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, von Patriotismus bis hin zur Abhängigkeit von offiziellen Quellen. Und das erklärt zum Teil die Tatsache, dass die Mainstream-Medien, wenn es um Krieg und Konflikte geht, dazu neigen, der Linie zu folgen. Und selbst in den kontroversen Kriegen, wenn man sich zum Beispiel den Vietnamkrieg ansieht, dauerte es lange, bis die amerikanischen Medien begannen, den Vietnamkrieg wirklich zu hinterfragen. Und erst nach der Tet-Offensive und danach, als es tatsächlich eine politische Auseinandersetzung über diesen Krieg gab, sah man, wie die amerikanischen Mainstream-Medien anfingen, diesen Krieg kritischer zu sehen.

Das Gleiche gilt für den Irak-Krieg 2003. Ein großer Teil der Mainstream-Medien unterstützte die Invasion und die Kontroverse entstand erst, nachdem die Invasion stattgefunden hatte. Wir wissen also, dass die Medien nicht dazu neigen, eine besonders unabhängige Rolle zu spielen, das ist noch milde ausgedrückt, wenn es um Außenpolitik geht, in diesem Fall, und wenn man Leuten wie Peter Hitchens zuhört, der einer der wenigen Mainstream-Journalisten ist, die über dieses Thema berichtet haben, sagt er, dass es bemerkenswert ist, dass selbst hier, wo es Whistleblower gibt und man Dokumente hat, eine sehr große Menge an Dokumenten, die verfügbar sind, es bemerkenswert ist, dass die Mainstream-Medien immer noch so zögerlich zu sein scheinen, sich damit zu beschäftigen. Und die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass ich denke, dass die Mainstream-Medien in den letzten Jahren in gewissem Sinne noch intensiver oder enger mit der politischen Macht verbunden sind, als sie es etwa zu Hermans und Chomskys Zeiten oder vor 20 Jahren waren. Wir wissen, dass die Mainstream-Medien eine sehr anfällige Branche sind, Journalisten mit kurzfristigen Verträgen, es gibt ein Problem mit „Churnalismus“, dem bloßen Wiederholen von Presse-Briefings. Ich denke, die Stärke und der Grad an Autonomie, den man zum Beispiel in Vietnam oder im Irak 2003 feststellen konnte, hat sich bei den Mainstream-Medien jetzt fast vollständig verflüchtigt. Und so sind sie sehr zurückhaltend.

Ich denke, die andere Seite dieses Arguments ist, dass es bzgl. des Kriegs in Syrien, unabhängig von der eigenen Position zum Krieg, sicherlich der Fall ist, dass die westlichen Medien sehr stark ein bestimmtes Narrativ darüber erworben haben. Und das geht nun schon seit sehr langer Zeit so. Und ich denke, dass die Mainstream-Medien, die eindeutig die Behauptungen der westlichen Regierung gestützt haben, eine Menge zu verlieren haben. Sie haben eine Menge an Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn sie zugeben, dass wir das vielleicht falsch verstanden haben. Es ist nicht wie mit dem Irak, wo die Invasion stattfand und alle Informationen herauskamen und die Medien sagten: „Nun, wir haben einen Fehler gemacht“, denn das war nur eine Phase von etwa einem Jahr, nicht wahr, die Vorbereitungen für die Irak-Invasion und dann direkt danach. Das geht schon so lange. Ich glaube also, dass das ein Faktor ist.

Die letzte Sache, die ich hinzufügen möchte und, ich bin ein gutes Beispiel dafür, ein wandelndes Fallbeispiel ein bisschen. Jeder, der Fragen zum Krieg in Syrien stellt, wird in den sozialen Medien auf das Heftigste angegriffen. Ich meine, als ich mit einigen Akademikern eine Arbeitsgruppe bildete, wurden wir sofort als Assadisten, Putinisten, Verschwörungstheoretiker, Kriegsverbrecherleugner beschimpft. Und das war wirklich ziemlich grausam. Ich meine, ich habe aufgehört, die Anzahl der Zeitungsartikel zu zählen, die von Huffington Post und der Times geschrieben wurden, die uns besonders dafür angreifen, dass wir Fragen stellen und nachforschen, selbst wenn wir jetzt, ich glaube, den letzten offenen Brief über die OPCW mit Admiral Lord West haben, der im Geheimdienst- und Sicherheitskomitee sitzt und ihn unterschrieben hat und öffentlich sagt, dass es ein Problem gibt. Er wird nicht als Assadist angegriffen, aber all die kleinen, mickrigen Würmchen wie ich, werden schwer angegriffen. Und das ist einschüchternd und schreckt viele Leute ab. Ich kenne einen Amerikaner, einen hochkarätigen Prominenten – etwas wurde von dieser Person in den sozialen Medien in Bezug auf Syrien gesagt – sie hatten noch nie in ihrem Leben und zu irgendeinem anderen Thema ein solches Ausmaß an Anfeindungen und Verleumdungen gesehen. Es gibt also eine sehr gut geölte Maschinerie da draußen, und wenn man Fragen aufwirft, selbst wenn man nur Fragen stellt, wird man sehr heftig attackiert. Und als Duma am 7. April 2018 passierte, hatte die Arbeitsgruppe, der ich angehöre, noch nicht einmal etwas über Syrien veröffentlicht. Ich definierte Fragen, die gestellt werden sollten, und an dem Tag, an dem die USA und die Franzosen und die Amerikaner Syrien bombardierten, am 14. April, das ist jetzt drei Jahre her, stand auf der Titelseite der Zeitung The Times: „Assadisten, die an britischen Universitäten arbeiten, Verschwörungstheoretiker, die leugnen, dass Assad Chemiewaffenangriffe durchführt“. Das war auf der Titelseite der Times. Es gibt auch einen Leitartikel, in dem im Wesentlichen gefordert wird, unsere Arbeit einzustellen, und dann waren da unsere Bilder drin, usw. Und das ist ein außerordentlich konzertierter Angriff auf eine fast unbekannte Gruppe von Akademikern, die einfach sagten, nun, es gibt einige Fragen über den syrischen Krieg, die wir stellen müssen – wie es Akademiker tun sollten. Und das Ausmaß dessen kann nicht unterschätzt werden. Ich habe Akten über die Angriffe und die Verleumdungen und einige von ihnen sind sehr unangenehm, Drohungen fast, über soziale Medien. Und das schreckt die Leute ab, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Leute denken einfach, ist das wirklich meine Mühe wert? Möchte ich mich wirklich darauf einlassen, über diesen Konflikt zu sprechen? Und es hat einen Effekt. Es bringt nicht jeden, aber eine Menge Leute zum Schweigen.

