Gute Nachrichten Teil 3 – Der Hoffnungsquickie

09.07.2019 - Felix Feistel und Elisa Gratias, Rubikon - Pressenza Berlin

Gute Nachrichten Teil 3 – Der Hoffnungsquickie
(Bild von Brockenhexe from Pixabay | CC0)

Die Welt ist ein schlechter Ort. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sie durch das mediale Brennglas betrachtet. Katastrophen, Kriege, Lügen, Heuchelei und Zerstörung bestimmen die vermittelte Realität. Obwohl jedem bekannt sein dürfte, dass diese nur ein stark vergrößerter Ausschnitt der Wirklichkeit ist, übernehmen sie viele allzu häufig als einzig mögliches Weltbild.

Daher hat sich die Mutmach-Redaktion entschlossen, in regelmäßigen Abständen gute Nachrichten in die Weltuntergangsszenarien einzustreuen. Denn: Es geschehen auch Wunder, Erfolge und erfreuliche Ereignisse, diese verkaufen sich nur nicht so gut, wie die unter einem reißerischen Titel vorgetragene Katastrophe. Gute Nachrichten erfordern keine tiefgehende Analyse, deshalb halten wir sie kurz und knackig. Sie dienen als kurze Verschnaufpause, um das einseitig verzerrte Weltbild wieder ein Stück ins Lot zu rücken.

Eine Friedenspolitikerin für das Weiße Haus — USA

„So klar gegen den Krieg hat sich seit 70 Jahren kein US-Präsidentschaftskandidat mehr ausgesprochen, wie Tulsi Gabbard“, schrieb Christoph Pfluger in der Mai-Ausgabe des Zeitpunkt. Und Tulsi Gabbard spricht nicht nur von Krieg, sie hat ihn persönlich erlebt und war selbst Soldatin im Kriegseinsatz, bevor sie Kongressabgeordnete wurde. Ihren Amtseid schwor sie auf die Bhagavad Gita, eine der zentralen Schriften des Hinduismus. In einem YouTube-Video sagt sie:

„Die Gita war eine enorme Quelle für inneren Frieden und Stärke in vielen schweren Phasen in meinem Leben, wie bei meinem Einsatz im Mittleren Osten, als ich meinem Land in Uniform diente und während ich von Tod und Chaos umgeben war. In dem Lager, in dem wir im Irak stationiert waren, war ein riesiges Schild an einem der Tore, auf dem stand: ‚Is Today the day?‘ (deutsch: ‚Ist heute der Tag?‘, Anmerkung der Autorin). Dieses Schild war eine ständige Erinnerung für mich und uns alle daran, dass heute der Tag sein könnte, an dem ich diese Welt verlasse. Wie Freunde von mir und andere Menschen, die ich nicht persönlich kannte, im Kampf getötet wurden, und die Zerstörung durch Krieg zu sehen, erinnerte mich an die befristete Beschaffenheit dieser Körper. Dies half mir, mich an die Wahrheit meiner Identität zu erinnern und über sie nachzudenken und Gott in meinem Herzen zu behalten.“

Eine Frau, die den Krieg selbst erlebte und weiß, wovon sie spricht, plädiert öffentlich für eine Beendigung des Krieges in Syrien und für eine gute Beziehung zu Russland (1). Ihren Mut zeigt sie auch, wenn sie sich für die Begnadigung von Edward Snowden ausspricht und somit die Vorgehensweisen von Geheimdiensten anprangert (2):

„Ohne Snowden hätte die amerikanische Bevölkerung nie davon erfahren, dass die NSA aufgezeichnete Telefongespräche sammelte und die Amerikaner ausspionierte. Als Präsidentin werde ich Whistleblower schützen, die Bedrohungen unserer Freiheit und Freiräume aufdecken.“

Natürlich wird sie von den amerikanischen Medien als russische Agentin (3) diskreditiert. Ob sie mit ihrer Botschaft der Liebe und Menschlichkeit sowie ihrer Vorstellung einer integren Politik für das Wohlergehen des Volkes und des Planeten bis ins Weiße Haus gelangt, bleibt fraglich. Doch allein, dass es so mutige Menschen wie sie gibt, die sich — trotz bekannter Gefahren für Politiker und Präsidenten, die gegen den Kapitalstrom des militärisch-industriellen Komplexes schwimmen — in die Politik wagen und versuchen, etwas zu verändern, macht Mut. Menschen wie sie brauchen unsere Unterstützung. Jeder Wandel begann mit einer Utopie, die einzelne Menschen Wirklichkeit werden ließen.

