Gute Nachrichten Teil 2 – Der Hoffnungsquickie

06.07.2019 - Felix Feistel und Elisa Gratias, Rubikon - Pressenza Berlin

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch verfügbar.

Gute Nachrichten Teil 2 – Der Hoffnungsquickie
Regenwald im Amazonas (Bild von Rosina Kaiser auf Pixabay)

Ein Mann, ein Wald

Was jeder Einzelne bewirken kann, beweist der Inder Jadev Payeng. Als er mit 16 Jahren auf einer Sandbank im Nordosten Indiens hunderte tote Reptilien entdeckte, war er schockiert. Die Tiere waren durch ein Absinken des Wasserpegels und das Fehlen von Schatten spendenden Bäumen dem Hitzetod zum Opfer gefallen. Payeng erkannte dadurch die Gefahr, dass auch der Mensch eines Tages so sterben könnte.

Obwohl ihn seine Mitmenschen und die Dorfältesten auslachten, begann der damals 16-Jährige damit, jeden Tag Bäume und andere Pflanzen auf die Sandbank zu bringen und dort einzupflanzen. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass auf diesem kargen Boden etwas wachsen könnte, doch nun, 40 Jahre später, steht dort ein 1.200 Hektar großer Sekundärwald, das Werk eines einzelnen Mannes, der auch heute noch jeden Tag Bäume pflanzt. Der Wald bietet Lebensraum für Reptilien, Insekten, Vögel und Säugetiere. Nun kann man sich die Geschichte dieses Waldes in einer Kurzdokumentation ansehen.

XXL-Nationalpark bei Mallorca

Im Süden von Mallorca liegt die kleine Insel Cabrera. Sie steht seit 1991 unter Naturschutz. Dadurch hatten sich die Fischbestände rund um Cabrera in Rekordzeit erholt. Am 1. Februar 2019 schrieb das spanische Parlament die Erfolgsgeschichte dieses Naturparks fort und erweiterte dessen Fläche um das Neunfache (!), wie die Meereswissenschaftlerin der Naturschutzorganisation Oceana und Co-Workerin von Rubikon-Autorin Elisa Gratias, Marta Carreras, uns erklärte. Somit ist Cabrera nun der größte Nationalpark des westlichen Mittelmeers (1).

Dies ist ein internationaler Meilenstein, sowohl bezüglich der unglaublichen Biodiversität als auch der erreichten Tiefe von 2.000 Metern. Mit seiner Ausdehnung von 90.794 Hektar bietet das zum Park gehörende Mittelmeer bedrohten Arten wie Korallen, Delfinen und Walen nun den höchsten gesetzlichen Schutz. Die internationale Meeresschutzorganisation Oceana hatte sich seit 2007 mit zahlreichen Kampagnen und sechs Forschungsexpeditionen für diese Erweiterung eingesetzt (2).

„Heute ist ein großer Tag für das Mittelmeer, eines der am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Meere des Planeten. Der Nationalpark von Cabrera (…) ist ein Emblem des Unterwassernaturerbes, das wir den folgenden Generationen vermachen müssen. Cabrera ist ein wahrhaftiges Miniaturmittelmeer“, betonte Ricardo Aguilar, Forschungsleiter von Oceana Europa in einer Pressemitteilung. „Es ist das erste Mal, dass Spanien den Gebieten von Walen und großen wandernden Fischarten den höchsten gesetzlichen Schutz gibt, was unter anderem Delfinen, Pottwalen, Finnwalen und dem Roten Thunfisch zu Gute kommt. Außerdem werden tiefe Korallenbänke mit bedrohten Arten (…) in das Schutzgebiet aufgenommen“, erklärte Marta Carreras.

Natürlich ist der Meeresschutz ein langer und längst nicht abgeschlossener Prozess. Oceana setzt ihre wichtige Arbeit durch diesen Erfolg gestärkt fort, um einen grundlegenden Wandel für die Erhaltung der Biodiversität in den Meeren und an Land in die Wege zu leiten. Errungenschaften wie diese zeigen uns, dass sich der unermüdliche Einsatz vieler einzelner Menschen lohnt und kleine Schritte irgendwann zu großen Schritten werden.

