Syrien, Skripal, Chemiewaffen und der gemeinsame Nenner

20.04.2018 - Pressenza Muenchen

Dieser Artikel ist auch auf Spanisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Syrien, Skripal, Chemiewaffen und der gemeinsame Nenner
(Bild von Youtube / Screenshot: Video "Weltweite Demos gegen US-Angriff auf Syrien")

Laut einem Bericht von RT Deutsch gibt es einen gemeinsamen Nenner, der den Giftgasanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal und den vermeintlichen Giftgangriff der syrischen Regierung gegen ihre eigenen Bevölkerung miteinander verbindet.

Der Mann, der die britische Regierung inoffiziell in Fragen von chemischen Waffen berät, der in Syrien und anderen Ländern mit Konfliktherden vor Ort „Beweise“ sammelt und dort Truppen und Personal schult, inklusive der umstrittenen „Weißhelme“, und der auch im Fall Skripal sofort als erster Parallelen nach Russland zog und somit die dortige Regierung beschuldigte, arbeitet für eine Firma, die Atemschutzsystemtechnik herstellt, und die in letzter Zeit mehrere millionen- bzw. milliardenschwere Aufträge von der britischen und der amerikanischen Regierung erhalten hat.

In einem anderen Artikel wird das bestätigt, was auch der britische Journalist Robert Fisk dem Independent aus Duma berichtete, der sich zum Zeitpunkt des angeblichen Giftgasanschlags in unmittelbaren Nähe des besagten Krankenhauses aufhielt und mit dem dort behandelnden Arzt gesprochen hatte: nämlich dass plötzlich eine Gruppe Unbekannter ins Krankenhaus eindrang, laut herumschrie, die eingelieferten Patienten seien mit Giftgas verseucht, einen Wasserschlauch anschloss, alle damit bespritze und somit Panik auslöste während eine Kamera mitlief.

Augenzeugen vor Ort zufolge waren aber tatsächlich Patienten zu sehen, die aufgrund von durch den Beschuss syrischen Truppen ausgelösten Staubwolken, die in ihre Keller gedrungen waren, wegen Atemnot eingeliefert wurden. Sie litten an Sauerstoffmangel, nicht an einer Gasvergiftung. Trotzdem diente das Video als Grundlage für die Anschuldigungen gegen die syrische Regierung und somit auch für die Bombardierung. Es war von den Weißhelmen verbreitet worden.

Der besagte Mann, ein Ex-Angehöriger des britischen Militärs mit engen Verbindungen zu Geheimdienst- und Regierungskreisen, scheint zumindest nach dem Bericht der einzige und immer wiederkehrende Knotenpunkt im Bezug auf beide Fälle zu sein, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Er behauptet zudem, er habe in der Vergangenheit Proben aus Syrien an die OPCW übermittelt, was die internationale Organisation aber dementierte. Seine undurchsichtige Rolle im Bezug auf Weißhelme wird auch in einem Bericht des MDR bestätigt. Im übrigens soll er eine Villa im britischen Ort Porton Down besitzen, der seit dem Fall Skripal kein unbekannter mehr ist.

In einem weiteren Artikel zum Thema zitiert der MDR den Nahost-Experten und Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz, Prof. Dr. Günter Meyer, der mit Blick auf solche Aufnahmen, wie man sie von dem angeblichen Chemiewaffeneinsatz in Duma gesehen habe, sagte, eine „Hauptzielsetzung“ der „Weißhelme“ sei es, solche Dinge zu inszenieren und propagandistisch gegen das Assad-Regime einzusetzen. Wir erinnern uns: der besagte Mann schult Truppen wie die Weißhelme und berät des weiteren „Hilfsorganisationen“, die Weißhelm-Einsätze in Syrien koordinieren.

Die OPCW kann indessen wegen angeblicher „Sicherheitsbedenken“ seitens der USA erst jetzt, nach den Bombenvergeltungsschlägen, nach Duma reisen, um ihre Arbeit dort aufzunehmen. Warum konnten die USA mit der Bombardierung nicht warten, um die ersten Ergebnisse der Untersuchung der international anerkannten Organisation abzuwarten, fragt berechtigterweise Richard Eskow, amerikanischer Journalist und Senior Advisor für Health and Economic Justice bei Social Security Works, in seinem Artikel, so wie auch eine stetig steigende Anzahl kritisch denkender Menschen weltweit.

Satte 103 Raketen wurden von westlichen Militärs auf drei Ziele, alles angebliche Chemiewaffenlager und -produktionsstätten der syrischen Regierung, abgefeuert und haben laut den verantwortlichen Regierungen auch alle ihr Ziel erreicht hätten. Sollte dies zutreffen, müsste das doch aber auch bedeuten, dass danach erst recht giftige Gase nicht nur in die nähere Umgebung, sondern je nach Windstärke in die gesamten Region gelangt wären und dann tatsächlich zahlreiche Menschen vergiftet hätten.

Die Opferzahlen für den angeblichen Giftgasangriff der syrischen Armee hingegen gehen stetig zurück, anstatt wie bei solchen Katastrophen üblich, eher nach oben, je mehr Tote geborgen werden: Sprach die Tagesschau am 08.04. noch von bis zu 150 Toten und 1000 Verletzen, so sind es 9 Tage später laut Bild nur noch 43 Tote und 500 Verletzte.

Derweil gibt es immer noch keine aussagekräftigen Beweise, weder für die Täterschaft Russlands im Fall Skripal, um den es inzwischen erstaunlich still geworden ist, noch für das Vergasen der syrischen Bevölkerung seitens ihrer eigenen Regierung. Zumindest haben die westlichen Regierungen sie der Öffentlichkeit immer noch nicht vorgelegt.

Und auch hier lässt sich die Parallele ziehen: noch bevor unabhängige Organisationen Beweise liefern konnten, war für westliche Mächte klar, wer der Schuldige ist und es wurde ohne jegliches Mandat und entgegen geltenden Völkerrechts gebombt. Genau wie im Fall Skripal, nur dass hier Sanktionen verhängt und Diplomaten ausgewiesen wurden, anstatt Bomben abzuwerfen.

Je länger die Aufklärung in beiden Fällen dauert, desto mehr Zweifel ergeben sich an den Versionen der westlichen Regierungen. Zumindest sind inzwischen auch die Leitmedien aufmerksam geworden: Klaus Kleber beendete seine Berichterstattung vom 17. April im Heute-Journal im Hinblick auf alternative Informationen aus Syrien mit den Worten „“Nichts davon ist bisher unabhängig überprüft, aber das waren die Aussagen der Gegenseite bisher ja auch nicht“.

Man kann nicht umhin, sich zu fragen, wie weit denn die Parallelen noch gehen… Weder wurden im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden, noch bestätigten sich die Gerüchte, Libyen massakriere sein Volk, aufgrund derer aber dann Krieg geführt wurde. Und auch im Kosovo gab es hinterher doch keine Konzentrationslager. Was bedeutet das für Syrien? Und für die westliche Kriegstreiberei gegen Russland, von der offensichtlich einige wenige gewaltig finanziell profitieren? Sollte das Schicksal der Menschheit tatsächlich von Putins Vernunft abhängen, sich nicht provozieren zu lassen? Momentan scheint es so.

 

 

Ebenfalls lesenswert zum selben Thema: „Syria and Press Propaganda“ (Englisch)

Kategorien: Internationale Angelegenheiten, Meinungen, Politik
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