Brasilien: Taskforce initiiert Kampagne zur Bekämpfung häuslicher Gewalt während sozialer Isolation

11.04.2020 - Sul21 - Redação São Paulo

Dieser Artikel ist auch auf Portugiesisch verfügbar.

Brasilien: Taskforce initiiert Kampagne zur Bekämpfung häuslicher Gewalt während sozialer Isolation
„Nachbarschaftliches Netzwerk gegen Gewalt: Meine Nachbarin, ich höre dir zu, ich beschütze dich, ich zeige an!“

Aufgrund der wahrscheinlichen Zunahme von Fällen häuslicher Gewalt gegen Frauen, Kinder und Jugendliche, während der soziale Isolation als Folge der Covid-19 Pandemie, hat die Taskforce zur Bekämpfung der Femizide beschlossen, eine Kampagne zu starten. Ziel ist es, die Gesellschaft für ein gewaltfreies Brasilien zu mobilisieren.

Gewaltsituationen können über ein Netzwerk, genannt „Nachbarschaftliches Netzwerk gegen Gewalt: Meine Nachbarin, ich höre dir zu, ich beschütze dich, ich zeige an!“ gemeldet werden. Inspiriert wurde die Initiative durch Kampagnen internationaler Menschenrechtsorganisationen, welche sich verstärkt für eine solidarische und aufmerksame Nachbarschaft einsetzen, in der Fälle von Gewalt umgehend den Behörden gemeldet werden.

Einberufen wurde die Taskforce durch den Abgeordneten Jeferson Fernandes (PT, Arbeiterpartei), Präsident der Kommission für Sicherheit und Öffentlichen Dienst im Legislativrat. Laut Fernandes ist es gerade in diesen Zeiten fundamental, die Gesellschaft für die Bekämpfung von häuslicher Gewalt zu ermutigen und zu mobilisieren: „Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens führen unweigerlich zu Spannungen in den Familien. Diese wirken sich negativ auf die Raten von Gewalt gegen Frauen, Kinder, Jugendliche aus. Diese sind möglicherweise gezwungen, ohne Unterbrechung mit der gewaltanwendenden Person unter einem Dach zu leben. Die Behörden sind verpflichtet, jene Betroffenen aus einer solchen Situation herauszuholen. Das Engagement aller ist diesbezüglich von hoher Bedeutung, es ist eine Pflicht für unsere Gesellschaft, derer sich alle bewusst sein sollten“.

Die Koordinatorin der Taskforce, die Rechtsanwältin Ariane Leitão, betont, dass häusliche Gewalt eine schwerwiegende Konsequenz der sozialen Isolation ist und in allen Teilen der Welt nun verstärkt stattfindet. „Die Anzahl von Scheidungen und Gewalttaten in China hat sich beispielsweise verdoppelt, ebenso wie in Europa. Die Idee ist es, die Bevölkerung diesbezüglich zu sensibilisieren und dazu einzuladen, Teil eines Aktionsnetzwerkes zu werden. Außerdem wird versucht, die Gesellschaft in die Bekämpfung häuslicher Gewalt, die uns alle betreffen könnte, einzubinden. Die „Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen“ hat kürzlich an Regierungen appelliert, Notmaßnahmen zu ergreifen, die explizit Frauen und ihre Familien in Zeiten der Covid-19 Pandemie schützen. Unsere Kampagne zielt darauf ab, diese Notwendigkeiten zu erkennen und außerdem die Meldesysteme häuslicher Gewalt zu verbessern“, sagt Ariane Leitão.

Die Taskforce wirkt außerdem an einer Unterschriftensammlungsaktion für den Schutz von brasilianischen Frauen mit. Die für einen öffentlichen Brief gesammelten Unterschriften sind Teil einer Initiative von Aktivist*innen und Behörden aus ganz Brasilien. Die von der Bewegung geforderten Notmaßnahmen in den Zeiten von Covid-19 sind folgende:

  • Aufnahme der von familiärer und häuslicher Gewalt betroffenen Frauen in das Grundeinkommensprogramm der Nothilfe, welches ihnen eine finanzielle Unterstützung von monatlichen R$ 1.200,00 (ca. 342 Euro) zusichern würde.
  • Organisation von Schutzeinrichtungen für Betroffene von häuslicher und familiärer Gewalt. Diese Einrichtungen ermöglichen andere Maßnahmen für direkt und indirekt Betroffene wie eine umgehende Versorgung der menschlichen Grundbedürfnisse. Die Unterbringung von Betroffenen aufgrund der sozialen Isolation muss unabhängig von Zuständigkeiten des Staates oder der Präfekturen und unabhängig von kollektiven oder privaten Besitzverhältnissen erfolgen.
  • Bereitstellung von Notfallhotlines (neben den Meldesystemen) für Betroffene von Gewalt und deren betroffenes Umfeld.

Laut den Organisator*innen der Bewegung wurde der öffentliche Brief schon an den Präsidenten der Abgeordnetenkammer und an den Präsidenten des Senats gesandt. Die Umsetzung der genannten Forderungen wird nun angegangen.

Die zum öffentlichen Brief dazugehörige Online-Petition ist hier abrufbar.

Die Übersetzung aus dem Portugiesischen wurde von Rufus Dahm vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Gender und Feminismen, Südamerika
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