Ein Kommentar aus Zambia

13.01.2020 - Sabine Schmitz

Ein Kommentar aus Zambia
(Bild von Pixabay)

Zambia, die  Heimat der mächtigen Viktoriafälle. Als ich Anfang der 2000er Jahre ein humanistisches ehrenamtliches Projekt in Zambia unterstützt habe, begegnete ich MM (aufgrund der politischen Situation in Zambia bleibt der Interviewpartner zu seinem Schutz anonym). Ich habe ihn gefragt, ob er bereit ist ein Interview für Pressenza zu machen. In diesem Interview spricht er über die momentane Situation seines Landes. (Sabine Schmitz)

 

Was möchtest du uns über dein Land erzählen?

MM: Mein Land Zambia liegt im südlichen Afrika, es war eine britische Kolonie, bis es 1964 unabhängig wurde. Wir sind also seit 56 Jahren unabhängig. Gemeint ist die politische Unabhängigkeit, da wir wirtschaftlich sehr von den Geldgebern abhängig sind, selbst kulturell sind wir von der westlichen Kultur beeinflusst. Unser Wert, so wie er ist, wird minderwertiger als die westliche Kultur angesehen.

Was mir an Zambia gefällt sind zunächst einmal die guten Menschen dieser großen Nation. Die Zambianer sind gastfreundliche, friedliche und gut gesinnte Menschen gegenüber Ausländern, Flüchtlingen, Touristen und Investoren. Wahrscheinlich wegen unseres Gründungspräsidenten Kaunda, der die humanistische Philosophie propagierte. Er wollte den Menschen in den Mittelpunkt stellen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Religion etc.

Mein Land ist reich an natürlichen Ressourcen wie Mineralien, Wildparks, Wäldern usw. Die meisten Monate des Jahres ist das Wetter gut. Daher bietet es Ausländern und einheimischen Investoren eine Menge Investitionsmöglichkeiten.

Wie ist die derzeitige politische Situation in Zambia:

MM: Die politische Situation in Zambia ist immer brisant. Die Politiker beginnen den Wahlkampf ab dem Tag der Bekanntgabe der Wahlen bis zu den nächsten Wahlen. Das ist so, weil die regierende Partei alles im Land kontrolliert, die Polizei und die Armee, die Justiz, die Medien und die Ressourcen des Landes. Die Politiker setzen alle möglichen Methoden ein, um gewählt zu werden oder an der Macht zu bleiben und Korruption ist der einfachste Weg, um Stimmen zu kaufen, besonders die regierende Partei. Die Regierung blockiert dann den politischen Handlungsspielraum der Opposition, indem sie koloniale Regeln, das Gesetz zur öffentlichen Ordnung der 50er Jahre und die Polizei benutzt und restriktive Mediengesetze einführt. Einige Medienanstalten wurden wegen Kritik an der Regierung geschlossen.
Personen wurden wegen ihrer kritischen Stimmen verhaftet, andere wurden unglücklicherweise wegen ihrer politischen Ansichten getötet. Die Regierungspartei Patriotic Front hat Führungskräfte, die selbst das Gesetz sind. Sie sind mächtiger als die Polizei und können tun, was immer sie wollen. Kurzum, die Situation ist schlecht.

Was läuft deiner Meinung nach in die falsche Richtung?

MM: Vieles ist schief gelaufen, erstens ist die Wirtschaft sehr, sehr schlecht und zweitens ist die Korruption ein Krebsgeschwür. Ich werde die beiden Themen erläutern. Unser Land hat aus guten Gründen Kredite aufgenommen, um Infrastrukturen wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Flughäfen usw. zu errichten, aber sie haben zuviele Kredite aufgenommen, und in diesem Infrastrukturgebilde herrscht Korruption. Verträge werden an Freunde der regierenden Partei vergeben und die Preise steigen.

Zum Beispiel wurden 42 Feuerwehrautos für 42 Millionen Dollar eingekauft, obwohl auf dem internationalen Markt ein Feuerwehrauto 300.000 Dollar kostet. Dieses Geld, das sie gestohlen haben, wird von Zambianern beglichen werden. Jetzt kann die Regierung die Angestellten nicht mehr zahlen, wie zum Beispiel die Angestellten im Sozial- und Gesundheitsbereich, wie auch im Bildungsbereich. Das meiste vom Haushaltsbudget wird genutzt um Schulden zurückzuzahlen. Die Regierung hat kein Geld, um in Produktionsbereiche zu investieren. Als Ergebnis davon gibt es keine Arbeit für die jungen Leute, auch nicht, wenn sie ausgebildet sind.

Unsere Währung hat an Wert verloren, der Treibstoff wurde erhöht. Der Strom ist um 200 Prozent gestiegen. Lebensmittel sind teuer geworden, die Löhne sind niedrig geblieben.

Entmutigend ist das große Schweigen der Bürger, Sie haben Angst vor Konsequenzen, wenn sie die Regierung kritisieren. Die Leute, die das Land ruiniert haben sind sehr wenige. Wir haben sie mehrheitlich gewählt, aber sie hören uns nicht mehr zu.

Welche Vorschläge hast du? 

MM: Die internationale Gemeinschaft, insbesondere die westlichen demokratischen Länder sollten sich nicht davor verstecken sich in innere Angelegenheiten von Ländern einzumischen, die die Rechte ihrer Bürger verletzen, die sie schützen sollen. Den afrikanischen Ländern sollte dabei geholfen werden, demokratische Institutionen, gute Verfassungen und Kapazitäten der Justizpolizei usw. aufzubauen und zu stärken. Demokratie ist nicht nur das regelmäßige Abhalten von Wahlen.

Es gibt eine sehr große Kluft zwischen den reichen und den armen Ländern und zwischen den Bürgern armer Länder. Die Welt hat mehr als genug Ressourcen, um die ganze Welt zu ernähren, so dass niemand hungrig schlafen gehen muss und alle Kinder zur Schule gehen können, was aber durch den egoistischen Kapitalismus verhindert wird. Die westlichen Länder sollten in Afrika investieren, dort wo es keine verfügbaren Ressourcen gibt. Auf diese Weise würde sogar die Migration nach Europa aufhören.

Lasst die afrikanischen Länder für ihre Ressourcen und Produkte die Preise selbst festlegen, anstatt von der Londoner Metallbörse. Es gibt viel Kupfer in Zambia, sie kommen und holen sich dieses Kupfer, um Elektroautos zu bauen.

Dieser Kampf für Gerechtigkeit und Menschlichkeit sollte in jedem Land  weitergeführt werden. Die Hoffnung ist immer noch da, vielleicht wird eines Tages alles gut werden,

Eine große Umarmung für Alle!

MM

 

 





            
            
            
Kategorien: Afrika, Europa, International, Interviews, Kultur und Medien, Menschenrechte, Politik
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