Über den Rücktritt von Evo Morales und den Staatsstreich in Bolivien

12.11.2019 - Redacción Chile

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Über den Rücktritt von Evo Morales und den Staatsstreich in Bolivien
(Bild von ABI)

Der Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Evo Morales und des Vizepräsidenten Álvaro García Lineras ist ohne Zweifel ein bedauerlicher Vorfall, und dies nicht nur für Bolivien, sondern für alle demokratischen Prozesse auf dem Kontinent und in der Welt. Die internationale Ablehnung war kategorisch im Bezug auf den Staatsstreich, welcher am Montag, den 10. November, in unserem brüderlichen Land durchgeführt wurde.

Von José Gabriel Feres*

Dies geschah nach der Entscheidung von Evo Morales und seiner Regierung, zu Neuwahlen aufzurufen, um die Krise im Land zu bewältigen. Es war eine entschiedene Reaktion, die keine Kompromisse akzeptierte, sondern das Beste für die Bevölkerung erstrebte. Es war eine Reaktion, welche zweifelsohne der tiefen humanistischen Sensibilität Morales zu Grunde lag, so auch sein erzwungener Rücktritt, um das Blutvergießen seines Volkes zu verhindern. Ein Volk, welches bereits Opfer von Verfolgung und Ermordungen durch Gruppierungen der Polizei und paramilitärischer Banden wurde, angestoßen und finanziert durch faschistische Gruppen des bolivianischen Ostens.

Einige politische Verhaltensweisen des Präsidenten hätten sicherlich Diskussionsgrundlage sein können, sogar für seine Anhänger und Unterstützer, zermürbt von 13 Regierungsjahren. Seine Entscheidung jedoch, Neuwahlen zu fordern, hat ihn zweifelsohne an Größe gewinnen lassen und sie dient als Vorbild dafür, dass Konflikte dieser Größenordnung nur mit mehr Demokratie gelöst werden können.

Die Tatsache, dass der Staatsstreichs durchgeführt wurde, obwohl Evo Morales bereits zu Neuwahlen aufgerufen hatte, erklärt sich nur damit, dass von Vornherein die klare Absicht bestand, seiner Regierung ein Ende zu setzen und nicht das Risiko einzugehen, dies demokratisch zu lösen. Wie kann man die Gelegenheit nicht nutzen, seinen Sturz mit Gewalt zu gewährleisten!

Leider müssen wir erneut in Lateinamerika die Gewalt antihumanistischer Sektoren miterleben, die nicht gewillt sind, ihre Privilegien aufzugeben, und denen Lügen, Boykotte, die Bestechung von Politikern und Köpfen sozialer Bewegungen unter Komplizenschaft und Duldung der Justiz etc. nicht ausreichen und die schließlich auf Bereiche der Streitkräfte zurückgreifen, um Staatsstreiche durchzuführen und den Fortschritt der Demokratie zu verhindern.

Ich bin mir sicher, dass diese Situation, die zweifellos großes Leid verursachen wird, die letzten Atemzüge eines sterbenden Systems vor seinem kompletten Verschwinden sind, da die Menschen ihre gestohlene Freiheit wiedererlangen und ihr Schicksal in die Hand nehmen werden, um eine bessere Zukunft für alle zu ermöglichen.

Zu guter Letzt ist es unerklärlich, dass die chilenische Regierung – ebenso wie die Regierungen Perus, Argentiniens und Brasiliens – dem Flugzeug, in dem sich Evo Morales und Alvaro García Lineras befanden (nach bolivianischen journalistischen Quellenangaben), den Eintritt in ihren Luftraum verweigert haben, da sie damit deren Recht, Asyl zu ersuchen, erschwerten haben und sie so der politischen Gewalt ausgesetzt sind, die ihre Putschgegner gegen sie ausüben.

* Vizepräsident der Humanistischen Partei

Die Übersetzung aus dem Spanischen wurde von Wiebke Scheffler aus dem ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Politik, Pressemitteilungen, Südamerika
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