Hilfe, wer rettet die Moral?

07.06.2018 - Berlin - Günter Buhlke

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch verfügbar.

Hilfe, wer rettet die Moral?
(Bild von pixabay | CC0 Creative Commons)

Bis zu seinem Lebensende suchte der Humanist und Dichterfürst Goethe den Geheimnissen der Welt auf die Spur zu kommen. Ihm blieb, wie er in seiner Fausttragödie selbst beschrieb, „die höchste Erkenntnis versagt, was die Welt im Innersten zusammenhält“. „Des Pudels Kern“ harrt wohl noch heute noch auf klare Erkenntnisse.

Zu viele unmoralische Geschehnisse belasten den Alltag des Bürgers. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht über betrügerischen Manipulationen in den Auto-, Bau- oder Lebensmittelbranchen berichtet wird. Mit Auslandskonten, Mutter/Tochterbeziehungen der Konzerne werden Steuerpflichten umgangen. Investoren richten erneut ein Schneeballsystem ein und rauben Pensionären das Geld für ihre Altersabsicherung. Zuletzt verloren die Opfer der Investmentgruppe P&R 2,6 Mrd. EURO (BLZ vom 30.5.2018). Die BAFIN, ein Organ der Regierung für die Bankenkontrolle, redet sich aus der Verantwortung heraus und meint, ihre Empfehlungen hätten keine „Bindungswirkung“.

Die Medien kommentieren mit erhobenen Finger alles bewege sich im legalen Rahmen. Das lässt Zweifel an der Qualität der Gesetzgebungsarbeit der Abgeordneten der regierenden Parteien aufkommen. Ihr Gewissen allein reicht wohl nicht für das Erkennen von Moralgrenzen aus. So sind die Nachrichten über die Arbeit der Lobby (BLZ vom 08.08. 2017 Staat im Dienste der Kartelle, 05.01.2018 in der Pharmabranche, 09.01.2018 in der Ärzteschaft, 1.6.2018 Lobbyist im Beamtenstatus) nicht verwunderlich. Das Lesen der Veröffentlichungen des sozialen Netzwerkes „Lobby-Control“ kommt einem Kriminalroman gleich.

Zur Tragik des Moralverfalls gehört auch das Verhalten der Justiz und mancher Richter. Zu häufig enden Gerichtsverhandlungen großer Namen und Fälle mit Vergleichen (Beispiel Streit um Toll Collect. Die Regierung forderte 9,5 Mrd. Euro, das Konsortium wird 3,2 Mrd. zahlen).

Moralnormen sind nicht als Gesetze kodifiziert und das machte es den Richtern nicht leicht. Eine andere Merkwürdigkeit. Das Wirtschaftsstrafgesetz zählt magere 23 Paragrafen. Das BGB, das die allgemeinen Rechtsverhältnisse der Bürger regelt, kommt auf 2385 Paragrafen.

Die tägliche Unmoral ist eine der Ursachen für die Spaltung der Gesellschaft. Das aktuelle Programm der GROKO sieht keine substanzielle Veränderung vor. Weder die Aufhebung der Hartz IV Gesetze, noch die Herstellung des Prinzips „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Die Liste der unmoralischen Vergehen ist lang. Sie betrifft nicht nur den Steuerbetrug, die Welt der Arbeit, die Täuschung der Verbraucher, die Wohnwelt, Bonizahlungen, sondern auch die Sünden der Wirtschaft und der Bürger gegen die Natur. Ein erschreckender Sonderfall ist der zunehmende Mißbrauch der Kinder.

Was bieten die Medien oder die Politikwissenschaftler zur Änderung an?

Alles vollzieht sich im legalen Rahmen oder es entspricht dem Grundgesetz, wird dem Bürger berichtet. Es bleibt also alles wie es ist. Ernsthafte Alternativen, die die Moralnormen stärken, sind kaum zu erkennen oder es wird auf noch einzurichtende Kommissionen verwiesen. Ohnehin unterliegen die wichtigen Themen Befristungen, die vom Rhythmus der Bundeswahl bestimmt werden. Parteien denken zuerst an sich selbst, so auch zuerst an ihre Diäten.

Grundwerte wie die Freiheit bleiben vom Moralverfall nicht verschont. Großunternehmen nehmen sich die Freiheit, auch bei guten Bilanzen Arbeitnehmer zu entlassen. Leiharbeit als Massenerscheinung löste bei den Gewerkschaftsführern keine Grunderschütterung oder einen Generalstreik aus.

Mit dem Verfall der Moral droht dem Humanismus Gefahr. Der ambivalente Egoismus, der Gutes in sich tragen kann, aber zu oft Böses schafft, ist Triebfeder der unguten Entwicklung. Eine nachlaufende Bewertung, ob der Trend in Sachen Moral gestoppt wurde, kann der Bürger wirksam erst 2021 zur nächsten Bundestagswahl vornehmen.

Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“ (Unbekannter Maler |via Wikimedia Commons)

Kategorien: Meinungen, Politik, Wirtschaft
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