Interview mit Álvaro Orus, Regisseur des Dokumentarfilms ‚Jenseits von Rache‘

28.09.2016 - Berlin - Gabriela Amaya

Dieser Artikel ist auch auf Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch verfügbar.

Interview mit Álvaro Orus, Regisseur des Dokumentarfilms ‚Jenseits von Rache‘

Dieser Dokumentarfilm, der seine Premiere auf der Internationalen Friedenskonferenz in Berlin feiert, wird unzweifelhaft ein neues und fundamentales Element zum Thema “Abrüstung- für ein Klima des Friedens”, das Motto dieses Kongresses, beitragen.

¿Wie bist du zu diesen ganzen Geschichten, die mit Rache und dem Wunsch nach Versöhnung zu tun haben gekommen?

Das begann mit einer Arbeit von Luz Jahnen, er hat sich mit diesem Thema beschäftigt und ausgehend von seinen Forschungen hat er Workshops zu den Themen Rachen und Versöhnung organisiert. In den Workshops reflektieren die Teilnehmer ein Wochenende lang über das Thema Rache in der Geschichte, der Gesellschaft und im eigenen Leben. So ein Workshop fand im Studien- und Reflexionspark Toledo statt und dort habe ich mit den Leuten gesprochen, als sie dort rauskamen. Sie waren begeistert  und berührt und ich hatte den Eindruck, dass die Leute dort etwas interessantes entdeckt haben.

Dann habe ich mit Luz gesprochen und er meinte, er habe überlegt daraus eine Doku zu machen, der vor allem die Erfahrungen und die Erkenntnisse, die sich in den Workshops ergeben, an viel mehr Leute und in einem viel kürzeren Zeitraum vermitteln könnte.

Für uns war ein wichtiges Kriterium für den Film nicht nur eine Idee zu vermitteln, sondern ganz besonders auch eine Erfahrung. Jemand, der den Film sieht soll sich der Rache in sich selbst und in den anderen um ihn herum bewusst werden. Wir kamen darauf,  dass die Teilnehmer an den Workshops, die ja zu wichtigen Erkenntnissen gelangten dies in Interviews vermitteln könnten.

In deinen Dokus wählst du fast immer das Interview Format, um deine Geschichten zu erzählen…

Ich glaube die meisten Menschen sind es müde zu hören, was sie zu tun oder zu denken haben. Vielleicht ist es besser Beispiele aus dem wirklichen Leben zu sehen, Leute, wie wir, die uns zeigen, auf welche Probleme sie gestoßen sind und was sie getan haben, was sie gelernt haben. Ich glaube das führt zu einer echten Reflexion und das kann uns Möglichkeiten öffnen für Dinge, die wir wirklich tun können.

In meinen drei letzten Dokumentarfilmen, liegt die Kraft der Botschaft sicherlich in dem was die befragten Menschen sagen.

Diese drei letzten Arbeiten stehen mit existentiellen Themen in Verbindung. Hat das etwas mit deinem Leben zu tun?

Sehr viel. Schmerz oder auch Rache denke ich sind Themen, die uns alle tief berühren. Meine Idee bei diesen Produktionen liegt darin, dass sie der Ausdruck einer inneren Arbeit der jeweiligen Person sind. Ich glaube, dass in Wirklichkeit alle Personen, die irgendwie, sei es als Musiker, oder Spezialist an diesem Projekt teilgenommen haben, in dem jeweiligen Thema weiterkommen und das drücken sie unterschiedlich aus und die Doku ist die Gesamtheit all dieser Ausdrucksformen.

In all deinen Projekten gibt es – man könnte sagen – einen Eingang, den Rahmen für die Handlung, einen Kern und ein positives Ende oder eine positive Antwort, die das jeweilige Problem überwindet. Das alles wird erzählt anhand des Lebens der Hauptdarsteller.

Ja diese Handlung ist die innere Ordnung für die Doku. Dieses immer wieder auftauchende Modell wurde von den „Geleiteten Erfahrungen“ von Silo inspiriert. Durch den Rahmen der Geschichte, konzentriert der Kern die gesamte dramatische Erfahrung. Wir haben versucht verschiedene Fälle zu zeigen und eine Folge daraus ist, das wir fast alle einen Befragten finden, mit dem wir uns auf eine oder andere Art identifizieren. Da wir uns mit ihm identifizieren, nehmen wir Verbindung mit unseren eigenen Erfahrungen auf und wir begleiten den Befragten auf seinem Weg, bis wir den Ausgang finden und die Situation verändern. Wenn es auch manchmal um sehr harte Themen geht, so ist doch die Stimmung im allgemeinen und besonders am Ende, leicht und hoffnungsvoll.

Das sind „heikle“ Themen, mit denen ihr da in den Interviews zu tun habt, die Befragten legen ihre Seele bloß. Man gewinnt den Eindruck, das Öffentlich machen wirkt heilend.

Wir hatten das Glück sehr mutige Menschen gefunden zu haben, die von Dingen berichten, über die man normalerweise nicht spricht. Aber diese Hemmschwelle, die sich im Alltag ergibt, verhindert sehr oft, dass wir uns mit Dingen beschäftigen, die wirklich wichtig sind. Die Befragten überwinden diese Barriere und allein die Tatsache darüber zu sprechen, tut ihnen gut, das sagen sie jedenfalls. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass man einer Erfahrung einen Sinn verleiht, die eigentlich negativ ist. Da man es aber in eine Lehre verwandelt, wird es auch noch nützlich für andere. Das hilft das ganze zu integrieren, das Leiden, was ursprünglich damit verbunden war, verschwindet.

Besonders die Frauen erzählen ohne große Schwierigkeiten…

Ja genau. Wir mussten manchmal sogar „positiv diskriminieren“, damit nicht nur Frauen berichten und auch Männern die Möglichkeit geben sich auszudrücken und mitzumachen.

Viele Befragte kommen aus Lateinamerika. Gibt es da einen bestimmten Grund?

Das kommt daher, dass Luz viele Workshops dort gemacht hat. Einige Leute aus Chile waren sofort begeistert von dem Projekt und haben uns einige Interviews geschickt. Als wir die Aufnahmen sahen, wurde uns klar, dass sie sehr bewegend waren und vermittelten, was wir vermitteln wollten. Ich glaube das war ein wichtiger Schritt im Projekt.

An diesem Projekt haben viele Menschen sich ehrenamtlich beteiligt.

Da muss man die Arbeit der Musiker Florent und Mara hervorheben, die mit ihren Überlegungen und ihren eigenen Erfahrungen beigetragen haben. Dann natürlich die Kameraleute, die Spezialisten… es kommen dann nach und nach immer mehr freiwillige Leute zu einem gemeinsamen Projekt zusammen. Wir hoffen auch, dass es nach der Veröffentlichung noch mehr werden. Ich glaube es ist besser ehrenamtlich zu arbeiten, wenn man einen gewissen Geist erwecken möchte, was in einem kommerziellen Rahmen nicht so gut möglich ist.

Übersetzung aus dem Spanischen von Marita Simon

Kategorien: Humanismus und Spiritualität, International, Interviews
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