Coronakrise – und was nun?

18.12.2020 - Olivier Turquet

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Italienisch verfügbar.

Coronakrise – und was nun?
(Bild von www.sedocfinance.net)

Wir befinden uns in einer Krise, das war von Anfang an klar. Aber sollten wir jetzt nicht endlich beginnen, ernsthaft darüber nachzudenken, wie wir damit umgehen?

Zu Beginn der Pandemie sah es aus, als würde sich ein allgemeines Gefühl der Läuterung durchsetzen. Die Menschen, oder vielleicht die gesamte Menschheit, schienen bereit zu sein, über ihren Lebensstil nachzudenken, Problemen auf den Grund zu gehen und von nun an besser leben zu wollen. Allerdings scheiterte dieser Vorsatz im Sommer kläglich. Der Lockdown war vergessen und viele kehrten zum „normalen“ Leben zurück. Alles schien wie vorher oder sogar schlimmer als vorher.

Dies mutet wie ein mechanistisches Weltbild an, nach dem eine Person oder Personengruppe auf vorhersehbare Weise reagiert, wenn sie einer bestimmten Situation ausgesetzt ist. Auf der einen Seite sind da die Optimisten. Sie glauben an das Gute im Menschen und sind demzufolge zuversichtlich, dass gute Dinge geschehen werden. Auf der anderen Seite stehen die Leugner, die alles negieren und versuchen, Reaktionen so zu verdrehen, dass sie in ihr eigenes Weltbild passen. In beiden Fällen haben wir es mit Ursache und Wirkung zu tun, einem Reaktionsstimulus, einem instinktiven Reflex. Wie das Wasser, das uns im Mund zusammenläuft, wenn wir leckeres Essen sehen. Oder wie bei altbackener Werbung, in der eine schöne Frau mit einem Bier gezeigt wird, das alte Männer dann trinken.

Eine solch primitive Sichtweise auf die Menschen negiert das Subjektive oder grenzt es zumindest stark ein. „Deine Tapeten sind geblümt, aber du darfst wählen, welche Blumen du möchtest.“

Diese Sichtweise löscht im Grunde die Geschichte der Menschheit aus, die widersprüchlich, tragisch, aber immer in Evolution war und ist. Denn sie erklärt weder die Prozesse der Befreiung noch die radikalen Veränderungen der Mentalität, weder die Revolutionen noch die Entdeckung neuer Welten und Wechselwirkungen.

Diese Sichtweise führt gute Menschen in die Irre und zu dem Glauben, dass „hinter“ all dem, was gerade geschieht, ein „Komplott“ stecken muss. Sie glauben, dass da irgendwo wichtige Herren an einem Tisch sitzen, die aktuelle Situation analysieren und überlegen, wie sie auf spekulative, autoritäre Weise das Weltgeschehen zu ihrem Vorteil beeinflussen können.

Nach der Sichtweise des Universalhumanismus hingegen wird als Reaktion auf ein bestimmtes Phänomen die Antwort vom Wissen und Gewissen erst strukturiert. Dahinter verbirgt sich eine humanistische Absicht, die sich mit anderen humanistischen Absichten in eine Beziehung setzt und so vielfältige Reaktionsmöglichkeiten hervorbringt. Die Welt (in diesem Sinne also die anderen Absichten) stellt ihre Bedingungen, aber das Gewissen wählt seine eigenen, also letztendlich andere. Und mit dieser alternativen Wahl beeinflusst es die Absichten der anderen und trägt so dazu bei, die Welt zu verändern.

Benenner von tausend Namen, Schöpfer von Sinn, Wandler der Welt… deine Eltern und die Eltern deiner Eltern dauern in dir fort. Du bist kein herunterfallender Meteorit, sondern ein leuchtender Pfeil, der zum Himmel emporfliegt. Du bist der Sinn der Welt und wenn du deinen Sinn erhellst, erleuchtest du die Erde. Wenn du deinen Sinn verlierst, verfinstert sich die Erde und der Abgrund öffnet sich.

