Wir brauchen nur 12 Millionen Amerikaner für einen transformativen Wandel

05.08.2019 - David Andersson

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch verfügbar.

Wir brauchen nur 12 Millionen Amerikaner für einen transformativen Wandel
(Bild von tedeytan CC: No Muslim Ban 2, Washington DC, USA)

In einem aktuellen Podcast mit dem Titel „How Only 3,5% of a Population Can Change Society“ („Wie nur 3,5 % einer Bevölkerung deren Gesellschaft verändern kann“) interviewte Sonali Kolhatkar Professor Erica Chenoweth, Co-Autorin des Buches „Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict“ („Warum ziviler Widerstand funktioniert: Die Strategische Logik gewaltfreier Konflikte“). Das Buch beschreibt eine Studie über weltweite Massenkampagnen des gewaltfreien Widerstands gegen Tyrannei und Kolonialismus von 1900 bis 2006. Dabei stellten die Autoren fest, dass die gewaltfreien Protestbewegungen mehr als doppelt so effektiv waren, um ihre erklärten Ziele zu erreichen, wie Bewegungen, die Gewalt anwendeten. Die Studie kam auch zu dem Schluss, dass eine gewaltfreie Bewegung die Beteiligung von nur durchschnittlich 3,5% der Bevölkerung erfordert, um erfolgreich zu sein. Für die USA würde das etwa 12 Millionen Menschen bedeuten.

Irgendwann in unserer gemeinsamen Geschichte können wir uns alle an eindrucksvolle Erfahrungen gewaltfreier Organisation erinnern. Mitte des letzten Jahrhunderts stellten beispielsweise die Gewerkschaften 40 % der Arbeitskräfte, und dank dieser Bewegung erhielten wir die 40-Stunden-Woche, Tarifverhandlungen und Sozialversicherung. Auch die afroamerikanische Gemeinschaft hatte während der Bürgerrechtsbewegung großen Erfolg mit gewaltfreien Aktionen wie der Stimmrechtskampagne.

Man stelle sich vor, Politiker und Organisationen würden ihre Energien und Ressourcen nicht darauf verwenden, ihre Macht zu zementieren und das Status Quo zu erhalten, sondern darauf, Menschen zu organisieren und zu mobilisieren. Der Gedanke ist wunderbar, aber dies auch in die Tat umzusetzen, ist eine andere Geschichte. Heute hat der Individualismus das soziale Gefüge zerstört, die Menschen fühlen sich entmachtet und Stress, Angst und Nihilismus beherrschen die Gesellschaft mehr als je zuvor. Selbstmordraten steigen und Drogenabhängigkeit ist auf Rekordniveau – ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Kann sich die heranwachsende Generation wieder mit dieser uns allen eigenen Menschlichkeit verbinden? Haben die Jugendlichen in Hongkong, die für Demokratie kämpfen, die Schüler in Europa, die jeden Freitag „streiken“, um Druck auf die Politik auszuüben, endlich etwas gegen den Klimawandel zu tun, und die jungen Menschen in den USA, die den „March for our Lives“ gegen Waffengewalt organisiert haben, etwas gemeinsam?

Es gibt Anzeichen dafür, dass etwas in Bewegung ist, sie mögen verschiedene Formen annehmen oder sich um verschiedene Themen drehen, aber die Methode, die ihnen zu Grunde liegt, ist die gleiche: gewaltfreie Mobilisierung, die versucht, eine kritische Masse zu erreichen. Sie alle teilen das Verständnis, dass niemand ein Problem allein lösen kann und dass sich nichts ändern wird, bis die etablierten Kräfte durch eine neue Gruppe von Menschen mit einer neuen Sensibilität und einem anderen Wertesystem abgelöst werden.

 

Das komplette Interview ist in Englisch auf Vimeo verfügbar und enthält den folgenden Zusatztext (übersetzt):

„Zu Gast ist Erica Chenoweth, Professorin für Public Policy an der Harvard Kennedy School und eine Susan S. und Kenneth L. Wallach Professorin am Radcliffe Institute for Advanced Study. Sie ist zusammen mit Maria Stephan Autorin des einflussreichen Buches „Warum ziviler Widerstand funktioniert: Die strategische Logik gewaltfreier Konflikte“. Ihr nächstes Buch heißt „Ziviler Widerstand: Was jeder wissen muss“.

Hintergrund: London, England, ist das Epizentrum einer wachsenden globalen Bewegung zur Bekämpfung des Klimawandels mit einer gewaltfreien Rebellion an der Basis, die wächst und engagiert fordert, dass Politiker den Klimanotstand erklären und schnell handeln. Extinction Rebellion hat das Interesse der Öffentlichkeit geweckt und eine breite Schneise in die Gesellschaft geschlagen, um einen Wandel zu fordern.

Roger Hallam, der Gründer von Extinction Rebellion, nannte als eine seiner Inspirationen die Arbeit eines Harvard-Professors, der (oder die) über die Wirksamkeit großer gewaltfreier Protestbewegungen schrieb.“

 

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Evelyn Rottengatter aus dem ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

Kategorien: Gewaltfreiheit, Meinungen, Nordamerika
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