Interview mit Alvaro Orus, Regisseur des Dokumentarfilms über das Bedingungslose Grundeinkommen

08.05.2018 - Gabriela Amaya

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Interview mit Alvaro Orus, Regisseur des Dokumentarfilms über das Bedingungslose Grundeinkommen

Im Rahmen des Europäischen Humanistischen Forums in Madrid wird am 12. Mai im Centro Civico El Pozo um 12 Uhr der Dokumentarfilm „Grundeinkommen – Unser Recht auf das Leben“ in spanischer Originalsprache gezeigt. Wir haben mit dem Regisseur und Autor Alvaro Orus über seine neue Produktion gesprochen, die das hochaktuelle Thema des Bedingungslosen Grundeinkommens beleuchtet.

Wie bist Du zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) gekommen?

Also, es war tatsächlich durch ein Interview mit Mayte Qintanilla, das ich für Pressenza geführt hatte, und die dann auch selber im Film erscheint, sowohl im Interview als auch als Fragen Stellende an andere Protagonisten. Das war zumindest der Moment, in dem ich aufhörte, mich von dem Thema zu distanzieren und in dem ich mich auch emotional darauf eingelassen habe. Es folgten dann weitere Artikel in unserer Agentur, in denen ich begann, das Thema zu vertiefen.

Warum einen Dokumentarfilm zu diesem Thema?

Weil ich es in unserer heutigen Zeit als absolut notwendig ansehe. Die Wirtschaft ist aufgrund von Technologie und Globalisierung grundlegenden Änderungen unterworfen und wir brauchen einen gigantischen Wertewandel, zumindest aber die Sicherung der grundlegendsten Bedürfnisse aller Menschen.

Du hältst es also für ein universelles Recht?

Wie es auch eine unserer Interviewpartnerinnen beschreibt, ist das BGE eine Bezifferung des Rechts, das im Artikel 25 der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen verankert ist. Darüber hinaus bin ich überzeugt davon, dass letztendlich jeder dieses Recht insgeheim anerkennt. Wenn wir dieses Recht nicht auf jede mögliche Art und Weise berücksichtigen und implementieren, dann wird das zu einer deprimierten und feindlichen Gesellschaft führen.

Welche Konsequenzen siehst Du für eine Maßnahme wie das BGE?

In den verschiedenen Interviews werden viele der Konsequenzen einer Einführung des BGE aufgezählt. Um nur einige davon zu nennen würde das BGE einerseits Armut ein Ende bereiten, und somit auch wirtschaftlicher Gewalt und all ihren grausamen Auswirkungen, die eng damit verbunden ist. Andererseits würde es aber auch ein gewaltiges Potenzial freisetzen, an Kreativität, für bessere soziale Bedingungen und für Fortschritt in allen Bereichen, denn dieses Potenzial ist momentan in einem absurden wirtschaftlichen System gefangen.

Im Film werden viele Frauen interviewt…

Ich glaube, dass wir gerade – wie auch in vielen anderen Bereichen – eine Veränderung unserer Geschichte mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen erleben. Am Anfang, in den 80er Jahren, waren es hauptsächlich Männer, die es forderten. Das hat sich geändert und wir haben hauptsächlich mit Frauen gesprochen, die momentan dieses Thema in vielen verschiedenen Bereichen voranbringen. Mir scheint zudem, dass das BGE zum Beispiel ein konkreter und machbarer Weg für eine echte Emanzipation der Frauen ist.

Wir kennen Dich als Regisseur, der sich mit „intimeren“ Themen sehr gut auskennt, aber immer wieder wendest Du Dich auch sozialen Themen wie diesem zu. Wie bewegst du Dich zwischen diesen beiden Welten?

Ich denke mal, mit „intimen“ Themen meinst Du jene, die ich in meinen vorherigen Filmen behandelt habe, wie zum Beispiel Rache oder Trauer. Tatsächlich aber sehe ich diese Themen immer auch als etwas Soziales an, oder auch als etwas Kulturelles, wenn man so will. Also als Glaubenskonstrukte oder soziale Probleme, die individuell erlebt oder durchlitten werden. Es ist eine der Charakteristiken der Humanisten, dass sie notwendige Transformationen sowohl als sozial als auch als eine persönliche Sache ansehen. Auch im Film über das BGE gehen wir psychologischen oder existenziellen Fragen nach, wie zu Überzeugungen, Werten, Leid durch schlechte wirtschaftliche Situation oder zu einer Zukunft, die offen sein kann…

Wie die Protagonisten im Film bist also auch Du zum Verfechter und Aktivist für das BGE geworden…

Oh ja, natürlich, warum sonst hätte ich soviel Energie reingesteckt, wenn nicht aus der Tatsache heraus, ein Konvertierter des BGE zu sein? Ich habe hier die Möglichkeit gesehen, etwas wirklich Effektives zu tun, auf reale Art und Weise einen Beitrag leisten zu können. Meiner Meinung nach wird das BGE kommen, so oder so, denn wir haben gar keine andere Wahl. Das wichtigste ist aber, dass dieser Vorschlag die Menschen auf eine positive Art erreicht, so wie es schon in vielen Ländern geschieht, in denen es den Umfragen nach einen mehrheitlichen Konsens zum BGE gibt. Wenn die Menschen dem Ganzen positiv gegenüber eingestellt sind, müssen sich auch die Politiker irgendwann beugen. Die Macht liegt letztendlich bei den Menschen und ihren Überzeugungen.

Link zum Trailer (Spanisch / Englisch)

Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter

 

Kategorien: International, Interviews, Kultur und Medien, Menschenrechte, Wirtschaft
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