Eine Lösung für Mikroplastik — Deutschland

Täglich gelangen unter anderem durch das Waschen synthetischer Stoffe, den Abrieb von Autoreifen und Schuhen sowie durch die Verwendung von Kosmetika tonnenweise Mikroplastik in die Gewässer dieser Welt. Diese galten bislang als nicht herausfilterbar. Hierfür eine Lösung hat nun jedoch eine Firma aus Türkenfeld, zusammen mit einem Laserinstitut aus Aachen entwickelt. Die Partikel werden mithilfe eines sogenannten Zyklonfilters in Kombination mit einem Laser aus dem Wasser gefiltert.

Der Zyklonfilter an sich ist dafür eigentlich zu grob, doch unter Zuhilfenahme des Lasers ist es möglich, auch Mikroplastik zu filtern. Dabei wird das Blech des Filtereinsatzes durch den Laser mit feinen Löchern durchbohrt. Mithilfe der Fliehkraft wird das Wasser innerhalb der Filteranlage dann auf eine Kreisbahn gezwungen, sodass die schweren Wasserpartikel nach außen geschleudert werden, während sich das leichte Mikroplastik an dem Filter anlagert. 2021 soll der Filter einsatzbereit sein. Er soll dabei nicht nur in Kläranlagen Verwendung finden, sondern auch in Kanalspülwagen oder sogar Privathaushalten.

Mehr Gerechtigkeit für homosexuelle Paare — Taiwan und Angola

Als erstes Land in Asien hat Taiwan die Homo-Ehe erlaubt. Seit dem 24. Mai 2019 dürfen gleichgeschlechtliche Paare in dem Inselstaat heiraten. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes haben gleichgeschlechtliche Paare nun die gleichen Rechte wie heterosexuelle. Dies betrifft sowohl Steuern und Versicherung als auch das Sorgerecht für Kinder. Mit dem Gesetz wurde ein Beschluss des taiwanesischen Verfassungsgerichts von 2017 umgesetzt, welches die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare als unbedenklich bezeichnet hat.

Auch in Angola wurde im Jahr 2019 die Bestrafung von Homosexuellen aufgehoben, und eine umfassende Neuregelung des aus dem Jahre 1886 stammenden Gesetzes, das gleichgeschlechtliche Beziehungen verbat, beschlossen. Zwar sollen in dem afrikanischen Staat in den letzten Jahrzehnten keine Homosexuellen mehr verfolgt worden sein, dennoch waren sie lange Zeit tabuisiert. Dies soll sich nun mit dem neuen Gesetz ändern. Damit ergänzt es ein Gesetz aus dem Jahr 2015, das Diskriminierung und Hassverbrechen gegen Homosexuelle unter Strafe stellte. Jedoch werden homosexuelle Beziehungen rechtlich weiterhin nicht anerkannt. Dennoch ist mit der Verabschiedung dieser beiden Gesetze ein wichtiger Schritt in Richtung einer vollständigen Gleichstellung getan. Noch in etwa 70 Ländern weltweit steht Homosexualität unter Strafe.

Dieser Beitrag von Felix Feistel und Elisa Gratias erschien erstmalig bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse unter CC BY 4.0.

Gute Nachrichten Teil 1 – Der Hoffnungsquickie
Gute Nachrichten Teil 2 – Der Hoffnungsquickie

Quellen und Anmerkungen:

(1) https://gabbard.house.gov/news/press-releases/reps-tulsi-gabbard-austin-scott-introduce-legislation-end-illegal-us-war
(2) https://twitter.com/TulsiGabbard/status/1135534096174768128
(3) https://deutsch.rt.com/nordamerika/88529-usa-prasidentschaftskandidatin-tulsi-gabbard-russische/
(4) https://www.youtube.com/watch?v=XsZtUyoP6OU


Felix Feistel, Jahrgang 1992, schreibt in vielfältiger Weise über die Idiotie dieser Welt und auch gegen diese an. In einer auf Zahlen und Daten reduzierten Welt, die ihm schon immer fremd war, sucht er nach Menschlichkeit und der Bedeutung des Lebens. Er versucht, seine Kräfte und Talente für die Gestaltung einer lebenswerten Welt einzusetzen, indem er sich gegen Ungerechtigkeit und Zerstörung wendet. Trotz des überall grassierenden Wahnsinns ist er nicht bereit, den Glauben an das Gute im Menschen und sein Potenzial, den Planeten in ein Paradies zu verwandeln, aufzugeben. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

Elisa Gratias, Jahrgang 1983, wuchs in Sachsen-Anhalt auf. 2005 wanderte sie nach Frankreich aus, wo sie ihr Studium zur Übersetzerin abschloss. 2014 zog sie nach Mallorca und arbeitet dort seitdem als freiberufliche Übersetzerin. Ihre Auswandererfahrungen und ihr Hang zum Grübeln bescherten ihr viele Erkenntnisse zum Thema Glück, Erfüllung und Gesellschaft. Darüber schreibt sie auf ihrem Blog flohbair.com.

Kategorien: Asien, Europa, Frieden und Abrüstung, Gender und Feminismen, Nordamerika, Ökologie und Umwelt, Vielfalt
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