Ich werde dir sagen, was der Sinn deines Lebens hier ist: die Erde menschlich machen! Was bedeutet die Erde menschlich machen? Es bedeutet Schmerz und Leiden zu überwinden, immer weiter zu lernen und die Wirklichkeit, die du aufbaust, zu lieben. (1)

Im Streben, die Welt menschlicher zu machen, haben Verschwörungen keinen Platz. Vielmehr glauben wir an eine Art Schlagabtausch menschlicher Absichten. Wir glauben an die Freiheit sowie die Notwendigkeit und die Dringlichkeit unseres Tuns.

Da wir die Krise als solche erkennen, interpretieren wir sie als ein System aus Werten und Gegenwerten. Diese Werte kämpfen unerbittlich gegeneinander an und dabei werden furchtbare Eigenschaften wie Selbstherrlichkeit, Arroganz, Gewalt und Verachtung sichtbar.

Da wir uns mit der Krise auseinandersetzen, sehen wir aber auch erste Anzeichen eines neuen Wertesystems, das sich mühsam, aber doch konstant verbreitet und in der Gesellschaft zu etablieren versucht, mit Werten wie Freiheit, Gewaltlosigkeit, Willkommenskultur, Solidarität, Engagement für das Gemeinwohl und Aufmerksamkeit für jeden einzelnen Menschen und dessen Umfeld.

„Und was sollen wir nun tun?“, könnte jemand fragen.

Allem voran identifizieren wir die Verantwortlichen: multinationale Pharmakonzerne, die mit den derzeitigen Bedürfnissen spekulieren. Wirtschaftliche Interessen, die nach dem Prinzip „rette sich wer kann“ agieren. Zerstörerische Finanzspekulationen, die ihr Spiel völlig losgelöst von der realen Wirtschaft treiben. Regierungen und Institutionen weltweit, die unfähig sind, Prioritäten in der richtigen Reihenfolge zu setzen. Gewaltbereite Denkweisen, die den humanistischen Gedanken einschränken.

Dann legen wir die Prioritäten fest: Die Gesundheit aller steht vor jeder weiteren Überlegung. Außerdem steht die Gesundheit der Menschen in einem engen Zusammenhang mit der Gesundheit des Planeten, denn dort, wo die Umwelt krank ist, erkranken auch mehr Menschen. Sobald wir den Planeten und die Menschen als Priorität betrachten, können schon einige einfache Notfallmaßnahmen umgesetzt werden, die spezifische Probleme angehen, während an längerfristigen, strukturellen Lösungen gearbeitet wird. Wir müssen aufhören, nur Löcher zu stopfen und das Fundament für ein neues System sozialer, menschlicher und wirtschaftlicher Beziehungen legen.

Und was kann jeder Einzelne dafür tun? Wir können das Engagement für die radikale Klimawende unterstützen. Wir können freien Zugang zu medizinischer Versorgung mit kostenlosen Behandlungen und Impfungen verlangen, nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch im Interesse der Regierungen, weil wir uns nicht endlos bei Pharmakonzernen verschulden können. Denn diese Pharmakonzerne werden schon seit Jahren von internationalen Organisationen finanziert, die ebenso gut Behandlungen und Impfungen entwickeln könnten, ohne von irgendjemandem Geld verlangen zu müssen. Vor allem aber sollten wir dem Paradigma der Humanisierung folgen, bei dem der Mensch den zentralen Wert darstellt, bei dem Gewaltlosigkeit zum konkreten Standardverhalten wird, bei dem das Streben nach Gemeinwohl den Weg in eine neue Welt ebnet. Denn dieser Weg, der aus den Trümmern des Verfalls herausführt, ist dringend notwendig.

(1) Silo: „Die Erde menschlich machen“ (Edition Pangea)

 

Die Übersetzung aus dem Italienischen wurde von Jeanette Carolin Corell vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige! 

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, Meinungen
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