Ricardo Aguilar beglückwünschte das spanische Ministerium für den ökologischen Wandel und die Balearische Regierung zu diesem enormen Fortschritt und hofft, dass dies den Weg für die Schaffung weiterer Meeresnationalparks ebnet (2), damit unsere Meere sich schnellstmöglich erholen können.

Geschützter Regenwald

Auch die peruanische Regierung hat den Wert des Ökosystems erkannt, und nun einen 8.700 Quadratkilometer großen Regenwald unter Naturschutz gestellt (3). Dabei arbeitete sie eng mit den dort lebenden indigenen Stämmen zusammen, die auf diesen Wald angewiesen sind.

Der neue Yaguas-Nationalpark ist nun der größte Perus. Hier sind viele einzigartige Tier- und Pflanzenarten zuhause. Der Wald ist so groß, dass der dort aufsteigende Nebel sogar in den USA Regen auslösen kann. Er ist also ein wichtiger Faktor für das lokale und überregionale Wetter und trägt dazu bei, das Klima zu stabilisieren.

Der Yaguas-Regenwald ist einer der letzten unberührten Wälder auf der Erde. Doch, wie alle Regenwälder, war auch er von illegaler Abholzung bedroht. Dem hat die Regierung nun einen Riegel vorgeschoben und erhält auf diese Weise dieses einzigartige Ökosystem. Damit fügt sich der Regenwald in ein Netzwerk ein, das aus Ländern wie Ecuador, Chile und Kolumbien besteht. Dank einer starken Zivilgesellschaft ändern die Politiker dieser Länder ihre Sicht auf den Klimawandel und stellen große, miteinander zusammenhängende Gebiete unter Naturschutz (4).

Dieser Beitrag von Felix Feistel erschien erstmalig bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse unter CC BY 4.0.

Gute Nachrichten Teil 1 – Der Hoffnungsquickie

Quellen und Anmerkungen:(1) Der größte Meeres-Nationalpark des Mittelmeers ist Alonnisos-Nördliche Sporaden in Griechenland mit einer Fläche von 160.000 Hektar. Das Naturschutzgebiet von Cabrera besitzt die zweitgrößte Ausdehnung des gesamten Mittelmeers.
(2) https://eu.oceana.org/es/prensa-e-informes/comunicados-de-prensa/espana-crea-en-cabrera-el-mayor-parque-nacional-marino-del#_edn1; https://oceana.org/press-center/press-releases/spain-create-second-largest-marine-national-park-mediterranean-south
(3) https://nur-positive-nachrichten.de/positive-nachrichten/peru-schuetzt-einen-der-groessten-unberuehrten-regenwaelder-der-welt
(4) https://inhabitat.com/peru-protects-one-of-worlds-last-great-untouched-forests/


Felix Feistel, Jahrgang 1992, schreibt in vielfältiger Weise über die Idiotie dieser Welt und auch gegen diese an. In einer auf Zahlen und Daten reduzierten Welt, die ihm schon immer fremd war, sucht er nach Menschlichkeit und der Bedeutung des Lebens. Er versucht, seine Kräfte und Talente für die Gestaltung einer lebenswerten Welt einzusetzen, indem er sich gegen Ungerechtigkeit und Zerstörung wendet. Trotz des überall grassierenden Wahnsinns ist er nicht bereit, den Glauben an das Gute im Menschen und sein Potenzial, den Planeten in ein Paradies zu verwandeln, aufzugeben. Er ist Mitglied der Rubikon-Jugendredaktion und schreibt für die Kolumne „Junge Federn“.

Elisa Gratias, Jahrgang 1983, wuchs in Sachsen-Anhalt auf. 2005 wanderte sie nach Frankreich aus, wo sie ihr Studium zur Übersetzerin abschloss. 2014 zog sie nach Mallorca und arbeitet dort seitdem als freiberufliche Übersetzerin. Ihre Auswandererfahrungen und ihr Hang zum Grübeln bescherten ihr viele Erkenntnisse zum Thema Glück, Erfüllung und Gesellschaft. Darüber schreibt sie auf ihrem Blog flohbair.com.

Kategorien: Asien, Europa, Indigene Völker, Ökologie und Umwelt, Südamerika
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