Wehen und Geburt aus humanistischer Sicht

24.01.2021 - Barcelona - REHUNO - Red Humanista de Noticias en Salud

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Griechisch verfügbar.

Wehen und Geburt aus humanistischer Sicht

Bevor ich beginne, möchte ich auf die Verwendung von Gender in diesem Artikel hinweisen. Ich werde den Begriff Frauen verwenden, wenn ich mich auf Cis-Frauen beziehe, um deren spezifische Erfahrungen mit Wehen und Geburt anzusprechen. Dies steht nicht im Gegensatz dazu, dass auch transsexuelle Menschen gebären und dass Transfrauen ebenso Frauen sind.

Wehen und Geburt

Während den Wehen und der Geburt passieren zwei Erfahrungen zur selben Zeit; Geburtswehen sind die Erfahrung der werdenden Mutter, die Geburt ist die Erfahrung des Fötus, der zur Welt kommt.

Beide Erfahrungen umfassen Körper, Emotionen und Sinneseindrücke. Und sie beide werden von sozialen, kulturellen und historischen Faktoren beeinflusst.

Im Folgenden werde ich kurz darauf eingehen, wie Geburten historisch und kulturell behandelt wurden und darüber hinaus den Blick auf den Umgang mit den Körpern der Frauen richten.

Bis ins 20. Jahrhundert war die Geburt Teil eines Repertoires an Situationen, die in häuslicher und sozialer Umgebung stattfanden. Frauen waren während der Geburt unter sich und im Normalfall zuhause. Auf diese Weise mussten sie nicht ihre Kleidung, ihr Essen und ihr familiäres Umfeld aufgeben und konnten somit ihre Identität aufrechterhalten.

Als die Obstetrik im Westen zu einem medizinischen Fachgebiet wurde, verlagerten sich Geburten nach und nach in Krankenhäuser. Dies etablierte sich ab den 1950er Jahren vor allem in der städtischen Gesellschaft.

Die Aufnahme der Geburt in die Medizin hat das Verständnis dafür verändert, dass die Geburt eine menschliche Erfahrung ist. Die begleitende Fachkraft wurde zum Protagonisten, die sich darum bemühte, das „Leid“ der Frau zu mindern.

Seit den 1960er Jahren fordert die feministische Gesundheitsbewegung, den Frauen Selbstbestimmung über ihre Körper zu gewährleisten. Es ist zudem notwendig, dass sowohl Frauen als auch medizinisches Fachpersonal in der Lage sind anzuerkennen, dass Frauen befähigt sind, Kinder zu bekommen.

Welchen Standpunkt sollten wir als Humanisten gegenüber Wehen und Geburt einnehmen?

Ein humanistischer Ansatz bedeutet die Abschaffung von obstetrischer Gewalt, dazu zählen Missbrauch, psychischer Druck, körperliche und sexuelle Gewalt während der Geburt sowie brutale Routinehandlungen, die täglich weltweit zum Einsatz kommen. Zu diesen gehören der Einsatz von Chemikalien, um die Wehen abzukürzen, das stundenlange Liegen ohne Gesellschaft und Essen, das Ausüben von Druck auf den unteren Teil des Uterus und das Durchführen von vaginalen Schnitten und Kaiserschnitten, ohne dass diese notwendig wären. All diese Verfahren haben keine wissenschaftliche Grundlage, im Gegenteil, es wird sogar davon abgeraten, diese durchzuführen.

Wir müssen auf das Ideal hinarbeiten, dass alle Geburten respektvolle und sichere Erfahrungen sind. Darüber hinaus müssen alle Menschen der Welt vollwertige sexuelle und reproduktive Rechte besitzen, um sicherzustellen, dass die Geburten, die stattfinden, gewollt sind.

Humanisieren bedeutet, Tag und Nacht für die bestmögliche Geburtserfahrung zu arbeiten. Es bedeutet auch, die notwendigen Ressourcen zu beschaffen, was in diesem Fall heißt, in qualifizierte, gutbezahlte und reflektierte Fachkräfte zu investieren. Diese sollen durch angemessene Arbeitszeiten entlastet werden und Zugang zu Mitteln haben, um Gewalt zu bekämpfen – sowohl innerliche als auch sich gegen andere richtende Gewalt.

Humanisieren bedeutet, die Art, wie wir das Thema Geburt sehen, zu hinterfragen. Sobald unsere Sicht voreingenommen und starr wird und sobald eine Geburt in Zeit- und Terminpläne, in unsere Agendas eingeordnet werden muss, bedeutet das unweigerlich, dass wir Frauen in ihrer Autonomie nicht respektieren.

Jede einzelne Geburt ist eine Reise ins Unbekannte, eine menschliche Absicht, die in die Zukunft aufbricht, die ins Leben gerufen wird und eine Ursprungserfahrung. Es ist der Anfang eines Lebens, die Wiedergeburt einer Frau und einer Familie. Dies macht es zu einem sakralen und überwältigenden Moment.

Als medizinische Fachkräfte sollten wir es uns zur Aufgabe machen, diesen Moment zu begleiten und unser Bestes geben, die großartige Mission zu erfüllen, die uns anvertraut wurde. Der brasilianische Autor, Dichter und Arzt João Guimarães Rosa sagte einst:

„Ein Kind wurde geboren und die Welt hat erneut begonnen.“

Für eine Welt, die in so vieler Hinsicht einen Neuanfang benötigt, ist dies vielleicht ein Hinweis.

Übersetzung aus dem Englischen von Hannah Rheindt vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Gesundheit, International, Meinungen
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