Ich glaube, sie schauen sich den Krieg an und denken einfach, ich habe Wichtigeres zu tun oder es lohnt sich nicht. Dieses Gefühl habe ich auch bei einigen meiner akademischen Kollegen, die mich gut kennen, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, die das Thema nicht anfassen. Ich habe einfach das Gefühl, dass sie denken: „Da will ich nicht hin“.

Pressenza: Eine vollkommene Cancel Culture! Ich möchte das Thema ein wenig wechseln, denn Pressenza, wir sind ein unabhängiges Medium, wir wollen verlässliche Informationen veröffentlichen, Informationen, denen die Menschen vertrauen können und die aus dem Blickwinkel kommen, die Vorteile des Friedens und der gewaltfreien Konfliktlösung zu zeigen, diese Art von Dingen tun wir, aber was können die Menschen, zumindest diejenigen, die ein wenig misstrauisch gegenüber den Informationen sind, die sie durch die Medien erhalten, was können sie tun, um sich besser vor der Propaganda zu schützen, die sie umgibt?

Piers Robinson: Nun, ich denke, in erster Linie müssen die Menschen wirklich lernen, dass die Mainstream-Medien sehr eng nur mit einer wirtschaftlichen Macht verbunden sind. Lesen Sie den klassischen Text, lesen Sie Herman und Chomsky. Lesen Sie auch die Mainstream-Versionen davon von Leuten wie Lance Bennett, dem amerikanischen Akademiker. Verstehen Sie, dass Sie, wenn Sie die Mainstream-Medien sehen, einen Blickwinkel auf dieses Thema bekommen, genauso wie jemand in China, der die chinesischen Staatsnachrichten sieht, einen Blickwinkel bekommt, usw. Es ist vielleicht nicht so propagandistisch, aber es ist immer noch ein Blickwinkel. Erkennen Sie das also zuallererst an. Und zweitens, vor allem wenn man bedenkt, was ich zuvor über den Zustand der heutigen Mainstream-Medien gesagt habe, müssen die Leute zu unabhängigen Medien wie Ihnen und Alternativen gehen und anfangen, sich umzuschauen und zu erkennen, dass es nützliche, wichtige Informationen in einer ganzen Reihe von Medien gibt, sogar in Russia Today und chinesischen und iranischen Medien. Schauen Sie sich das an. Schauen Sie sich die BBC an, aber schauen Sie auch sehr stark auf die Unabhängigen, denn die Unabhängigen sind wahrscheinlich die wichtigste Informationsquelle im Moment. Und natürlich müssen die Leute aufhören zu denken, dass sie alle Antworten bekommen, wenn sie sich nur ein oder zwei davon anschauen, aber man fängt zumindest an, die Vielfalt der Meinungen und Argumente zu sehen, die gemacht werden. Ich denke, die meisten Menschen haben die Intelligenz, Informationen zu sichten und sich nach einer gewissen Zeit ein eigenes Urteil zu bilden. Und die Menschen müssen wirklich Vertrauen in ihre eigene Intelligenz haben und Vertrauen in ihre eigene Fähigkeit, Informationen zu beurteilen. Und ich glaube, eines der Dinge, die ich in meiner Lehrtätigkeit an der Universität gesehen habe, war der Rückgang des unabhängigen Denkens und der Wunsch der Studenten, gesagt zu bekommen. „Na, was ist denn da los?“ usw. Aber ich denke, Demokratie erfordert, dass die Leute hart arbeiten, richtig? Die Leute müssen für sich selbst denken und nachdenken, aber das können sie auch. Und ich denke, wenn die Leute sich von ihrer Hingabe zu den Mainstream-Medien lösen, sich diese reiche Vielfalt an unabhängigen Medien da draußen ansehen, denken sie für sich selbst. Gehen Sie und schauen Sie sich die Originaldokumente an, die über die OPCW im Umlauf sind. Verlassen Sie sich nicht auf das Wort eines Journalisten oder auf mich. Schauen Sie sich einfach die Dokumente an, die verfügbar sind, und nutzen Sie dann ihre eigenen Erkenntnisse. Es ist harte Arbeit, aber das ist es, was Demokratie ausmacht. Ich denke, zur Demokratie gehört die harte Arbeit ihrer Bürger. Wenn wir apathisch sind, verlieren wir die Demokratie, oder nicht?

Pressenza: Vielen Dank für diese wirklich faszinierende halbe Stunde. Wir sind sehr dankbar, dass Sie uns für dieses Gespräch zur Verfügung standen, und ich bin ziemlich sicher, dass wir in Zukunft wieder mit Ihnen in Kontakt treten werden, um Sie nach anderen Dingen zu fragen, die Sie, Ihre Arbeitsgruppe und die OPS untersuchen. Ich danke Ihnen sehr.

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Anita Köbler vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!